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Motorpsycho – The Tower

(yv) Kurzkonversation im Messenger vor einigen Tagen:

Mr.V aus H.: „Hallo Yvonne, wir haben die neue Motorpsycho als Doppel-CD bekommen…
schrei bitte: her damit….
Ich: „wildrumsabber….
Motorpsycho, das sind eigene Welten – treffend als „Psychoverse“ bezeichnet – und mit jedem neuen Album tut sich eine neue auf, immer wieder komplett anders, komplett neu, frische Einflüsse aus bisher unerforschten Richtungen und vor dem ersten Hören weiß man nie, wo die Reise stilistisch hinfahren wird.
Also auf ins neue Abenteuer. Dieses Mal besonders interessant, da nach langjähriger trauter Dreisamkeit der Herren Ryan/Saether/Kapstad mit dem Abgang des Letzteren vom Hocker hinter dem Motorpsycho-Drumkit ein gewisser Schnitt mit dem geneigten Hörer unbekannten Konsequenzen vollzogen wurde. Neubesetzung Thomas Järmyr tritt in große Stapfen…

Genug Vorab-Blabla, los geht’s:

CD I

1 The Tower [including the Wishboner]

Holzbläser, verzerrte Gitarre wie aus einem Grammophon, Hopsa, ein Epos! Dann geht’s rund und wird laut und schnell und wunderbar. Bei der ersten richtig fetten Gänsehaut zeigt der Player 0:54min. Zweistimmig gesetzte Gesänge, zwischendurch kommen immer wieder die Beatles zum Kaffee vorbei, dann donnert und grollt und es erneut auf’s Feinste. Viele dürften wissen, dass ich sehr Bass-affin bin und auch mal gerne Zeug abseits vom 4/4-Takt höre, und was sich hier abspielt, zimmert mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Eigentlich ein schöner Zufall, dass das Album nur ein paar Tage nach dem 40. Jubiläum von Rush’s Meisterwerk „A Farewell to Kings“ erscheint. Ja, all dies könnte Filmmusik sein, da stecken unzählige Storys für’s heimische Kopfkino drin.

2 Bartok of the Universe

Juhu, ab im Galopp durch die Pampa, wir im Sattel auf einem großen, mächtigen schwarzen Kaltblut-Gaul namens Classic-Hardrock oder sowas in der Art, nur eben mit der bekannten Finesse, die die Norweger in fast alles stecken, was sie anpacken. Im Hintergrund dunkle Männerstimmen im Chor, während vorne die besaiteten Heerscharen dengeln und das Schlagwerk wie schweres Rüstzeug scheppert.

3 A.S.F.E.

Tschakka, tschakka, da ist es wieder, das mittlerweile schon sieben Jahre alte Feeling von „Knuckleheads in Space“ vom Album „Heavy Metal Fruit“: treibender, fast schon motorisierter Nähmaschinen-Pedalrhythmus, etwas gediegener jedoch und mit mehr Lyrics-Last.

Dieser Titel wurde ja schon vorab im Internet veröffentlicht, um die Massen etwas „anzufüttern“, kluger Schachzug, obwohl es diese Band eigentlich wirklich nicht nötig hätte, insbesondere wenn man sich die ausgerufenen Preise längst vergriffener Raritäten auf den einschlägigen Plattfformen mal ansieht.

Mantra: „There’s a song for everyone and a singer for every song.“

Understatement oder Lebensweisheit? Wer weiß das so genau… 😉

4 Interpid Explorer

Huch, ist das noch Motorpsycho oder doch schon YES der früher 70er? (aus meiner Sicht ist das eines der höchstmöglichen Komplimente, wohlgemerkt) Hahaha, der Astral Traveller lässt heftig grüßen und meine allererste Eingebung „Hopsa, ein Epos“ scheint sich mehr und mehr zu bestätigen.

Einmal Freiflugscheinverteilung für alle, bittesehr, Augen zu und auf in Fantasiewelten aus tiefem, erdigem Bassgegrummel, metallischem Drumkit und der Rest ist alles dichte (Atmo)Sphäre.

Bitte nicht aufhören, ein Song für die Ewigkeit, die 9:52 min sind schlichtweg viel zu schnell vorbei. Eargasm nennt man sowas dann wohl. Puh.

