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SMOKEMASTER – In The Temple

(syb) SMOKEMASTER bringen nach ihrem gefeierten, selbstbetitelten Debut und dem Nachfolgewerk „Cosmic Connector“ ihr drittes Studioalbum heraus und dass dies Mitte Juni geschieht, kann kein Zufall sein, denn „In The Temple“ klingt nach Sommer. Und zwar nach diesem einen ganz besonderen Sommer, in dem die hitzegefüllten Tage endlos lang und die lauen Nächte voller Sternschnuppen viel zu kurz sind, alle vom echten Hippie-Leben träumen und niemand auch nur im Entferntesten daran denkt, auf eine Uhr zu schauen. Lieber barfuß über die noch sonnenwarme Wiese tanzen, während irgendwo ein buntbemalter VW-Bus im Gras steht und der Duft von Lagerfeuer, Abenteuer und süßen Zigaretten Luft und Lungen erfüllt…

So präsentieren Smokemaster „In The Temple“ abwechslungsreicher und vielfältiger als die beiden Vorgänger, mit liebevollen Reminiszenzen an die Sounds der 60er, 70er und viele ihrer musikalischen Vorbilder wie Colour Haze, Tame Impala oder Spiritualized.
Nach dem Ausscheiden von Sänger Björnson Bear musste sich die Band für die Albumproduktion erst einmal neu aufstellen und konnte glücklicherweise Jack McAfee von „The Miracle Seeds“ als Session-Sänger gewinnen. Die wunderbare Stimme des Schotten besitzt einen hohen Wiedererkennungswert und verleiht sieben der neun Songs eine hypnotische und getragene Note. Aufgenommen wurde erneut im bandeigenen Studio und dabei neben den klassischen Instrumenten verstärkt auf Soundspielereien, Instrumente wie Tabla oder Sitar und Klangkulissen aus Alltags- und Naturgeräuschen gesetzt, was besonders den Jamparts eine verspielte Frische verleiht.
Erst nach Abschluss der Albumproduktion stieß Patrick Rose als fester Sänger dazu und komplettiert das Lineup mit Lukas „Baby“ Bönschen (Drums), Tobias „TobMaster“ Schmidt (Bass), Jerome „Jay“ Holz (Gitarre, Gesang, Querflöte, Sitar, Schraubendreher) und Tobias Tack (Orgel, Synths, Keys, Sampling) wieder zum Quintett.

Die berauschende Reise in den Tempel beginnt mit „No Other One“, einem Opener mit munterer Gitarrenmelodie, der -charmant wie Ohrwürmer sind- die Hirnwindungen ohne Umschweife erreicht und der irgendwie bekannt vorkommt. Hmm, mal mitpfeifen. Hallo Doors, oder Beatles oder doch ganz eigen? Die wunderbaren Refrains im zurückgenommenen Tempo lassen die Klänge jedenfalls wunderbar fliegen,- wie in Zeitlupe wehende Haare und Kleider von Blumenkindern im Sonnenlicht.

„Sounds From The Ether“ ist laut Bandinfo für SMOKEMASTER ein Ausnahmesong, den Gitarrist Jay mit Reminiszenz an melancholische Folksongs singt. Ein Lied von Einsamkeit, Verlust und Selbstzerstörung, begleitet von einem verstimmten Kneipen-Klavier, bis der Vorhang fällt und sich all der Schmerz hymnenhaft den Weg nach draußen bricht. Die im Hintergrund dudelnde Radiosendung ist ein cooles akustisches Gimmick. Am Ende bleibt die verwundete Seele allein und nur noch das „the radio plays in the dark“.
Auch „Do It Again“ beginnt mit einem massiven Riff im Radio-Stil. Der ansteckende Rhythmus der einsetzenden 70s-Orgel und der lässige, psychedelische Gesang Jacks‘ verdeutlicht einmal mehr, dass Smokemaster Vollblutmusiker, Lebenskünstler und Songwriter sind, die Groove schon zum Frühstück löffeln. Ich fühle mich in meine Britpop-Phase der 1990er Jahre zurückversetzt, Jacks leicht verzerrte Stimme erinnert mich an Tim Burgess und die Charlatans. Mein Körper setzt sich trotz Sitzposition sofort in Bewegung und spätestens im Mittelpart des Songs habe ich das Bedürfnis, lässig mit zu grooven und über den Tanzboden zu schappern, was durch ein ekstatisches Solo und die mittels Synthesizer kreierte Wall of Sound noch massiv verstärkt wird.

