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Triptonus – Soundless Voice

(andreas) Obwohl sich „Triptonus“ als Kollektiv verstehen, vermitteln sie auf ihrem dritten Studioalbum nicht den Eindruck, eine lose Zusammenrottung von Musikern zu sein, wie man in Hinblick auf den Kollektivgedanken vermuten könnte –. Die Musik der Österreicher mag zwar weit ausschweifen und etliche Klangfarbnuancen enthalten, wirkt aber zu keiner Zeit planlos.

Das Sextett versteht sich auf psychedelischen Rock ohne stilistische Grenzen oder Zwänge, weshalb keiner der Tracks auf „Soundless Voice“ klingt wie der andere. Das verschmitzte, leicht orientalisch angehauchte „Ikaros“ ist ein relativ leichtverdaulicher und somit idealer Einstieg, an den das melodramatisch torkelnde „B’har (Ocean)“ mit Percussion-Unterfutter als wesentlichem Gestaltungsmerkmal anknüpft.

Da die Wiener in einer um verschiedene Percussioninstrumente erweiterten Besetzung aufspielen, die zwischendurch auch auf Geige und Kontrabass zurückgreift, deckt sie zwangsläufig ein breites dynamisches Spektrum ab, was insbesondere während „Myzel“ deutlich wird, nachdem das an „Planet Caravan“ von „Black Sabbath“ denken lassende Intro verklungen ist: Härtere Gitarrenausschläge gehen mit erhöhtem Tempo einher, und konkrete Melodien schälen sich aus dem repetitiven Rhythmusfundament heraus.

„Tourwreck“ mutet daraufhin deutlich luftiger an und birgt eine Menge Afrobeat in sich, wie ihn der nigerianische Gitarrist Mdou Moctar derzeit ins Licht der internationalen Öffentlichkeit rückt, anschließend verschmelzen Heavy Rock und Weltmusik nahtlos in „Mouja“… doch dass nach dieser vermeintlich klaren Eingrenzung noch mehr geht hätte man bis zu „Suchtdruck“ nicht erwartet.

Hiermit haut die Gruppe eine Art Semi-Mathrock heraus, der sich buchstäblich gewaschen hat: hibbelig, virtuos und auf einen unausweichlichen Höhepunkt hinsteuernd – und wie um sich dafür zu entschuldigen, markiert das darauffolgende Titelstück einen Rückzug auf zähfließende Doom-Riffs im Wechsel mit entrücktem Geklimper. Dass „Abspann“ schließlich auch noch Ethno Jazz zur Geltung bringt, verwundert dann auch nicht mehr.

Ergo ist „Triptonus“ mit dieser Platte ein Kunststück gelungen, nämlich viele Stile zu einem aufregenden und vor allem stimmigen Ganzen zu vereinen. Das müsst ihr gehört haben.

triptonusband.bandcamp.com

Ikaros

B’har (Ocean)

Myzel

Tourwreck

Mouja (Wave)

Telperion

Suchtdruck

Soundless Voice

Abspann (Des Bors)

Andreas Schiffmann

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