5 Stardust

Mmmmmh, ja, die Liebesnacht unterm Sternenzelt geht weiter, jetzt wird gekuschelt. All die vielen, altbekannten, wundervollen, lieblichen Southern Rock-Harmonien der CSNY-Schule haben mit einem klassischen Streichquartett Kinder gezeugt. Die sind jetzt erwachsen: 2nd Generation Hippies, im OpenAir-Austausch von Zärtlichkeiten begriffen.

6 In Every Dream Home

(there’s a dream of something else)

Hm, klingt fast wie die Bodenhaftung, die bei all dem Fantasmus und Schwärmen zuvor etwas verlorenging. Hier brüllt „endlich“ mal die Stromgitarre, dürfte manchem bisher vielleicht etwas gefehlt haben, dazwischen ruhigere Passagen mit Flötenbeschwichtigung. Wieder ein fantastisches Stück, Mann, diese Jungs können komponieren! Klarer, sauberer Rock Güteklasse A.

Und: Verdammt, ich will die Lyrics haben! Leider sind die zumindest in der CD-Ausgabe dieses Werkes nicht mit dabei.

Huch, erste CD schon fertig. Da steigt die Spannung nochmal, was der zweite Silberling an Überraschungen birgt.

CD II

1 The Maypole

[including Malibu and Stunt Road]

Ein fröhlicher Tanz um den Maibaum. Leichtes, beschwingtes Frühsommer-Feeling zu Hauf, sorgenfreie Feierlaune und im lauen Wind unter sanfter Sonne flattern bunte Bänder.

2 A Pacific Sonata

Mit 15:30min das eindeutig längste Stück dieses Doppelpacks. Wie der Name schon andeutet, geht es hier wirklich erstmal um das sich-davontragen-lassen auf träumerisch-tiefblauen Wellen, bis die See nach etwa der Hälfte des Songs etwas kabbelig wird, der Bass fängt zu hüpfen an, der Himmel über dem Wasser zieht sich etwas zu und ein Gewitter scheint immer näher zu rücken. Etwas nervösere Spannung macht sich breit, Becken-Blitze zucken hier und da und man erwartet gespannt die Entladung. Motorpsycho sind wie das Wetter auf See, man weiß nie, was als nächstes kommt. 😉

3 The Cuckoo

Ah, hier ist das Gewitter ja. 🙂 Etwas grimmigere Grundstimmung, etwas härtere Gangart, Stakkato auf allen Kanälen und ich denke irgendwie eher an Spechte als an Kuckucks. Aber herrlich ist das ja schon. Ein Stück zum Füße-auf-den Boden-stampfen, Im-Takt-Nicken und Fäuste-in-der-Luft-schwingen. Und wieder fehlen mir die Lyrics. Muss ich doch mal googeln, ob man die irgendwo finden kann.

4 Ship Of Fools

Bevor sich der Hörgenuss dem Ende zuneigt, ziehen die drei Herren nochmal alle Register, Songschreibe in höchster Brillianz, Jedes Instrument darf nochmal so ziemlich alles, was es kann, obergenialer Gesang, wie wir ihn bei Motorpsycho so lieben, fast schon wie ein Choral, der „never surrender“ skandiert, dann nochmal einen Gang hochschalten, oh große Göttin, wie ist das geil, klein-Yvonne ist ganz verzückt. Das Kopfkino geht doch noch weiter. Wo anderenorts der letzte Song oft zum fast schon traurigen, halbgaren Absacker verkommt, stellen Motorpsycho noch bis zum letzten Ton unter Beweis, wie und warum sie diesen hohen Kultstauts erreicht haben.

Fazit: Ich verneige mich in Ehrfurcht!

Personelle Umbesetzungen können Motorpsycho nichts anhaben, nein, sie saugen einfach (wie eh und je) alle möglichen Einflüsse auf und spucken sie als amalgamiertes Meisterwerk höchster Könnerschaft in Form dieses Epos auf zwei Scheiben wieder aus.

Wer hat noch nicht – wer will nochmal? BESTELLT EUCH DAS DING!….(yvonne)

Motorpsycho:

Thomas Järmyr: drums, percussions, vocals

Hans Magnus Ryan: guitars, vocals, keyboards

Bent Saether: bass, vocals, keyboards

Gastmusiker:

Alain Johannes: vocals (3), messenger guitar (4,7), cigar box guitar (4), flute (6)

http://motorpsycho.no/

https://www.stickman-records.com/

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