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Freak Valley Festival 2012 – Bühnengeschehen

flyer_freakvalley_vBühne frei

Der Zeitplan/Timetable mit der Reihenfolge der auftretenden Bands/Running Order war bei unserem Freak Valley Festival mein ständiger Wegbegleiter. Immer in Herzhöhe, in der Brusttasche meines Baumwollhemds. Ich durfte die in diesem Musikdrehbuch aufgeführten 16 Rockbands vor ihren jeweiligen Darbietungen ansagen. Und verkündete über  Mikrophon an unsere Festivalbesucher aus nah und fern: Liebe Freunde, und nun für euch bei unserem Freak Valley Festival aus Dänemark: Sedated Angel, Frankreich: Glowsun, Mars Red Sky, Griechenland: Godsleep, Großbritannien: Ded Orse, Gentleman`s Pistols und Grifter, Italien: Doctor Cyclops und Wicked Minds, den Niederlanden: 3 Speed Automatic, Norwegen: Lonely Kamel, Schweden: Dean Allen Foyd. Aus Aschaffenburg: My Sleeping Karma, München: Colour Haze, dem Odenwald: Space Debris und dem Siegerland feat. Großbritannien: Demon`s Eye feat. Doogie White. Und außerdem noch Bushfire mit Bandmitgliedern aus Deutschland, Namibia, Portugal, Schweden und den USA. ESC in Netphen-Deuz, European Stoner Contest im Siegerland. Insgesamt hielten sich an den beiden Tagen unseres Festivals knapp 70 Musiker im Gelände der AWo auf. Sie waren vor ihren Auftritten mal mehr, weniger oder gar nicht nervös. Aber vor allen Dingen, wie wir alle, Teil einer Premiere, dem 1. Freak Valley Festival. Sie brachten ausnahmslos prächtige Rockdarbietungen unters Volk. Rockten alle wie die Sau, rollten ihren Sound in unsere Ohren, selig und voller Spielfreude, mit Power und Elan. Hardrocker und Krautrocker, Hippies und  Psychedelicer, Gib ihm und Prog Anleihen, Stimmen von zart bis hart. Wir erlebten Töne, die wie Dampfwalzen über dich hinweg rollten. Töne, die die Vergangenheit in die Gegenwart versetzten. Töne, die eine Rockvolkskrankheit zum Ausbruch brachten: Gänsehaut. Töne, die dein Karma berührten und zum Tanz aufforderten. Töne, die zum Malträtieren der Halswirbelsäulen verleiteten und die Gelenke schmierten. Töne, die die Desert Zone auf die AWo Wiese transportierten. Töne, die dich zum Flug einluden und nachher dafür sorgten, das du schwer wieder auf dem Boden landen konntest.

Zum ersten Mal erlebte ich – fleißiger Konzertbesucher seit 40 Jahren –  aus ungewohnter Perspektive, was so alles auf, neben und hinter einer Bühne abläuft. Was passierte, was passierte nicht. Was passte oder musste passend gemacht werden. Der Aufbau der Bühne und der Soundanlage war Knochenarbeit für die beteiligten Mitarbeiter. Wie in einem Getriebe griff ein Zahnrad ins andere, das ging präzise vorwärts. Nach einigen Stunden hieß es: Bühne fertig und frei zum Rocken. Der Test der Soundanlage: Gelungen. Wir kriegten während des gesamten Festivals einen grandiosen Sound mit allen Höhen und Tiefen auf die Ohren. Ich sah die harte Arbeit der Bühnenhelfer. Sie wuchteten, schleppten, schoben und transportierten leichtes, schweres und sehr schweres Instrumentarium und Zubehör. Das landete aus den Bandtransportern zur Zwischenlagerung erst mal in einem von der AWo zur Verfügung gestellten, riesigen Raum, in dem sich sonst 364 Tage im Jahr eine Werkstatt befindet. Von dort bis auf die Bühne waren das einige Meter, mit einem kurzen und knackigen Schlußanstieg. Und jeder Handgriff saß, alles geschah ohne Hektik und Schreierei.. Kurze Kommandos ertönten: wir brauchen da noch einen Mikrophon Halter. Und dort noch ein Stück Panzerband. Das hält jede Beziehung aus und fest.  Ein Loblied oder Gedicht, das dem Panzerband die ihm zustehende Ehre erweist, ist noch nicht geschrieben. Ich bin kein Dichter, fange aber einfach mal damit an: Oh du graues Panzerband, fixierst Kabel auf dem Boden oder klebst an der Verstärkerwand……Edit ohne Einhaltung des deutschen Reimgesetzes: wirst oft rüde gezerrt oder auch gezogen, auf geradem Weg oder auch gebogen. Alles hältst du schön zusammen, oh du graues Panzerband….amen!

