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Freak Valley Festival 2017 Teil 2

_DSC1544Freak Valley Festival 2017 – Die selbstgewählte Reizüberflutung in der sechsten Edition

(yv) Vor das Feiern hat das Schicksal meist die Anfahrt gestellt, so schlichen denn die Trupps der verstreuten Freaks im Feiertagsverkehr kreuz und quer aus allen Ecken der Republik und von weit darüber hinaus gen Netphen.

Einige waren entgegen der offiziellen Festival-Order schon am Mittwoch angereist und hatten daher reichlich Ankomm-, Aufbau- und Feiervorsprung, was man spätestens beim Schlangestehen vor dem Einlass deutlich merkte. Gehobene, sich stetig steigernde Stimmung trotz brütender Hitze und gnadenloser Sonne über glühendem Asphalt, die Schlange wuchs kontinuierlich, der Durst ebenso.

Irgendwann hatte dann aber doch jeder nach und nach die Einlass-Hürden überwunden (hier sei gleich einmal ein Dank an die insgesamt sehr freundliche Security und an die heldenhaften „Hüter der Listen“ gerichtet).

Nächste Schritte: Chip am Armband aufladen – gerne auch am praktischen, neuen Automaten, dann am Bier-Rondell anstehen um sich dort ein herrlich kühles Getränk der jeweiligen Wahl in die darbende Physis zu schütten. Juhu!

So, jetzt kann’s losgehen…

Beim Rundumblick wird man gleich gewiss, dass alle gewohnten Annehmlichkeiten weiterhin da sind bzw. noch ausgebaut wurden, die Anzahl der Sitzmöglichkeiten ist also nochmals gewachsen, d.h. noch mehr der schönen und liebevoll dekorierten Palettenbänke und -Burgen sind zu sehen, zahlreiche Sofas und Sessel neben der üblichen Bierzeltgarnituren, der beiden lauschigen Jurten hinter der Cocktailhütte und der Hängematten daneben.

Im allgemeinen Wiedersehenstaumel und dem Umsehen nach Neuerungen auf dem Gelände gingen bei mir die BLACK WILLOWS leider etwas unter.

Dafür dann volle Aufmerksamkeit auf die Damen von MAIDAVALE, Heavy Psychedelic Blues Rock oder sowas in der Art aus Schweden, dem Hort so vieler erstklassiger Bands. Die Frontfrau singt und schwingt ihren Kaftan sinnlich-mystisch dazu im Takt, mitreißende Klänge und Optik, eine prima Festivalband, macht richtig Laune und der Grundstein für gute Abendstimmung ist gelegt und solide zementiert.

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Mehr und mehr ziehen dunkle Wolken über das Gelände und verwässern den großartigen ORANGO leider etwas den Auftritt. Insbesondere schade, da mir schon so viel davon vorgeschwärmt wurde, aber ein zeitweiliges Regen-Dach über dem Kopf erschwerte den Genuss des Gesamterlebnisses etwas. Dafür animiert die Enge in den Unterständen zu allerlei Blödsinn und die Abkühlung tut allen gut.

Und dann kam einer jener magischen Momente, in denen man vor einer Bühne steht und sich spontan in eine Band verliebt… ARBOURETUM, was war das so zauberhaft, ein Trupp, optisch wie akustisch in Richtung Neil Youngs Kinder einzuordnen. Auf ihrer Facebook-Seite steht als Story nichts weiter als „Old Fire“. Sehr treffend. Ich kam aus dem Grinsen und der Gänsehaut kaum noch raus.

Der Abend schreitet voran, CONAN mit der ihnen gebührenden Portion echtem Brachialsound, der über’s Gelände fegte überließ ich geneigteren Ohren, es gibt ja auch so viel zu erzählen mit all den lieben Leuten, die man endlich wieder trifft.

MASERATI wurden anschließend heftigst abgefeiert, ein interessanter Stilmix, bunt, tanzbar, rhythmisch, wuchtig.

