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Baby Kreuzberg – Twang Twang

babyfrontBlues Folk Surf Swing Country Whatever aus Berlin

(ro) Das immer wieder Umwerfende an „Baby Kreuzberg“, dessen Album „Twang Twang“ auf meinem Tisch bzw. in meinem Player liegt, ist ihre unbändige Freude am souveränen Spiel. Und das mit möglichst vielen Bällen.
Mal wird der Ball vom Blues zum Folk, dann wieder vom Country zum Swing oder vom Surf hin zur Lagerfeuerromantik hin und her und wieder zurück geworfen.

Bisher hatte der Berliner Gitarrist und Sänger Marceese, der schon Teil von Hardcore-, Glamrock- und Indiebands war, acht Solo-Alben herausgegeben.
Umso spannender ist es, dass mit „Twang Twang“ jetzt wieder ein „Band-Album“ präsentiert wird. Und was für eines!
Aufregend ist das, energisch und wild.
Mit einer ungestümen Energie kommt das Trio, bestehend aus Marceese Trabus ( Electric / Acoustic Guitars, Banjo, Vocals), Boerge Walenta (Drums, Backing Vocals) und Alexander Gau ( Upright / Electric Bass), jedes Mal ohne Umschweife direkt auf den Punkt, pendelt zwischen tickendem Rhythmus, Country-Tune und gedämpfter Romantik.

Letzteres passt ganz wunderbar zu Marceese Trabus, der auch als Ein-Mann-Combo alleine durch die Lande zieht und mit fulminantem Gitarrenspiel und seiner wahrlich mitreißenden Stimme handgemachten Singer/Songwriter-Folk präsentiert.

„Twang Twang“, das kann man so sagen, steht für besten Großstadtdschungelsound, der fraglos in einer Tradition steht.
Glücklicherweise wird dieser jedoch nicht mit einer zwanghaften,  modernen Hipness oder gar mit coolem Lounge-Flausch aufgepeppt.
Sehr passend dazu der Track „Ain`t No Texas Ranger“, der einerseits eine Liebeserklärung an Berlin und andererseits eine Absage an die allseits präsenten, an Club Mate o.ä. nippenden hippen Hipster formuliert.
Ja, hinter dieser ausgefeilten Komposition mit ihrem astreinem, herrlichem Country-Tune steckt ein Typ, der von außen auf Chaos und Tristesse, Business und Szene blickt, aber freilich mit der Gelassenheit und Weisheit dessen, der sich und anderen nicht mehr viel beweisen muss oder sogar möchte.

Ein weiteres Highlight des Albums ist für mich persönlich aber fraglos das nur zwei Minuten zwanzig Sekunden dauernde Stück „Once Upon A Time“, dessen Zeilen „Once upon a time I held your hand in mine / once upon a time I held you / but you took all the love / and throw it on the floor / once upon a time“… jeder vielleicht schon das ein und andere Mal genau so erlebt hat.
Und manchmal ist es dann so, dass Melodien wie z.B. diese die meditative Basis für ein ansatzweises Begreifen sind. Könnte ja sein.
Ich stelle fest, dass ich mich jetzt doch einigermaßen in Zurückhaltung üben muss, um nicht völlig ins Schwärmen zu geraten.
Denn dieses Lied „Once upon A Time“ fällt in seiner schlichten, stimmungsvollen Nachdenklichkeit und dem gedämpften, zärtlichen Gesang besonders ergreifend aus.

babyback
Insgesamt klingt dieses Album trotz der unüberhörbaren Referenzen nicht zu retro, sondern präsentiert sich instrumental mitreißend, pulsierend und abwechslungsreich – und zugleich ein Stück weit zeitlos.
Oh ja, bei den großartigen Musikanten von „Baby Kreuzberg“ paaren sich virtuose, nervöse Rhythmen mit melodischer Eingängigkeit.
Sie bebildern eine Stadt, die in ihrer Unordnung und Widersprüchlichkeit immer wieder zum Nachdenken anregt.
Wer diese Musik im Ohr hat und offenen Auges durch z. B. Kreuzberg flaniert, wird auf Anhieb begreifen, was ich meine!

Ja, ich muss schon sagen, „Twang Twang“ ist verdammt viel Futter für die Ohren, jedoch zum Glück nie etwas von der Fast-Food-Schiene, das man sogleich wieder vergisst.
Denn jeder dieser Songs besitzt eine wunderbar aufwühlende, ganz eigene, atmosphärisch dichte Stimmung.

Vermutlich liegt darin eine der Qualitäten dieses Werks, dass nämlich eine latent sachte Unruhe für Intensität und Gänsehaut sorgt.
Deshalb, liebe Leser und Leserinnen, auf zu den verbleibenden Terminen der Tour! …(..Rosie…)

Anschauen und anhören kann man „Baby Kreuzberg“ zum Beispiel hier ( ohne Gewähr, siehe weitere Termine auf der website der Band):

30. Juni – Stuttgart Cafe Le Theatre
01. Juli – Erfurt Füchsen
12. Juli – Osnabrück Live im Grünen
13. Juli – Bremen Markthalle Acht

Songliste:
1.) Every Dog Has His Day // 2.) Monkey Business // 3.) Ain`t No Texas Ranger  // 4.) Dirty Street 5.) These Three Words // 6. )Mababe // 7.) Once Upon A Time // 8.) She-Devil // 9.) #Asshole // 10.) 99 MPH // 11.) Be Ba Babe // 12.) Brown-Eyed Gal // These Chains

Band:
Marceese Trabus: Electric / Acoustic Guitars, Banjo, Vocals
Boerge Walenta: Drums, Backing Vocals
Alexander Gau: Upright / Electric Bass

Andreas von Schroeter-Kiwitt: Trombone on „Be Ba Babe“
EvilMrSod: Backing Vocals on “These Chains”
Minou & Willie: Backing Vocals on “Every Dog” and “Be Ba Babe”

Produced by Marceese Trabus
Words and Music by Marceese Trabus
Goldfisch-Studio Berlin Kreuzberg

http://www.babykreuzberg.de/

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