Soundcheck: wie gemeine Töne sich in gemein wohlklingende verwandelten, Röhren glühten und glimmten, manche Bodenpedale völlig bedient waren. Knöpfe und Regler wurden verdreht und verschoben, Marshälle hielten Zwiegepräche mit den Musikern, Orange Amps hatten die Lampen  am  Brennen. Eine englische Bassgitarre war sehr unhöflich, sie grollte im Inneren und verbreitete arge Brummtöne. Da half nur der radikale Entzug, Therapie war nicht möglich. Viersaitige Hilfe nahte aus den Niederlanden durch den Bass von „3Speed Automatic“, danach basste alles. Verschiedene Felle erhielten ihre Vorgerbung und blieben auf dem Schlagzeugpodestteppich. Es gab Phantomstrom und High Voltage. Gitarren stimmten ab, mit und ohne Wah Wah und Verzerrer, Nachhall und Flanger.. Danach ein kurzes Zusammenspiel der Band, passt. Die Bühnen- und Soundmannschaft mit einer Frau spielte meiner Meinung nach beim kompletten Festivalgeschehen in der Champions League und gewann. Im Unterschied zu den Herren aus und in München, die das am Samstagabend beim Elfmeter Lotto….
Die Bühnenlichtshow heizte die Spektakel auf den Bühnenbrettern noch extra an und auf, die Farben aus den Scheinwerfern wurden zu zusätzlichen Stimmungskanonen. Und nach Einbruch der Dämmerung gab es noch eine Extraportion für unsere Augen. Marco Menzers analoge Lightshow „Shine A Light „ sorgte für die psychedelichen Effekte. Perfekt passend zur Musik, die von der Bühne das Licht der Welt erblickte. Alles zusammen eine psychische und physische Wohltat über die gesamte Spielzeit, ein großer Dank an die Lichtgestalten.

Nach der Ansage ist vor der Ansage. Unmittelbar nach meinen Sätzen ans Publikum bog ich ab zum Bereich hinter der Bühne und bot einer niedrig angebrachten Regenrinne am Zeltübergang zwischen Bühne und Soundüberwachung öfter mal die Stirn. Und die Stirn, die meine, sah im oberen Bereich nach einer Weile an ein, zwei Stellen aus wie `ne Splatter LP in Regenbogenfarben. Aber die zweiteilige Regenrinne ließ sich durch diese Erschütterungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen.
Freitagnachmittag und -abend versah sie ihren Dienst, zuverlässig und leider. Samstag brauchte sie keine Himmelsflüssigkeit mehr aufzunehmen, der Wettergott war an diesem Tag ein Stoner.

Unmittelbar nach dem jeweiligen Auftritt einer Band stand ich auf der rechten Bühnenseite möglichst nicht im Weg beim Umbau für die nächste Musikantenschar. Faszinierend zu beobachten, wie alles und alle wuselte(n), die Laufwege kannte und wie das nächste Musikzimmer Formen annahm und schließlich Richtfest feierte.

Der Stage Manager Basti schaute währenddessen immer wieder auf seine Handy-Uhr. Adrenalin sorgte so langsam, aber sicher in meinem Zentralnervensystem für die zusätzliche Fütterung der Nervenzellen.    Als nächstes der Soundcheck, nach ein paar Minuten alles im grünen und roten Bereich, ok. Meine Herzfrequenz beschleunigte weiter. Die Musikinstrumente und ihre Bediener standen und saßen zum Rocken bereit. Bereit den Festivalbesuchern das zu geben, was sie brauchten, ersehnten und erhofften. Meine Schlagadern arbeiteten nun im oberen Drehzahlbereich. Ich bekam ein Zeichen von Basti, nahm den Nervositätsklumpen in meinem Oberkörper und das Mikro mit nach vorne und stellte mich in die Mitte der Bühne. Ein Blick zur rechten Seite, zu Soundmann Felix. Er hob die Hand. Ich guckte nach vorne, zum Kommandozelt, ca. 50 m von der Bühne entfernt. Dort stand Tom in meiner Augenhöhe. Er hob die Hand. Das war der Hinweis für mich, Mikro ist auf. Ich konnte nun verkünden, wer uns bei unserem Freak Valley Festival als nächste Band in Wallung bringt und alle Sinne beschäftigt.

Musiker, Liebhaber und Verehrer des Hard-, Psychedelic, Stoner- und 70s Rock, es war mir ein große Ehre.
Es war großartig, mit allen Mitwirkenden eine Riesenparty zu feiern, ich verneige mich vor euch allen: Danke…..(Volker)

Zugabe

Kein Konzert oder Festival ohne Zugabe. Das Photo von Arta Maliqi entstand im Backstagebereich vor dem Esszimmer. Die Vorgeschichte: Im Instrumentenraum neben der Bühne lehnte das zu sehende „Mattengruppe“ Schild an einer Wand, ich sah es einige Male, dachte mir aber noch nix dabei. Als die Jungs von My Sleeping Karma sich nach dem Essen und vor ihrem Auftritt noch ein bißchen untereinander unterhielten, fiel mir dieses Schild wieder ein und ich assoziierte: Mattengruppe – Matte ( Bassist von MSK und Chef von Sound of Liberation ) – Photo. Gedanke, getan. Ihr seht also die Mattengruppe: Die vier Jungs von My Sleeping Karma und die beiden Jungs von Napalm Records, der Plattenfirma von MSK. Und zu ihren Füßen kniet Rockblog.Bluesspötter und Schildbürger Volker

 

 

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