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Powder For Pigeons + My Sleeping Karma – Junkyard Open Air 12.09.20

(KiS + vo) Vom Schrottplatz (Junkyard) in Dortmund schallte später der Jubel bei beiden Bands bestimmt bis in die City……warum? In diesem von Rockveranstaltungen sehr armen 2020 warteten 250 nach Live Musik ausgehungerte und dürstende Fans in Biergartenbank Atmosphäre und waren anschließend eben von beiden Bands begeistert, sehr begeistert: das Areal prasselte und brummte förmlich schon vor dem ersten Ton in aufgeregter Erwartung, eine großartige Stimmung brodelte durch die Sitzreihen.

(KiS) Powder for Pigeons begüßen mich am gut ausgestatteten Merchstand. Natürlich Coronakonform mit Mund-Nasenschutz. Unser kleines Schwätzchen macht wieder bewusst wie schmerzlich man/frau die „guten alten Zeiten“ vermisst. Aber wir alle sind gewillt, das Beste aus der Situation zu machen, und jede Sekunde zu genießen. Nebenan, hinter dem Drängelgitter stellen sich die Besucher im gebührenden Abstand an die Getränkeausgabe. Hier auf dem Gelände ist ganz schön viel Platz, selbst nachdem sich die nummerierten Sitzbänke gefüllt haben. Vor allem viiiiel Platz vor der Bühne. Trotzdem versuche ich mich unauffällig zu verhalten, sobald die ersten vertrauten Töne von der Spielfläche schallen. (Ich muss übrigens beim nächsten Mal unbedingt überprüfen, wie gut Rhys inzwischen Deutsch spricht.) Die Australien-Karte auszuspielen macht trotzdem immer Sinn, da das Tauben-Duo sein Leben weiterhin zusammen zweiteilt. Eine Hälfte des Jahres wird in Down Under, die andere in good old Germany verbracht.

Schon zum Ende des ersten Songs, fällt jegliche Home-Office-Müdigkeit von  Sänger und Drummerin ab. Dargeboten wird eine bunte Mischung der best-of aller bisher erschienenen Alben, die ich hier einfach mal dreist verlinke:  Tectonic CrustOver & OutLay It OnHell outta hereCircus Kinda TimesWashed, Dried, Brain Fried, and Powder for Pigeons.

PfPbandDer Sound ist gewohnt massiv, ich habe schon lange aufgehört mich zu wundern wie nur 2 Personen das schaffen. Während hinter dem Schrottplatz die lauwarme Abendsonne verschwindet, drehen Meike und ihr raumgreifender Partner an der bassigen Gitarre so richtig auf, Nebel legt sich über die Auslage. Die Stimmung ergreift natürlich auch das brav sitzende Publikum, Kopfnicken und Applaus gelingt auch so vorzüglich. Während ich mich noch im Kampf mit dem Maskenatmungsbedingt beschlagenden Sucher befinde, trudeln auch ein paar versprengte weitere Fotografen ein. I’m said and done und schwirre an die Nebenschauplätze um in der heraufgezogenen Dunkelheit die Atmosphäre des Abends in mich aufzusaugen.

Setlist: 1. Dancin‘ Demons 2. Allergy, 3. DTC 4. The Hobbit 5. Early Grave 6. Organintro 7. Brandneues noch namenloses Stück ( 3 Tage vor Konzert fertiggemacht)  8. Alone, 9. Said & Done

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(vo) Wer von mir erwartet das ich bei My Sleeping Karma Objektivität walten lasse sollte hier an dieser Stelle abbrechen…..denn:

1. Sie sind live eine Macht, immer, überall. 2. Die zuhörenden Freaks stehen wie eine bunte Mauer hinter der Band, feiern sie ab. Und ich kenne niemanden der sie nicht mag (so eine(n) will ich auch nicht kennen!). 3. Sie machen einen Sound, der sehr viele Alleinstellungsmerkmale besitzt. 4. Ich bin mit ihnen sehr gut befreundet und sie sorgen immer wieder dafür das ich den ganzen Scheißdreck dieser Welt während ihres Auftritts vergessen kann. 5. Wunderbare Menschen! Matte – Bass, Norman-Sound- und Keyboard, Seppi – Gitarre und Steffen – Schlagzeug.

Eine besondere Ehre wurde mir vor ihrem Auftritt neben dem Aufgang zur Bühne zuteil: ich sollte in ihren inneren Kreis einsteigen. Dieses Ritual zelebrieren sie vor jedem Auftritt normal auf der Bühne, bilden einen viermännigen Kreis, umschlungen, und was da gesprochen wird bleibt unter ihnen. In diesem heutigen Fall durfte ich daran teilnehmen bevor sie auf der Bühne dieses Ritual als Band wiederholten und ich werde mich hüten zu schreiben was wir da zueinander sprachen. Und noch eine wunderbare Ehre für mich: Matte frug mich morgens über Messenger ob ich sie am Abend ansagen würde: natürlich, mit dem größten Vergnügen. Es war mir ein Fest und eine Ehre, danke Jungs!

Zu dem umjubelten, emotionalen, von vielen sehnsüchtig erwarteten, knapp 80 minütigen Auftritt: Es war wie die Heimkehr verlorener Söhne (sie konnten aus ja aus gesundheitlichen Gründen fast 15 Monate nicht auftreten, dieser war der vierte seit dem): sie wurden vom Publikum auf Händen getragen, angefeuert, gefeiert, es gab teilweise Szenenapplaus und Jubel während der monolithischen Songs!, es herrschte eine phantastische Stimmung auf dem Platz. Viel Gänsehaut, bestimmt etliche Tränchen (bei mir sowieso) und unglaublich begeisterte vier Musiker, die alles raushauten, alles gaben. Sie wurden getragen (ja, ja, ich wiederhol mich….aber das mach ich gerne) von einem Publikum, das wirklich und wahrhaftig aus fast ganz Deutschland und angrenzenden Ländern anreiste. Und wenn sie mit „Brahma“ beginnen ist sowieso Göttliches für die nächste Zeit einprogrammiert: https://www.youtube.com/watch?v=ejHdOOO3z_M&list=RDejHdOOO3z_M&start_radio=1

Und danach? Ein MSK Evergreen nach dem anderen eroberte die Herzen und Seelen der 250 Freaks, wie z.B. Glow11, 23 Enigma oder Hymn 72, alle von ihrem 2006er Einstandsalbum. Ich kämpfte derweil auch mit Schweißtränen, beschlagenen Brillengläsern, beschlagenem Kamerasucher, aber egal, ein paar vernünftige Aufnahmen sind ja dabei entstanden wie ich hoffe. Ich zog mich aber nach einigen Aufnahmen auf meine Presseplatz Bierbanksitzfläche zurück und hörte zusammen mit Fred, dem Chef des Stoned From The Underground (nicht mehr aktiver Eisenbahner – ich und aktiver Eisenbahner – er) voller Schpassss und Freude zu wie die vier Jungs den Schrottplatz platt spielten……es war uns ein Fest. Großen Dank senden wir an Veranstalter Joe/ ShogunKonzerte, Sound Of Liberation, an beide Bands und an die großartig disziplinierten Freaks und die Junkyard Mannschaft….(KiS + der kursive vo)

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