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Paul Rose – Double Life

Paul Rose Double LifeAlso, jetzt mal Tacheles: was ist denn da schiefgelaufen? Ein belobigter Gitarrist (Rose) trifft auf legendäre Vocals (siehe unten) und trotzdem klingt das Ergebnis nach einem überkandidelten am Kitsch kratzenden R&B und Soul-SAMPLER?
Leider ist es so. 
Das hat mit Vielem zu tun.
Der Reihe nach: da ist zunächst Paul Rose, der „Leader“. Der hat ein flinkes Händchen, ist technisch beschlagen und vermutlich zu sehr auf sich selbst fixiert. Sonst würde er nicht auf Teufel-komm-raus fast jeden Song mit seinen Flitzefingern den Mittel-oder Schlussteil zergniedeln.

Ok, manchmal passt es ja, wie zum Beispiel im Opener „Cold Sweat“ von Pee Wee Ellis. In bester Stevie-Ray-Vaughan-Manier kommt Rose hier rüber. Bei „Ball And Chain“ und „Uphill Climb“ gibt es ebenfalls kaum was zu meckern.

Ansonsten unterzieht Rose legendäre Soul- und Funknummern einem völlig überflüssigen „Stresstest“. Siehe beispielsweise „Honey Hush“ – Wärme geht diesem Song komplett ab. „Let’s Straighten It Out“ beginnt angenehm, und kriegt gerade noch die Kurve. „Drowning In The Sea Of Love“ oder „Crazy ´Bout You Baby“ werden letztlich von Roses scheinbar ständigem „Zuviel-Wollen“ dann doch eher gehänselt.

Vom Bluesstandard „Stormy Monday“ ganz zu schweigen.

Das wird den jeweiligen Originalen nur marginal gerecht.

Ok, kann passieren, sollte aber nicht. Zumal Rose als Produzent zusammen mit John Wooler es hätte verhindern können.

Da ist zum weiteren, dass Rose’s Credits in Bezug auf die Vocals von Raffia Ford, Sweet Pea Atkinson, Terry Evans und Bernhard Fowler ins Leere laufen. Die wechseln sich im Hinblick auf die Leadvocals ab (und tun Ihr Bestes!)

Aber: Rose’s unterstelltes Vorhaben, durch Rückgriff auf altgediente Gesangslegenden noch hipper als hip zu klingen und zugleich Wärme und Kontinuität zu gewährleisten, wird geradezu klassisch konterkariert.

Ausnahme: „Dark End Of The Street“. Diese Ballade wird – obwohl sich Terry Evans kitschmäßig die Seele aus dem Leib knödelt -, durch His Masters „Flitzefingers“ ausnahmsweise nicht doppelt negativ belastet.

Das Durcheinander obsiegt und mutet völlig ohne Not wie ein zufällig zusammengewürfelter Blues- und Soulsampler an.

Hinzu kommt, dass die Produktion einem eher kalten, metallenen Sound unterliegt. Mit anderen Worten: zu höhenlastig. Die Drums klingen zudem häufig wie von einem Drumcomputer generiert.

Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass Paul Rose neben seinen Gitarrenparts auch noch für Produktion und Mixing mitverantwortlich zeichnet, würde man ihm wünschen, sich demnächst nicht dergestalt weiter zu verzetteln.

Wer zuviel will, kriegt meistens nur die Hälfte.

Der sogenannte Waschzettel suggeriert ein „Prachtalbum“. Das ist schlichtes Wunschdenken.

Rory Gallaghers Paul-Rose-Belobigung in 1991 („Hot player with a hot future“) verfängt auch nur zum Teil: Rory hat vieles gesagt, aber insbesondere war er ein höflicher und diplomatischer Mensch.

Um Rorys Statement mit Leben zu erfüllen, wird Paul Rose noch einiges draufpacken müssen. Zumal Rose bislang eine unverwechselbare Duftmarke abgeht.

Vielleicht sollte sich Rose zukünftig ein wenig mehr auf seine eigenen Stärken („flinkes Händchen“) konzentrieren und gegebenenfalls ein wesentlich straighteres R&B-Solo-Album in Angriff nehmen. Im Texas-Stil beispielsweise. Trio-Stärke würde reichen. Selber singen inklusive.

Warten wir’s ab.

Paul Rose „Double Life“

11 Tracks

TT: 62 min

Mita Records MITACD333

(Heinz W. Arndt)

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