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Kvasir – IV

(js) Portland in Oregon gilt ja gemeinhin als Hauptstadt des Doom/Psychedelic Rock in den USA. Fragt man amerikanische Metalheads wieso dies so ist, wird nicht selten auf das Wetter verwiesen. Mit fast neun Monaten grauer Wolkendecke im Jahr und einer geografischen Lage so weit nördlich, dass die Sonne im Winter gegen 16 Uhr untergeht, bietet diese Region offensichtlich einen fruchtbaren Boden für diese Art Musik.Gut, kann man so sehen. Was aber auch nicht von der Hand zu weisen ist, ist, dass der Verfasser dieser Zeilen das Debutalbum „Kvasirs“ bei bummeligen 20°C im sonnigen Kohlenpott ins Herz geschlossen hat. Wobei man sich im Klaren sein muss, dass der Vierer, bestehend aus dem Sänger und Gitarristen Christopher Lee (nein, keine Reinkarnation des Dracula-Darstellers), Gabriel Langston (Gitarre), Greg Traw (Bass) und Jay Erbe (Schlagzeug) sich nicht darauf beschränkt, uns eine neuerliche musikalische „Sabbath“-Verehrung um die Ohren zu schlagen. Vielmehr nehmen sie uns mit auf eine wunderbare Abenteuerreise durch die Zeitalter des „Heavy Metal“.

„Kvasir“ beginnen im „Proto-Metal“, lassen uns die „NWOBHM“ spüren, scheuen auch okkulte Töne nicht und verpaaren all das immer wieder perfekt mit Iommi-Riffs und den Grooves der Granden aus Birmingham. Und in all diesen Momenten verwandeln sie dieses große Abenteuer in etwas Majestätisches. Das Album hat diesen knackigen, rohen Gitarrensound, bei dem die Fans der frühen „The Sword“-Ära in Ohnmacht fallen werden, bietet lange bezaubernde Intros und großartige Soli. Dass Tony Reed („Mos Generator“) für das Vinyl-Mastering verantwortlich zeigt, macht dieses Album dann tatsächlich rund.

Bereits der Opener „Where Gods Go To Pray“ bietet fantastisch verzerrte Riffs und Leads, unterstützt von einer monströsen Drum- und Bass-Combo, die gemeinsam dein Haus in Schutt und Asche zu legen imstande sind, wenn du die Regler mal so mirnixdirnix auf 11 stellst. „Slow Death Of Life“ fesselt umgehend mit einem eingängigen „Clutch“-ähnlichen Intro-Riff währenddessen die zweite Gitarre hinzukommt und eine wunderbare Melodielinie spielt, die die Jahre der „NWOBHM“ uns kaum schöner hätten darbieten können. Insbesondere hier kommt Christopher Lees Stimmumfang dann wirklich auch perfekt zur Geltung. „Earthly Algorithms“ baut durch seine verzerrten Riffs und das preschende Schlagzeug dann wieder eine aggressivere Grundstimmung auf, die jedoch nie den Hang zur Melodie scheut.

„Chill For A Church“ ist ein von Riffs durchtriebener Song, der zudem Raum für epische Soli bietet und in einem solchen auch mündet. „The Brink“ und „The Mailbox“ scheinen sich einmal mehr die frühe „Maiden“-Ära auf die Fahnen geschrieben zu haben, ohne dafür plagiatorisch zur Verantwortung gezogen werden zu können. Das finale „Alchemy Of Identity“ bietet noch einmal 7 Minuten puren Enthusiasmus, der durchaus episch-doomig daherkommt, dabei aber nie die „Heaviness“, die dieses Album per se durchzieht, aufs Spiel setzt. Der Song setzt erst nach ungefähr drei Minuten richtig ein und endet in einem langen, schnellen Outro, das uns mit einem „schreddernden“ Gitarrensolo ins Hier und Jetzt entlässt.

Mit diesem Debut, nach zwei EPs aus dem Jahre 2018, setzten „Kvasir“ den Weg fort, den sie im Jahre 2019 begonnen haben, in dem sie der Portland-Musik-Szenerie schon einmal einen erkennbaren Stempel aufdrückten. Eine Tour durch den pazifischen Nordwesten bis zum pandemischen Timeout förderte die eigene Produktivität, die dann dazu führte, dass man während dieser konzertfreien Tage, Zeit und Muße fand, die Arbeit an diesem Debüt abzuschließen.

Wieso das Debüt den Namen „IV“ trägt, mag ich nicht beurteilen, was ich jedoch mit letzter Gewissheit sagen kann, ist, dass mich dieses Album schon beim ersten Durchlauf süchtig gemacht hat und auf mehr hoffen lässt. Der Portland-Vierer schafft es in einer großartigen Art und Weise – und auf technisch anspruchsvollem Niveau – den traditionellen „Heavy Metal“ auch durch die Integration progressiver Elemente (insbesondere des „Proto-Metal“) so wunderbar mit anderen Stilen zu verquicken, dass mir nicht nur die Kinnlade herunterfiel, sondern mir mein Hintern auch ordentlich und nach allen Regeln der Gitarrenkunst versohlt wurde. Oder anders ausgedrückt: Im Herzen ist „Kvasir“ eine Heavy-Rock-Band, der man sich zwingend mal gewidmet haben muss…..(jensS)


Tracklist:

01. Where Gods Go To Pray
02. Authenticity & The Illusion Of Enough
03. Slow Death Of Life
04. Earthly Algorithms
05. Chill For A Church
06. The Brink
07. The Black Mailbox
08. Alchemy of Identity

(2021, Death & Glory Records)

https://www.youtube.com/channel/UCbpiQoi9FHOZiokHo4XaK7Q
https://www.facebook.com/KvasirPDX
http://kvasirpdx.bandcamp.com/

Filed under: Album Reviews, Doom, Hardrock, Heavy Rock, Proto-Metal, Psychedelic, ,

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