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Sounds Of New Soma – La Grande Bellezza

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(jm) Als ich 1971 die BUNDESGARTENSCHAU in Köln besuchte, bewunderte ich – während der für die damalige Zeit spektakulären audiovisuellen Präsentation  „Flora-Vision 71“ – eine beispiellose Ansammlung GRÜNER PILZE. Die eukaryotischen Lebewesen waren das Ergebnis einer außergewöhnlichen Züchtung unter einer EINHEIT DES LICHTES, genauer gesagt, künstlichen Lichtes. Kurzum, der Genuss jener GRÜNEN PILZE, versetzte mich – natürlich völlig überraschend – in einen ebenso blühenden GARTEN DES LICHTES – jenseits dieses Universums. Hier lustwandelte ich eine sehr lange Zeit, bis wohl DAS WEISSE RAUSCHEN vollständigen Besitz von meinem Verstand ergriffen hatte. Mein Zustand blieb jedoch in dieser Welt nicht unentdeckt und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich in SPANDAU landete, wo ich wieder zu mir selbst finden sollte. Doch mir blieb nichts als der WAHN. Mein Leben war nur noch ein einziger, realitätsferner und sinnentleerter SCHWURBEL aus dem es offenbar kein einfaches Entrinnen gab. Doch trotz allem war ich noch in der Lage, die wahre SCHÖNHEIT des Lebens zu erkennen, die mich so in ihren Bann zog, dass ich in einem WURMLOCH in die diesseitige Welt zurück katapultiert wurde. Schneller, als mir eigentlich lieb war… Und nur eine zarte DUFTNOTE erinnert mich heute noch an die lieblichen Blumen der Bundesgartenschau 71 – dorthin, wo einmal alles angefangen hatte.

Verrückte Geschichte? Ist es auch. Aber wer sich auf „La Grande Bellezza“ einlässt, das dritte Album des Neo-Krautrock-Projektes SOUNDS OF NEW SOMA, muss bereit sein, konventionelle Hörgewohnheiten über die Trommelfelle zu werfen und sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Wird man mit dem Opener „Bundesgartenschau 71“ noch in Sicherheit gewogen und mit bestem, groovenden und atmosphärischem Krautrock bedient, verlangt einem der folgende „Grüne Pilz“ gleich alles ab: Ein theatralisches, abstraktes Klangexperiment mit avantgardistischen Zügen, das eigentlich nicht mehr allzuviel mit einem Musikstück im herkömmlichen Sinne gemein hat. Und die Reise geht ebenso wild wie abwechslungsreich weiter. „Einheit“ und „Garten des Lichtes“ spielen mit elektronischen Klangteppichen, im Stile der Frühwerke von Jean Michel Jarre. „Das weiße Rauschen“ beginnt als düsteres, zunächst entspanntes Machwerk, nur um Dich wenig später in einem oszillierenden Frequenzchaos in den Wahnsinn zu treiben. Rettung naht im jazzigen „Spandau“ auf dem die Krefelder Szenegröße Andreas Lessenich am Saxophon zu hören ist. Mit „Wahn“ wird der flirrende, elektronische Pluckerteppich weiter ausgerollt, unter den Hörern werden offensichtlich keine Gefangenen gemacht. Erst „Schwurbel“ entlässt mich in sanfte und entspannte Ambientgefilde, bis mich die „Schönheit“ erneut elektronisch gefangen nehmen darf. Das zehnminütige Groovemonster „Wurmloch“ belohnt mich für meinen Mut, noch immer akustisch mit an Bord zu sein, bis mich die „Duftnote“ sanft in den Schlaf wiegt. Ich bin zurück in dieser Welt!

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Die Krefelder SOUNDS OF NEW SOMA liefern mit diesem Werk eine noch intensivere Version ihrer sehr experimentellen Klanglandschaften ab. Das Ergebnis ist eine wirklich atemberaubende Reise, die den Hörer auffordert, den Musikern auf klanglich unbekanntes Territorium zu folgen. Wer bis zum Schluss durchhält, wird mit einem phantastischen, abwechslungsreichen Trip belohnt, der mit jedem neuen Hören anders verlaufen kann. Mir hat „Der grüne Pilz“ jedenfalls nicht geschadet. Und ich entdecke immer wieder etwas Neues in „“La Grande Bellezza”! Danke an Dirk Raupach für diese neue Perle in den Krefelder Tonzonen! (Jens M.)

Tracks:
Bundesgartenschau 71         07:40
Der grüne Pilz                         03:18
Einheit des Lichtes                10:01
Garten des Lichtes                09:59
Das weiße Rauschen             06:01
Spandau                                   05:01
Wahn                                        06:04
Schwurbel                               06:09
Schoenheit                              06:17
Wurmloch                               10:09
Duftnote                                  06:25

veröffentlicht am 25. Februar 2017 bei Tonzonen/ Krefeld als CD und Vinyl

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Die Musiker:
Alexander Djelassi:              Guitar / Bass / Synthesizer / Effects / Vocals
Dirk Raupach:                        Synthesizer / Effects / Vocals
Armin Schopper:        Drums
Andreas Lessenich:    Saxophon

Hören & Sehen:
https://soundsofnewsoma.bandcamp.com/
https://www.tonzonen.de/

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