Dann war der Abend auch schon fast vorbei, Zeit für den ersten Headliner, SLO BURN, also eine jener Kyuss-Nachfolgebands, zweifelsfrei gute Musik von echten Profis, jedoch muss ich ehrlicherweise sagen, dass der Funke bei mir leider nicht richtig übersprang, was auch der legendenhafte Status eines Herrn Garcia nicht wettmachen konnte.

Nach diesem ersten Tag mit einigem an konsumierten Kaltgetränken, sehr viel Gelächter, sehr viel Wiedersehens-Hallos und Umarmungen trug uns denn eine von zarter Hand geführte Stahlkarosse gen unserer Schlafstätte, wo uns alsbald sanfter Schlummer umhüllte und der zweite Tag schnell zu grauen begann.

Frisch geduscht, gesichtsgebügelt, ausreichend koffeiniert und mit einem Glas Doping namens Hollerblütenlikör im Schädel antreten zum Wake&Bake!

Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, dass wir von GREEN ORBIT nur noch die letzten Takte mitbekamen, hatten wir uns zeittechnisch beim Frühstück doch etwas verzettelt. Wer die Band aber wie ich zuvor schon mehrmals gesehen hat, weiß, dass sie sowieso von Auftritt zu Auftritt besser werden. Also freue ich mich einfach sehr auf das nächste Mal.

ELEPHANT TREE – der Name sagt, wo’s langgeht, da stampft der Bass, die neongrünen Saiten vibrieren ohne Unterlass und es scheppert schön, passende Wachrüttelmusik, bester Hintergrund für langsames Steigern des Bier- und Sonstwaskomsums, das Frühstück ist ja nun schon halb verdaut.

Seid ihr alle wach? LIMESTONE WHALE geben das ihre dazu, dem einen oder anderen noch übernächtigten Freak den Schlaf aus den Ohren zu schütteln. Erdiger Heavy Psych frisch aus dem grünen Wald. Prima Sache mit viel Schmackes und Herzblut.

Jetzt wird es etwas spezieller, schräger, bunter, verrückter. Die drei Herren von THE GREAT MACHINE fahren für uns ein heftiges Programm auf, laut, enthusiastisch, mit viel gepiercter Gesichtskirmes und wabbelndem Schlapphut, bis es selbigen nicht mehr auf dem Schädel hält, Gehopse à la Flea, Begeisterung und fröhliche Gesichter bei den vielen Tänzern hinter dem Absperrgitter und massig Material für die Fotografen jenseits desselben. Muss ich unbedingt wiedersehen, diese Erzbekloppten.

GEEZER ist schon fast sowas wie Rock-Traditionalismus, sie nennen es selbst sehr treffend Cosmic Stoner Blues, was sie da auf der Bühne treiben, und der weiße Wallebart, der einem von der Bühne entgegenwedelt wirkt regelrecht respekteinflößend. Da stecken viele Jahre Musikgeschehen drin, optisch, biografisch sowie akustisch.

Nachmittägliche Schuppenschüttelphase mit DEATH ALLEY, viel schwarzes Leder und die wohl längste Benennung des eigenen Musikstils: heavy punked-out proto-metal“ 🙂 Klingt insgesamt weniger punkig als befürchtet – hart, aber eingängig, hüpf- und bangfreudige Klänge aus Amsterdam.

Anschließend folgt ein Trio, das sich zur echten Festival-Bank gemausert hat. THE BREW bieten konstant qualitativ hochwertigen Rock mit klarem Blues-Einschlag im Stile der alten Meister, stets mit vollem Einsatz und immer gerne wieder gesehen und gehört (unvergessen die blutig gespielten Jünglingsfinger und die entsprechend rotverschmierte Gitarre, als ich sie zum ersten mal sah…).

Nichtsdestotrotz ist zwischenzeitlich eine Stärkung fällig, ein Burger hier, ein paar Crêpes da, ein Langos zwischendrin oder je nach Geschmack „Oldschool“ Currywurst mit Pommes. Man muss jedenfalls Energien tanken, es folgen ja noch ein paar dicke Brocken…

Vielleicht ist hier der richtige Moment, einmal den vielen Bratwurst-Brätern, Baguette-Bäckern, Bier-Befüllern und Burger-Belegern an allen Ständen rund um das Gelände und im Hintergrund zu danken. Trotz zeitweiliger Massenanstürme und vielfältig bedingter Planlosigkeit des einen oder anderen „Patienten“ ging doch alles stets relativ fix, reibungslos und sehr oft noch mit einem Lächeln garniert vonstatten. Mein Respekt und mein Dank all jenen, die uns durchweg mit der physiologisch notwendigen Materie versorgt haben. ❤

So, jetzt wird’s mal wieder schwierig, ein persönliches Highlight verbal ins rechte Licht zu rücken:

GREENLEAF, welch ein Fest, welche Freude, was eine Power. Ich hatte ungelogen und ohne Übertreibung von den ersten Takten bis weit nach dem letzten Ton wahrhaftig Dauergänsehaut! Der Bass lässt einem die Hosen wackeln, Frontmann Arvid peitscht sich selbst, die Band und das Publikum mit geballter Faust gekonnt ein und schreitet quasi im ovalen Dauerlauf vor lauter Energie die Bühne ab. Heavy Storytelling, so könnte man das bezeichnen, wunderbare Songs, ruppiger, erdiger Charme mit unverwechselbarer Stimme, unglaubliche Könnerschaft an den Instrumenten, perfektes Zusammenspiel, immenser Spaß an der Sache und geschätzt in etwa drölfundzwanzig Tonnen Charisma. Was eine Hammerband, was ein Erlebnis. Boah, Tourdaten gucken… Hatte ich schon meinen immer noch anhaltenden Ohrwurm erwähnt? In meinem Kopf singen alle immer noch „open up your eeeeeyes“ aus vollem Halse.

Danach geht es schon fast beschaulich weiter, GOLDEN VOID mit unter anderem dem Genius Isaiah Mitchell an den Saiten. Schon fast fein und träumerisch, sehr elegant, warme Stimmungen werden da transportiert, sowas wie Easy Listening für Stonerheads, aber was die Qualität angeht ganz am oberen Rand. Wunderschön, wie sie für uns sozusagen die Sonne zu Bett tragen. Davon könnte man gerne viel öfter etwas mehr haben…

Nach dieser Verschnaufpause für die schon etwas strapazierten Sinne geht’s brachial weiter. Über UFOMAMMUT muss man wohl kaum noch viel Worte verlieren. Blutrotes Licht flutet die Bühne und die Umgebung, es donnert und röhrt auf allen Kanälen, viele viele Arme in der Luft, manchmal auch komplette Leute – im Schwebeflug auf Händen getragen – und der zum Spaß mal rausgeholte Dezibelmeter sagt noch in beachtlichem Abstand irgendwas in der Art von „limited exposure time“.

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Da ich den Schalldruck bei Ufomammut mit gutem Pfälzer Wein und einigen der berüchtigten Cocktails aus der Hütte auszugleichen suchte, verschwamm das Erlebnis bei PENTAGRAM in der Folge leider etwas…

Müde Glieder, leicht betäubte Ohren und sonstige Organe, geschütteltes Hirn, wo ist unser Heiabett…? (ja, alt werden taugt echt nix) 🙂

Und da naht auch schon der dritte Tag, so’n Mist!

Die Zeit auf Festivals dieser Güteklasse fliegt so schnell. Also ganz fix die Knochen sortieren, Frühstück inhalieren und auf ins Getümmel!

Die zweite Runde Wake&Bake ist schon im Gange, als wir das Gelände betreten. SATIVA ROOT, drei sehr nette Herren, die sich hier als dunkle Qualitätscombo aus Felix Austria präsentieren. Stimmiger Mix verschiedener Richtungen, insgesamt ein sehr metallischer Reigen, der unheimlich Spaß macht. Eine dieser Bands, die man gerne viel öfter sehen würde, schon ganz einfach der guten Laune und Stimmung wegen.

