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The Electric Family – Terra Circus

(hwa) Nach gut zehn Jahren gibt es ENDLICH wieder ein Lebenszeichen der Electric Family.
Parallel feiert die Band das 20jährige Bandjubiläum.
Sie waren für mich gegen Ende der 90er bis weit in die Nullerjahre ein Honigtopf des „herübergeretteten“ Krautrocks. Und sind es immer noch. Egal, ob es sich dabei um eine Mischung aus Rock, Prog, Psychedelic, Country oder Folkrock handelt: Redecker und Band bleiben sich treu, sind der lebende Beweis für einen potenten Durchlauferhitzer. Und legen erneut ein Meisterwerk vor…

Sie sind in der Wolle gewaschene Vollblutmusiker, autark und gewitzt. Und leben Automomie. „Good Times“, eine befreundete Musikzeitschrift, schrieb einst davon, dass die Band in Deutschland einzigartig sei. Dem kann ich mich nur anschließen.

Einen nachhaltigen Soundtupfer setzt diesmal unter anderem eine Sitar. Gespielt von Harry Payuta, einem alten Kumpel von Redecker. Payuta aber auch Keyboarder Anders Becker setzen bemerkenswerte Akzente. Dazu weiter unten mehr.

Los geht das Album mit „Movin“. Ein Stück, das ohne weiteres in den Sound- oder Songkanon von The Can oder der Dissidenten gepasst hätte. Der Tribal-Beat von Drummer Steff Ulrich ist die Grundlage einer siebenminütigen Rundreise durch großartige Worldmusic.

Track No. 2 ist eine Coverversion der Sisters Of Mercy: „Lukretia, My Reflection“.
Sorry, Tom, aber korrekt hätte es „Lukretia“ heißen müssen (anstatt „Lucrecia“).
Anyway: Ich habe mir den Originaltitel der Sisters Of Mercy auf CD und Vinyl-Single angehört und sage: WOW!
In meiner Liste der besten Coversongs aller Zeiten sofort unter den besten zehn.

Zu dieser subjektiven Liste von Coversongs gehören für mich u.a. auch „Mr. Tambourine Man“ der Byrds, „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix, „Battle Of Evermore“ der Lovemongers – und sogar die Beach Boys. Die haben nämlich mal „California Dreamin’“ der Mamas & Papas unter Zuhilfenahme von Roger McGuinn mit seiner 12-string guitar in eine andere Galaxie gerückt. Sowas soll vorkommen.

Ich möchte es nicht übertreiben: Aber Payutas Idee, „Lukretia, My Reflection“ mit einer Sitar zu unterfüttern, kommt dem durchaus nahe.

Man muss es einfach nur HÖREN, um zu verstehen, was ich meine.
Erst recht im Verbund mit der Band, die sich ja auch nicht lumpen lässt. Ganz groß!

Apropos Payuta: Der ist zusätzlich für Track No. 3 „When Dizzyness Comes Around“ (Words & Music) sowie für die Instrumentalnummer „Santuario“ als Autor und Musiker verantwortlich.

Dank der Electric Family kommt für mich aber noch ein weiterer unsterblicher Titel auf die Liste der Coversongs hinzu: „Mary, Mary, So Contrary“ von The Can aus ihrem Debütalbum. Da krieg ich einfach nur Gänsehaut. Keyboarder Anders Becker setzt neben Sänger und Gitarrist Rolf Kirschbaum in diesem Stück das i-Tüpfelchen.

In „Landmark Visions II“ macht die Band sozusagen die Nagelprobe auf alte Zeiten und covert sich selbst.
Die Gitarren sind tiefer gestimmt und klingen insgesamt „fuzziger“, Toms Stimme noch fordernder. Ein Remake zum Zungeschnalzen.

Der letzte Track des Albums ist „The Dreamboat“.
Eine Uptemponummer, in der die Musiker jeweils nochmals das Beste aus sich herausholen.
Der Sprechgesang von Redecker fleht, bellt und fordert, während die Instrumente sich in ungeahnte Höhen schrauben. Eine bemerkenswerte Raserei, die einen am Ende bei 42 Minuten CD-Laufzeit mit Demut zurücklässt.

Habe ich gerade das beste Album aus Deutschland gehört?
Vielleicht! Aber eigentlich wäre es ungerecht und unfair vielen anderen gegenüber.
Habe ich gerade das beste Album (und das will was heißen) der Electric Family gehört?
Durchaus!

Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. The Electric Family sind für mich wie eine german Trutzburg of Quality.

Logo, dass mir Tom Redecker („The Perc“) und seine Visionen von Sounds im Verbund mit seinen befreundeten Musikern eine Insel waren und immer bleiben werden.

The Electric Family sind dem Grunde nach die autarken Blindenführer im erstickenden Dickicht des Formatradios.

Möge die Band noch lange gegensteuern.

(Heinz W. Arndt)

The Electric Family “Terra Circus”
Sireena / Broken Silence
Mai 2017

Tracklist:
01 – Movin‘ (7:00)
02 – Lucretia, My Reflection (8:50)
03 – When Dizzyness Comes Around (3:58)
04 – Mary, Mary, So Contrary (6:08)
05 – Landmark Visions II (7:35)
06 – Santuario (2:53)
07 – The Dreamboat (7:42)
a) Fanfare To The Shipyard Workers
b) Name The Wreck
c) Back In The Yard

Line-up:
Tom Redecker (The Perc) – Vocals, Guitars
Harry Payuta – Vocals, Sitar, Bass
Rolf Kirschbaum – Vocals, Guitars
Hanno Janssen – Drums
Anders Becker – Keyboards
Steff Ulrich – Drums

http://www.shackmedia.de
http://www.sireena.de

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