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Interview mit Mephi/Daily Thompson

(vo) Hallo Mephi, da ich ja öfter bei euren Konzerten vor der Bühne rumturne (dein liebenswerter Ausdruck) und wir beide dann vor oder nach eurem Auftritt munter miteinander brabbeln. dachte ich mir: machen wir doch mal ein Interview.

Hi Volker, ich freu mich und jetzt von Soundnerd zu Soundnerd.

Wie hört sich deine musikalische Sozialisierung an?

Puhh, schwierig, weil es einfach zu viel Gutes gibt. Ich bin da sehr aufgeschlossen. Zu meinen absoluten Inspirationen gehören in erster Linie die späten 80er und die 90er, von Avantgarde bis zu Grunge. Sonic Youth, Melvins, Pixies, John Spencer, Dinosour Jr., Alice in Chains, Soundgarden, The Jesus and Mary Chain, Nirvana, The Breeders und Beck, aber auch der Hardcore Punk dieser Jahre von Black Flag und The Adolescents bis zu Descendents. Aber auch Bands wie CCR, Thin Lizzy, Nektar oder heutzutage Wolfmother gehören genauso dazu. Auch die Jerry Lee Lewis Ära und der Soul von heute wie The Black Keys oder The Arcs. Dazu gesellt sich Indie und Garage Rock… Du siehst, das wird zu lang!
Live ist es so, dass ich eigentlich vom Genre unabhängig das gut finde, was authentisch rüberkommt und nicht zu sehr gewollt! Wenn die Künstler Spaß auf der Bühne haben an dem was sie da machen, der einen mitnimmt, FRONT ROW.

Seit wann gibt es euch und wie habt ihr euch gefunden?

Die Band gibt es seit 2013. Ende Juni war damals unser erstes Konzert in Heiligenhaus. Danny war früher in der Punkrock Band Guitarshop Asshole und ich war in Wuppertal in einer Punk Band. Irgendwann wollten wir dann das machen, was uns begeistert, da die Lust an schnellen Powerchords irgendwann verebbte.
Also haben wir uns zusammengesetzt und sehr schnell war der erste Song „Be Gone“ fertig. Das war der Anfang!

Daily Thompson, der Name kommt woher?

Danny hat den Namen eingeworfen, da er schonmal überlegt hatte seine alte Band so zu nennen, ich habe direkt ja gesagt, da ich an meinen Lieblings Autor Hunter S. Thompson dachte, Danny meinte allerdings den britischen Zehnkämpfer Daley Thompson, der aber vor meiner Zeit tausend Jahre ungeschlagen war. Super Typ und besser als hätten wir die Band nach Jürgen Hingsen (sein ständiger Rivale) benannt!

Texte macht ihr gemeinsam?

Dannys Part!

Musik auch?

Musik ja, meistens hat einer eine Idee (Riff oder Beat oder Lauf) und dann geht es entweder sehr schnell oder man tüftelt an verschiedenen Parts, ist immer Song- und Stimmungsabhängig, wir jammen auch sehr gerne und viel!

Du spielst seit wann den Rickenbacker Bass? Hat der einen besonderen Sound?

Ich spiele ernsthaft seit ca. 6 Jahren Bass, 4 davon den Ric. Ich habe bei einem Kollegen ein Video von Dinosaur Jr. gesehen und dachte mir, was spielt Lou Barlow für einen Bass! Es sah aus, als würde er eine Gitarre spielen und der Sound war Wahnsinn. Somit war es klar, welchen Bass ich brauche!
Der Sound und die Mensur sind einzigartig. Genau so, wie man den typischen Fendersound hat, ist das eben beim Rickenbacker das gleiche, zumal er halt auch den Rick-O-Sound hat, quasi 2 Buchsen, eine davon Stereo, wo man mit verschiedenen Tonabnehmern unterschiedliche Effekte oder Amps spielen kann.

