rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Alan Wilson – The Blind Owl

Alan Wilson The Blind OwlAlan Christie Wilson „The Blind Owl“
(Canned Heat-Gründer)

Zum 70. Geburtstag eines Jahrhundertgenies

Er war neben Bob “The Bear” Hite Kopf und Seele von Canned Heat.
Und, selbstredend, ein Bluesbesessener – vom Scheitel bis zur Sohle.
Schrieb beachtenswerte Abhandlungen über die Geschichte des Blues und sammelte zigtausend Bluesscheiben.
Anfangs Schellacks auf 78 rpm, später Vinyls (33 bzw. 45 rpm).
Sein Privatarchiv war historisch von unschätzbarem Wert. Wilson hängte es keineswegs an die große Glocke – nur die wenigsten wussten davon.
Einer davon war sein Freund John Fahey, ein anderer Dick Waterman.
Waterman hatte nach jahrelanger Suche endlich Eddie James „Son“ House, Jr. aufgespürt, der maßgeblich Robert Johnson, Muddy Waters und andere beinflusst hatte.
Waterman wollte ihn „neu“ herausbringen, hatte aber nicht damit gerechnet, dass sich „Son“ House an seine eigenen Songs von 1930 bis 1942, von den Licks ganz zu schweigen, nicht mehr erinnern konnte.
Dieser Umstand veränderte Alan Wilsons Leben und katapultierte ihn kurz darauf in eine Weltkarriere.
John Fahey verpasste ihm den Nickname „Blind Owl“, nachdem Wilson seine Gitarre auf dem Deckel einer Hochzeitstorte platzieren wollte. Wilson hatte es scheinbar für eine Tischablage gehalten. Die dringend benötigte „dicke Brille“ hat er öffentlich kaum getragen – warum auch? Seine Gitarrenlicks bzw. Harpeinlagen beherrschte er im wahrsten Sinne „blind“!
Jedenfalls gelang es der Eule, „Son“ House in 1964/65 wie ein Therapeut „zurückzuführen“, denn Alan Wilson kannte selbstredend „Son House“ in- und auswendig.
Darüber hinaus verstand er sich auf Kopfstimme, Slide und Mundharmonika wie kein Zweiter.
Das sprach sich rum: Bob Hite, der ähnlich wie die Eule leidenschaftlich Bluesplatten sammelte, traf Alan Wilson.
Der Rest ist Bluesgeschichte vom Allerfeinsten.
Canned Heat mischen das Monterey Pop Festival auf und kreieren ein Jahr später die Woodstock-Hymne schlechthin: „Going Up The Country“.
Nach den Sessions zu „Hooker`n`Heat“ adelt John Lee Hooker die Eule und spricht vom „besten Harpplayer aller Zeiten“.
Seit Woodstock waren Canned Heat permanent ausgebucht und reisten quasi nonstop um die Welt.
Als erstes zehrt es ausgerechnet Alan Wilson aus, es macht ihn mürbe.
Er ist hochsensibel und verschreibt sich neben dem Blues der Umwelt. Vermutlich begreift er als einer der allerersten weltweiten „Grünen“ Ressourcenverschwendung als Frevel und begehrt auf.
Schreibt „Poor Moon“ (dem Sinne nach: „Armer Mond, die Menschen kommen!“) und weitere Umwelttitel, die sich um die grüne bzw. rotbraune Waldlunge in den Staaten drehen.
Er gerät in einen Teufelskreis aus Wissen und Ablehnung. Zieht sich immer mehr in sein Schneckenhaus zurück und stirbt am 3. September 1970 in seinem Refugium, dem Wald!
Er hatte zu viele Barbiturate im Blut …
Gute zehn Jahre später folgt ihm Bob „The Bear“ Hite in die ewigen Jagdgründe.
Ich kriege noch heute eine Gänsehaut, wenn ich nur dran denke.
Die Band hat Bluesalben für die Ewigkeit hinterlassen.
Von ihren Evergreens „On The Road Again“, „An Owl Song“, „Going Up The Country“, “Refried Boogie”, “Change My Ways” oder “Time Was” ganz zu schweigen.
„Don’t Forget To Boogie“ pflegte „The Bear“ Hite als Statement immer ans Ende seiner Liveshows zu setzen. „Don’t Forget To Remember“ möchte ich unbedingt hinzufügen.
Unter anderen Umständen wäre Alan „Blind Owl“ Wilson am 4. Juli dieses Jahres 70 Jahre alt geworden.
Das deckt sich nahtlos mit Rory Gallagher, der als bluesgetriebener Bruder im Geiste vor kurzem seinen 65. Geburtstag hätte feiern können …

Mögen sie in vielen von uns weiterleben!

Alan Wilson „The Blind Owl“
Herausgegeben von Skip Taylor und Adolfo De La Parra
2 CDs, 20 Tracks
Severn Records
Vertrieb in-akustik

(Heinz W. Arndt)

Einsortiert unter:Album Reviews, Blues, , , , , , , , , , , , ,

April 2013
M D M D F S S
« Mrz   Mai »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Unsere Facebookseite

Link zu unserem You Tube Kanal

SOL präsentiert: The Atomic Bitchwax / Greenleaf / Steak Tour November/Dezember 2017

St.Hell Festival am 27.+28.12. 2017 im Gruenspan/Hamburg

Tonzonen Labelnight in der KuFa Krefeld am 13.04.18

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: