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Bröselmaschine – Indian Camel

(hwa) Ihr erstes neues Album seit 32 Jahren.
Ich war ursprünglich etwas skeptisch – wurde aber schnell eines Besseren belehrt.
Großartige Performance…

Das Album beginnt mit „I Was Angry“ im typisch deutschen, ganz frühen Krautrock-Duktus. Wer die Krautockszene aufgrund der späten Geburt nicht miterlebt hat, wird hier fündig. Bröselmaschine beamen sich in die 1970er Jahre zurück und treffen den Zeitgeist eins zu eins. Nach ein paar Hardrock-Riffs geht es in folkige, bluesunterfütterte Rhythmen mit Orgel über, die sich im Jazz am Ende der Straße wiederfinden.

Apropos Jazz: Helge Schneider ist als ehemaliges Bandmitglied in Track No.2 „Fall Into The Sky“ auf dem gesamten Album leider nur 1x Mal zu Gast – und bläst uns einen. Sehr zart und bluesig. Typisch Helge halt. Der Allrounder ist jederzeit ein Geschenk.

In „Peace Of Heaven“ schaut der Mainstream um die Ecke. Der Song könnte ohne weiteres als Titelmelodie für einen Liebesfilm oder eine „Doku-Soup“ durchgehen, die melancholische Grundstimmung schmeichelt den Ohren sehr. Es schimmert sogar David Lindley mal hier und da durch…

In „Don’t Cross My Way“ erweisen Bröselmaschine dem Südstaatenrock und Lynyrd Skynyrd die Referenz. Das Stück ist vom Feeling her ein typischer L.S. Song.

Der Titeltrack „Indian Summer“ ist selbstredend der primus inter pares unter den zahlreichen Highlights dieses Albums. Man fühlt sich zuerst nach Andalusien und danach nach Indien oder Nepal versetzt. Peter Bursch weiß die Sitar meisterhaft zu spielen.

Das Stück atmet in seiner hypnotischen und transzendentalen Art `ne Menge kosmischer Energie. Ähnlich wie es „My Sleeping Karma“ häufig praktizieren. Da ist `ne große Seelenverwandtschaft spürbar. Ein Track zum Niederknien.

Mit „Stacey“, „Children Of The Revolution“ (T.Rex-Cover) und „Daydreaming“ klingt das Album aus. Der Rausschmeisser hält Wort. Man fängt an zu träumen …

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass Peter Bursch nach der langen Auszeit, in der er natürlich nicht untätig war und Hunderttausende (Millionen?) „Gitarrenkurse“ in Buchform verkaufte, offensichtlich mal wieder so richtig Bock auf ein Album hatte.

Das ist prächtig gelungen. Zumal „live im Studio“ und tatsächlich ohne Overdubs aufgenommen? Wer weiß! Ich lass das einfach mal offen. Mögen sich doch alle Hörer/Innen den eigenen Reim drauf machen.

Nicht, dass ich jemanden besonders hervorheben möchte, aber Leadsängerin Liz Blue ist ein Juwel. Wie die gesamte Band.

In meinem Player liegt ein Opus magnum.

(Heinz W. Arndt)

Line-up Bröselmaschine:
Peter Bursch (guitar, sitar)
Liz Blue (vocals)
Manni von Bohr (drums)
Detlef Wiederhöft (bass)
Michael Dommers (guitar)
Tom Plötzer (keyboards)

Additional Musicians:
Helge Schneider (saxophone)
Nippy Noya (percussion)
Lulo Reinhardt (guitar)

Tracklist:
1. I Was Angry (4:26)
2. Fall Into The Sky (5:44)
3. Peace Of Heaven (5.42)
4. Don’t Cross My Way (4:09)
5. Indian Camel (12:08)
6. Stacey (3:35)
7. Children Of The Revolution (2:43)
8. Daydreaming (4:10)

Bröselmaschine „Indian Camel“
MIG Music 01922 CD, Mai 2017
http://www.broeselmaschine.de
http://www.mig-music-shop.de

Filed under: Album Reviews, Krautrock, , , , , , , , , ,

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