Bassistinnen gibts ja einige, aber zu Rickenbacker Bassfrauen fällt mir nur noch Amy Tung Barrysmith/Year of the Cobra ein. Kennst du noch welche?

Die Frage ist für mich genauso wie, wieviele Frauen spielen eine Goldtop? Ich weiß es nicht, auch ich habe noch einen 2. Rickenbacker, einen Gibson und einen Fender. Mich interessiert eher, wie viele gute Bands und Bassisten einen Rickenbacker spielen. Mir fallen da einige ein, wie z.B. Wolfmother, Motörhead, aber auch Louise Basilien von the Plastiscines.

Leben könnt ihr ja wahrscheinlich nicht von eurem Musikerdasein, wie löst ihr das nichtmusikalische Leben? Nebenjob? Oder Hauptjob und immer Urlaub für Gigs?

Wir sind tatsächlich selbstständig als Musiker und arbeiten nebenbei als Mercher, egal ob Festivals, Touren oder Einzelshows größerer Künstler. Danny und ich kommen aus dem Bereich und machen das schon sehr lange, vorher auch als Hauptjob. Außer Stefan, der hat noch einen „richtigen“ Job, ist aber zum Glück flexibel.

Alle Einnahmen kommen in die Bandkasse?

Schon, somit muss man nichts aus eigener Tasche bezahlen. Wir haben damals nur für unser erstes Demo bezahlen müssen, ab da war alles selbst mit der Band verdient.

Ihr seid ja in Europa schon ganz schön rumgekommen: gibt es bei der Publikumsresonanz große Unterschiede?

Auf jeden Fall, in England und Spanien z.B. wurde vom ersten Riff an mitgefeiert, eigentlich schon vorm Konzert. In Italien wird zum Beispiel nach einem Song applaudiert und sobald der erste Ton des nächsten Songs anfängt verstummen alle. In Deutschland merkt man, dass erstmal abgecheckt wird, was die Band bietet, man muss zuerst abliefern bzw. das Publikum fordert und wenn es zufrieden ist, wird dementsprechend abgegangen. Verallgemeinern würde ich aber nichts, Leute die zu Konzerten gehen, machen alles richtig!

Werdet ihr von Veranstaltern generell „gut“ behandelt? Ich meine Essen, Trinken, Übernachtung. Oder gibt es da große Unterschiede und/oder abschreckende Beispiele?

Bis jetzt wurden wir immer sehr gut behandelt, egal in welchem Land. Natürlich merkt man, dass nach 3 Jahren touren man tatsächlich in manchen Venues einige Vorzüge mehr bekommt als noch als kleine Newcomer Band, aber so ist das Business halt, aber auch nicht überall. Außerdem sind wir sehr verträglich!

Abschreckend war nur ein Erlebnis ziemlich am Anfang. Wir wurden nach unserem Gig, vom mittlerweile schnapsgetränkten Wirt, unsanft aufgefordert noch zwei weitere Sets zu spielen, wie es natürlich nicht abgemacht war. Dann kamen auf einmal Leute einer bekannten Motorradgruppe rein, die eindeutige Nazi Tätowierungen hatten und auf einmal sah ich, wie die Jungs durch die Gegend flogen bzw. geschubst wurden. Ich habe schnell die Backline aus dem Keller ins Auto gepackt (natürlich hatte ich auch Angst um die Jungs) und dann sind wir ab in den nächsten Feldweg!
Hat aber auch stark zusammengeschweißt und mal wieder bewiesen: ALLE NAZIS SIND ARSCHLÖCHER, ÜBERALL!

Ihr spielt ja auch bei Bikertreffen, ist das da anders in der Resonanz auf eure Musik?

Überhaupt nicht, man muss auch unterscheiden. Es sind alles Custom Biker, ohne Kutte, Verein, Chapter oder ähnliches, die schrauben an ihren Choppern rum und haben Garagen, wie wir Proberäume und sind sehr begeisterte Musikfans. Viele machen ja auch selber Festivals, wie z.B. Flanders Chopper Bash in Belgien oder The Trip Out in UK.