Holla, jetzt wird’s bunt! VODUN, eine Dreier-Combo, Bühnenklamotten aus afrikanischen Stoffen mit genug Hautfreiheit, alle mit Ethno-Style Körper- und Gesichtsbemalung, und die Darbietung erweist sich als eine bis dato ungehörte, unerhört faszinierende Melange. Die Sängerin mit beeindruckender Präsenz und der wahrscheinlich besten Stimme des Festivals könnte ebensogut mit einem klassischen Soul-Ensemble auftreten, aber diese Band hat noch weit mehr zu bieten als das. Hier wird mit einer guten Portion afrikanischem Einfluss gerockt und geröhrt was das Zeug hält, der Herr an den Saiten spielt Gitarre und Bass auf dem gleichen Instrument im Wechsel per Knopfdruck und die Drummerin hat die passende Spielfreude und Dynamik, um all dies zu einem wunderbaren Ganzen zusammenzuführen. Wahnsinn! Stehen ab sofort ziemlich weit oben auf der „will nochmal“-Liste.

Quasi im Hechtsprung bewegten wir uns gen erster Reihe vor der Hauptbühne, jetzt wird’s nämlich gleich lustig. Dem ersten Anschein nach könnte man meinen, eine Variété-Truppe hätte sich nach Freak Valley verlaufen. Da sieht man Herren mit Masken diverser Art, mal in Richtung weißer Pestdoktor mit langem Schnabel über rot-weiß gepunktetem Hemd, mal eher venezianisch mit viel Federpuschel und im weinrot-gemusterten Kleid und Ringelstrumpfhose gewandet! Aber von wegen verlaufen – nix da! SALEM’S POT sind hier genau richtig, Freaks im allerbesten Sinne. Wir Leutchen vom Rockblog.Bluesspot sind schon ein klitzekleines Quäntchen stolz drauf, für diese Band „mitverantwortlich“ zu sein. (Danke für diese Eingebung, Volker!) Eine Wahnsinns-Show mit toller, ganz eigenständiger Musik, da wird ringsum gehüpft, getanzt, die Hüften kreisen und die Schädel schwingen, die Fotografen dehnen und biegen sich in Scharen auf der Suche nach dem perfekten Klick. Wer kann, sollte sich die Jungs unbedingt mal ansehen, sofern nicht schon geschehen. Diese Kombination ist wirklich einzigartig, Heavy Entertainment Güteklasse A.

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Ganz schnell ein Getränk in den Schädel schütten gehen und fix wieder zurück nach vorne, ein Leckerbissen der allerfeinsten Art bahnt sich an, auf den ich mich im Vorfeld mit am meisten gefreut hatte:

KIKAGAKU MOYO schlagen massenhaft die Anwesenden in ihren Bann, feinste atmosphärisch-psychedelische Klänge aus dem fernen Japan mit dem Nachhall der späten 60er und frühen 70er Jahre, wunderschöne Harmonien, Bilder und Freiflüge en gros werden einem ins Hirn gezaubert, leidenschaftliche Hingabe dieser jungen Menschen, Sitar und Gitarre im Dialog, im Publikum schiere Begeisterung, verzückte Gesichter, ungläubliges Staunen und nach dem Verklingen der letzten Töne eine bis dato in diesem Ausmaß noch sehr selten gesehene Schlange am Eingang zur Merch-Garage. Ganz klar eine der großen Überraschungen diesen Jahres, die wohl noch (zu) wenige auf dem Schirm hatten, was sich aber an diesem Abend grundlegend geändert haben dürfte.

