(jm) Schneckenkönich kommen aus Leipzig (insofern wohl ein Muss, dass ich mich um diese Rezension kümmere) und spielen das, was man am ehesten als Rhythm ’n‘ Blues mit Pub-Rock-Herz beschreiben könnte – rau, schnörkellos und ganz ohne gezwungenes Gehabe. 2023 erschien ihr Debüt „Slow Gems“, mit dem sie sich schnell einen Ruf als Live-Band erspielten, unter anderem als Support für Kadavar im legendären Leipziger Kino und Club UT Connewitz. Seitdem touren sie regelmäßig durch Deutschland, von Kellerclubs bis zu Scheunenfestivals, und haben sich den Ruf einer Band erarbeitet, die auf der Bühne noch dreckiger klingen soll als im Studio.
Als ich das Album auflege, glaube ich das sofort. Die Produktion klingt erdig, klar, druckvoll, präsent und schon mit dem Vinyl hat man das Gefühl, dass die Herren doch gerade hier bei mir im heimischen Wohnzimmer aufspielen müssen (zumindest wenn man die Augen schließt). Mit „Alright“ haben Schneckenkönich nun ihr zweites Album vorgelegt – und bleiben ihrem Working-Class-Hippie-Sound treu. Acht Songs, die rohe Americana-Vibes mit Blues- und Psych-Anleihen verbinden, ohne dabei auf große Gesten zu setzen. Es ist eine Musik, die sich nicht aufdrängt, sondern einen einfach nur bittet, präsent zu sein, sich ein Bier zu holen, möglichst nah bei der Band zu bleiben und – einfach nur zuzuhören. Genau darin liegt ihre Stärke. Man könnte sie sich problemlos als Soundtrack zu Barbet Schroeders „Barfly“ – dem Trinkerdrama über Henri Chinaski alias Charles Bukowski vorstellen. Und mir fallen da noch eine ganze Reihe weiterer Independent Produktionen ein, wo das perfekt passen würde: Songs für Leute, die am Rand stehen, nicht gehört werden und trotzdem weitermachen. Dabei klingt das Album nicht resigniert – eher wie ein Trost, der einen an der Bar nicht allein lässt.
Fazit: „Alright“ ist kein Album, das sich neu erfinden oder gar innovativ sein will – und genau das macht seinen Reiz aus. Schneckenkönich bleiben sich treu, klingen dabei aber gereifter und runder als auf „Slow Gems“. Für Fans von schnörkellosem, ehrlichem Rock mit Herz eine klare Empfehlung. Und wenn die Jungs irgendwo in der Nähe auftauchen. Ein fantastischer Abend mit Livemusik ist dann wohl garantiert!
Besonders schön an der Vinyl-Konserve: Die Limited Edition kommt in einer Cardboard-Box, mit der man sich seinen eigenen „Schneckenkönich“-Single-Puck basteln kann – Artwork von Clay Claim, Box-Design von Phillip Janta, aufgenommen wurde im Charlies Studio. Ein liebevolles Detail für ein Album, das insgesamt sehr bewusst auf Handgemachtes setzt. (Jens M.)
Die Tracklist:
- Liar
- Firestorm
- Never Too Late
- Money
- Feather
- Dreamchild
- Seenot
- Time To Leave Now
Links zur Band:
- Bandcamp (Label): https://soundsofsubterrania.bandcamp.com
- Album bestellen: https://shop.soundsofsubterrania.com/?release=schneckenkonich-alright-106913
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