Ich hab euch schon einige Male live erlebt, ist immer ein Erlebnis, da ihr euch als Einheit präsentiert und alles raushaut….macht doch großen Spaß oder?

Es ist das allerbeste in unserem gesamten Leben!!! In erster Linie macht man ja für sich selber Sound, aber wenn es dann zu dritt, mit den besten Freunden, so viel Spaß macht und dann das auch noch Leuten außerhalb unserer Proberaumgalaxie gefällt, Hammer!

Wollt ihr mal soweit kommen, das ihr Autogramme in einem Plattenladen schreibt?

HAHA, ich würde lieber soweit kommen, mal eine US-Tour zu spielen oder nur von der Musik leben zu können.

Plant ihr ein neues Album? Wäre ja das dritte „Vollzeit“ Album nach „Daily Thompson“ und „Boring Nation“.

Ist in Planung und ein paar neue Songs sind schon fertig. Ein paar fehlen noch und außerdem wird es einige Überraschungen auf der neuen Platte geben.

Du sagtest mir dazu, das erstmal im Herbst eine Split mit Monkey Okay geplant ist, sind das auch Freunde oder geht das eher von der Plattenfirma aus?

Ja die Split wird über H42 Records veröffentlicht. Wir haben zwei Touren mit den Monkeys im Januar und Februar durch Deutschland und Dänemark gespielt, und es war schon ab dem ersten Gig klar, das wir ein Riesenhaufen Freunde sind/werden. Da hat alles sofort gestimmt, Humor, Spielfreude, musikalisch und auch Biertechnisch ;).  Somit haben wir das ins Rollen gebracht und nun wird sie im Oktober rauskommen. Wir freuen uns schon! Außerdem werden wir wieder zusammen auf Tour gehen.

Es gibt ja auch noch eine frühere 7″ Split mit Mos Generator, wie kam das damals zustande?

Die kam auch über H42. Tony Reed, Mastermind von Mos Generator, hat damals unser erstes Album gemastert. Somit haben wir uns gefreut, eine Split mit ihnen zu machen.

Was hört ihr persönlich am liebsten wenn ihr zu einem Gig unterwegs seid?

Truckstop, Tom Astor, Johnny Hill und Gunter Gabriel (RIP bro).

Was sagt ihr zur Entwicklung „unserer“ kleinen, überschaubaren, aber feinen Szene seitdem ihr davon ein Teil seid?

Wahnsinnige und wunderbare Menschen, egal ob Veranstalter, Bands oder einfach nur Musikfans. Alle haben Bock auf guten Sound, sind bodenständig und das Miteinander macht immer viel Spaß! Wir sehen uns musikalisch zwar nicht direkt in der „Stoner“ Szene, trotzdem bin ich froh, dass wir, wie du sagst, mittlerweile ein Teil davon sind!

Und es wird, so mein Eindruck, leider immer weniger Oasen geben, in der „unsere“ Musik auch live präsentiert werden kann, oder wie seht ihr das? Stichworte Lautstärke, Anwohnergeplärre.

Ich hoffe, dass es noch lange diese „Oasen“ geben wird. Zum Glück gibt es (noch) genug Freaks, die sich einsetzen und ihre ganze Freizeit dafür opfern, dass Leute ein schönes Musikerlebnis erfahren dürfen. Und verdammt, LAUT IST GUT!

Zum Schluß bitte noch ein Ausblick auf eure weiteren Aktivitäten:

Erstmal werden wir uns jetzt um unser drittes Album kümmern. Aufnehmen, Songs schreiben und sich entwickeln lassen, und dann stehen da noch verschiedene Touren durch England, Dänemark, Italien und Spanien an und ein paar Gigs in Deutschland haben wir ja auch noch.

Herzlichen Dank Mephi, wir sehen uns in diesem Leben hoffentlich noch sehr häufig in unseren „Oasen“!

https://dailythompsonband.bandcamp.com/

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