CHURCH OF THE COSMIC SKULL, das hört sich für das unbedarfte Ohr erstmal gaaanz dunkel und böse an. Denkste! Auf einmal steht da ein Trupp auf der Bühne, alle fast komplett weiß gewandet, optisch irgendwas zwischen ABBA-Revival-Party und evangelikaler Missionsfete. Wie sich herausstellt, stecken sämtliche Damen und Herren voller Feierlust, jeder Menge Selbstironie, Augenzwinkern und massig Showtalent. Da geht richtig die Post ab und der Reverend hat keine Mühe, das Herz vieler neuer Schäfchen in seinen sicheren Hafen zu geleiten. Mal was komplett anderes zwischen all den vielen Schwarzkitteln hier. 🙂

Hm, jetzt wird’s nochmal persönlich, es folgt ein Outing: (bitte nicht hauen)

Ich gehöre zu denjenigen, die bei MAMMOTH MAMMOTH an der Seite sitzen und „Naja“ denken. Zweifelsohne, die Show ist energiegeladen und läuft ab wie unter Starkstrom, da werden Männer zu wilden Tieren und lassen sich vom rasenden Freak-Pulk abfeiern ohne Ende (Motto: mittendrin statt nur auf der Bühne), orale Bierdistribution vom Bühnenrand aus und all das, aber die Mucke ist einfach nicht ganz so meine Welt und das Wort „Fuck“ wird dann doch etwas überstrapaziert. 😉

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Da gefallen mir im Anschluss MOTHERSHIP schon mal gleich viel besser, hier geht es zwar auch unter massiver Schweißbildung und mit ordentlich Tempo sowie kreischendem Gitarrengefiedel und sportlicher Einsätze der Protagonisten zur Sache, aber in meinem Ohr und Auge kommt das wesentlich geschmeidiger rüber und im Hirn (und Hintern) an.

Sämtliche Getränke fließen in Strömen, die Stimmung ist bombastisch, überall wird getanzt, gequatscht, viel gelacht und hier und da liegen ein paar „Ausfälle“ auf der Wiese oder kauern auf Bänken. Sommer im Siegerland.

Als nächstes kommen die mir bisher unbekannten WAND aus L.A. auf die Bühne. Die Präsentation kommt zwar ein wenig steril daher, aber diese Band hat nichtsdestoweniger ihre Hausaufgaben gemacht. Eine schöne Psych-Rock-Mischung – einmal kommt es einem vor, als ob man Fetzen von Status Quos „Pictures of a Matchstick Man“ im neuen Gewand vor sich sähe und hörte, mal klarer Beatles-Spätphasen-Einfluss, ohne allzu abgedroschen zu klingen. Es dauert scheinbar ein wenig, bis die Band selbst in Schwung kommt, so hat man zumindest das Gefühl, aber schlußendlich erleben wir hier ein insgesamt stimmiges Konzert.

Wir bewegen uns Band-herkunftstechnisch weiter von Nord- nach Südamerika, namentlich nach Chile. Wer jetzt Klischee-Panflöten, bunte Ponchos und komische Wollmützen erwartet, liegt verkehrter denn je. Space trippin‘ ahoi! FÖLLAKZOID waren ihrem wahrscheinlich mattschwarz lackierten Raumschiff irgendwo hinter dem AWO-Gelände entstiegen, betraten die Bühne und versetzten alsbald große Teile der Anwesenden Humanoiden mit ihrem wundervollen, hypnotischen, repetitiven Sound in tranceartige Zustände, die Massen wiegen sich im Takt wie die Derwische, Abstürze ins sich drehende Ich inklusive, und falls die Augen doch noch offen blieben, dann zumeist um einen Blick auf den wohl einzigen bühnenfähigen Badeanzug des Festivals zu erhaschen. Sehr speziell, sowas und eigentlich gar nicht mal unpraktisch: der ist auf Tournee schnell gewaschen und getrocknet. 😉

Jetzt aber ganz fix Getränke nachfüllen lassen, noch einen Bissen feste Materie erhaschen, in den nächsten Stunden wird man aus gutem Grund kaum noch dazu kommen, wenn man ganz vorne mit dabei sein möchte!