„Down The Saltmines“ nimmt mit in die Unterwelt und startet mit einem für Blues oder Jazzmusik typischen Call-and-Response aus Gesang und Synthesizern. Die Stimme mäandert funkelnd und tragend vor sich hin und der Weg verschwimmt nach und nach. Ratschen, Geräusch- und Querflöten-Schnipsel lassen die Gedanken gen Asien wandern und erzeugen eine wundersame, fast bedrückende Atmosphäre. Erst als die sanfte Stimme wieder einsetzt, werden Song und Publikum wieder zurück ans Tageslicht geführt.

„In The Temple“ angekommen beginnt das knackige Titelstück des Albums mit einer wunderbar verträumten Stimme und einer beschwingten Melodie. Der Körper wiegt sich schnell wieder im groovigen Takt, gute Laune, Summervibes und man summt und pfeift und lauscht den verschwommenen Erinnerungen, die da so wunderbar besungen werden. Laut Bandbeschreibung ist das Stück nicht nur titelgebend, sondern das Kondensat des gesamten Albums: durch die vielen musikalischen Zitate, teils verborgen, teils ganz offen klingt es sogleich vertraut, zeigt sich aber im nächsten Moment abwechslungsreich.
Und das trifft es ganz genau, denn auch „Under the Sun“ und „Electromagnetic“ warten mit wamen, vertrauten Klängen von indischer Tanpura, Streichern, Gartenklängen, Orgel und psychedelischem Gesang auf und treffen sofort ins Herz.

Shoegaze-Gitarren und ätherisch-schwermütige Gesänge von Gitarrist Jay und der befreundeten Soul-Sängerin Emily Maner überraschen dann plötzlich bei „Peace of Mind“, aber auch dieser aufwendig produzierte Sound-Ausflug ins Artrock-Gothic-Genre passt dann schnell für die Ohren und zu dem kreativen Mix des Albums.
Mit dem abschließenden „Citrus Leaves“ kommen besonders Fans des klassischen 70er Hard Rocks nochmal richtig auf ihre Kosten, denn sie dürfen anfangs noch von sanfter Stimme und Akustikgitarre getragen, von einem fetten Gitarrensolo mit Orgel und Background-Chor aus dem Orbit geschossen werden.

Smokemaster öffnen die Tempeltüren weit und irgendwo zwischen Groove, Klang und Rock’n‘ Roll vergisst man am Ende der Scheibe völlig, wie die Zeit vergangen ist, so charmant sind die Detailverliebtheit und das Songwriting. In jedem Song lauern besondere Klangereignisse, atmosphärische Spielereien und viele musikalische Zitate, und nichts wirkt dabei aufgesetzt. Stattdessen kommt die geballte Spielfreude der Kölner zum Tragen und es gelingt ihnen spielerisch, ihre ausufernden Jams mit eingängigen Songs zu verbinden. Das Album schwebt, groovt, träumt und rockt zugleich.
In blumigen Abschlussworten geschrieben, ist es das Angebot zu einem sommerlichen, musikalischen Roadtrip im schon erwähnten bunt lackierten VW-Bulli, dessen Fahrer behauptet, dass er eine Abkürzung durch’s Universum kennt und alle fahren mit. Die Band wünscht eine gute Reise!

VÖ: 19.06.2026
Label: Tonzonen Records
Dauer: 43,23

Tracklist:
No Other One
Sounds F rom The Ether
Do It Again
Down in the Salt Mines
In the Temple
Under the Sun
Peace of Mind
Electromagnetic
Citrus Leaves

Webseite der Band

https://Smokemaster.rocks
Instagram
https://www.instagram.com/smokemaster_band?igsh=eGt2emFkNDl6bGhn
Bandcamp
https://smokemaster.bandcamp.com

Filed under: 60s, 70s, Album Reviews, Hardrock, Psychedelic, Stoner, ,

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