Die derzeit wahrscheinlich größte und großartigste Party-Combo links und rechts vom Äquator macht sich bühnenfertig… Als vor einigen Monaten die Band von der Festivalleitung angekündigt wurde, hab ich innerlich Luftsprünge gemacht. Was ich bis zu diesem Zeitpunkt an Dosenmusik, Bildern und Videos mitbekommen hatte, sprach Bände über die Feier-Lawine, die nun gleich losrollen sollte: KING GIZZARD AND THE LIZARD WIZARD, Mannomann, das war ein regelrechtes Nonstop-Feuerwerk, sie brannten musikalisch alles nieder, was möglich war, ein derartig heftig (im rein positiven Sinne) ausrastender Mob vor der Bühne, der einem alleine schon ein Grinsen ins Gesicht zimmerte, feurig-dreckig-schwitziger Party-Rock’n’Roll mit zwei Drumsets, die sich gegenüber standen. Mir fehlen gerade so ein bisschen die Superlative, um die Stimmung, die Musik und all die glücklich-kaputtgetanzt-seligen „Rattlesnake Rattlesnake“ skandierenden Menschen zu beschreiben, die diese jungen Kerls nach ihrem Komplettabriss hinterließen. Schade, dass Australien so ein wenig außer der durschnittlichen Festival-Reichweite liegt, so einen blanken Irrsinn hätte man gerne öfter in den Knochen stecken.

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Hach, alles neigt sich irgendwann dem Ende zu, und so wurde der Auftritt von EARTHLESS schon fast ein wenig wehmütig, wenn man sich so umschaute. Viele nutzen die Gelegenheit, um mit den himmlischen Klängen dieser schier überirdischen Mannen noch einmal aus sich selbst herauszugleiten und eine Runde über den Dingen zu schweben. Zauberer sondergleichen sind das, Zimmerer einer ganz besonderen Atmosphäre, die Gitarre wird sozusagen für alle fühlbar und klingt ganz tief drinnen noch lange lange nach, und die Lichter aus Marco Menzers ShineALight-Kanonen untermalen das Geschehen perfekt.

Alles hat ein Ende… Freak Valley 2017 ist vorbei, aber nur „äußerlich“.

Es ist mir eine besondere persönliche Freude, dass ich von der ersten Ausgabe an als Zuschauer miterleben durfte, wie dieses Festival wächst und blüht und gedeiht. Unzählige zauberhafte Momente, die sich in die Festplatte gebrannt haben, so viele wunderbare Menschen, die ich bis jetzt in und um das Festival drumrum kennenlernen durfte, und stets dieses Gefühl auf anderen Festivals, wenn man dasteht und denkt „Leute, geht ‚mal nach Freak Valley, und guckt euch an, wie ein richtig gescheites Festival funktioniert.“

Danke!

Danke an euch alle, die Rock Freaks, die Orga, jeden einzelnen, der hier mitmischt, der ausschenkt, bäckt, kocht, brät, Autos einwinkt, von Glasscherben aufgeschnittene Barfüßler verbindet, Klos leert und/oder putzt, Frühstücksbrötchen schmiert, Patches annäht, oder aber das ganze Jahr über „erduldet“, dass der Partner viel Zeit, Aufwand und Herzblut in die Mache dieser für uns so ganz besonderen Highlight-Tage steckt.

Danke auch an alle Gäste wie ich auch einer bin. Es reichen nur wenige Störenfriede, um die wunderbar friedliche Stimmung auf einer solchen Veranstaltung in eine blöde Richtung zum Kippen zu bringen. Von denen gibt es hier prozentual wirklich verdammt wenige, wie schön und wie selten ist denn das bitte?!

Ehrlich gesagt habe ich dieses Jahr relativ lange gebraucht, geistig wieder in der Alltagswelt anzukommen, und so ganz bin ich eigentlich immer noch nicht da. Dafür haben diese drei Tage unter all den Freaks im Laufe der Jahre einfach einen zu hohen Stellenwert eingenommen.

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Was bleibt sind noch mehr Momente im Herzen und im Ohr und die Freude auf die nächsten Tage Ausnahmezustand im Jahre 2018!

Wir sehen uns!…(yvonne)

 

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