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Brant Bjork – Europe ´16

(js) Es war sicherlich überhaupt kein Zufall, dass der gute Brant Bjork das Set mit “Buddha Time (Everything Fine)“ startete. Dieser entspannte instrumentale Desert Groove steht perfekt für die Musik aus der Zeit, bevor die Plattennadel die Wachsschicht aus den Erzeugnissen seiner Napalm-Ära überhaupt nur ansatzweise berühren konnte. Und es ist die Art und Weise mit der er sofort deutlich macht, wer er ist und was er tut. Dieser Tausendsassa, dessen musikalischer Stammbaum ellenlang ist: Drummer/Songschreiber bei Kyuss und Vista Chino, Drummer bei Fu Manchu, Gitarrist/Vokalist bei Ché und Mehrinstrumentalist, Bandleader und Songschreiber in den verschiedensten Verkörperungen seiner Soloarbeit. Von „Brant Bjork“ über „Brant Bjork & The Operators“, „Brant Bjork and the Bros.“ bis hin zu „Brant Bjork and the Low Desert Punk Band“. Nicht umsonst wird er auch gerne als „Godfather of Desert Rock“ bezeichnet.

Nun also, knapp 20 Jahre nach dem Beginn seiner Solokarriere, ist er mit dem ersten offiziellen Live-Album am Start. Bereits mit seinem ersten Longplayer „Jalamanta“ im Jahre 1999 gelang es ihm, was viele seiner Kollegen erfolglos versuchten. Nämlich sich von einem reinen Stoner-Image ein wenig zu entfernen. Dies gelang ihm geradezu ästhetisch mit seinen teils souligen, funkigen Vibes. Und dies bewahrte er sich bis heute. Was auf dem just erschienen Live-Album „Europe ’16“ auch nur allzu deutlich wird. Aus seiner unnachahmlichen relaxten, groovigen ultra-laid-back-Stimmung heraus spielt er sich über fast neunzig Minuten durch 12 Songs. Aufgenommen allesamt auf seiner Europa-Tournee im Jahre 2016 (oha, welch Wunder!) gemeinsam mit seiner „Low Desert Punk Band“. Sicherlich diente diese Tour auch dazu, seine bis dato zwei weiteren Alben, die bei Napalm Records erschienen sind, das 2014er „Black Power Flower“ sowie das 2016er „Tao Of The Devil“, entsprechend zu supporten. Witzig, dass bei all diesen drei Alben das Artwork ein ähnliches „leafy theme“ beheimatet.

Man munkelte ja, dass Brant Bjork sich mit „Napalm Records“auf einen 3-Platten-Deal geeinigt hatte. Und wenn man sich Bjorks Aussage, das 2016er „Tao of the Devil“ sei das letzte Studioalbum dieses Kontraktes, erinnert, muss man wohl konstatieren, dass der Live-Output gleichzeitig auch das Ende der Zusammenarbeit zwischen dem Desertrocker und dem österreichischen Label bedeuten dürfte. Wenn es so sein sollte, wäre dies eine großartige Zusammenfassung dessen, was BB in den letzten Jahren als Songwriter und Performer auf Solopfaden er- und geschaffen hat, nachdem er zuvor erfolgreich als Mitglied bei „Vista Chino“ agierte und in einer eher unruhigen Zeit mit „Kyuss Lives!“ tourte.

Die Highlights von „Black Power Flower“ wie „Controllers Destroyed”, der bereits eingangs erwähnte, wunderbar beruhigende, Opener “Buddha Time (Everything Fine)”, das spätere „Stokely up Now” sowie auch die „Tao Of The Devil“ Songs „Humble Pie,” „Stackt,” „The Gree Heen” sowie die wunderbar ausufernden Jams „Dave’s War“ und „Biker No. 2“ zeigen nur allzu deutlich, wieso genau das Jahr 2016 die richtige Wahl für „Europe ’16“ war. Gitarrist Bubba DuPree (ehemals „The Void“), Bassist Dave Dinsmore (Ché) und Drummer Ryan Güt agierten sicherlich nah am sprichwörtlichen Zenit ihres Schaffens. Die Chemie zwischen den Vieren passte perfekt und diese übertrug sich unverkennbar auf jeden der insgesamt zwölf Songs auf dem Album.

In der zweiten Hälfte des Sets schlendern „Brant Bjork and the Low Desert Punk Band“ dann gemeinsam mit Gastsänger Sean Wheeler durch frühe Songs des umfangreichen Portfolios. Songs wie „Low Desert Punk” und “Lazy Bones/Automatic Fantastic” vom Album „Jalamanta“, „Freaks of Nature” vom 2007er „Somera Sól“ sowie „Let the Truth be Known” vom 2005er „Saved by Magic“. Und obwohl Livealben selten künstlerisch überleben, wenn sie mit einem miserablen Sound ausgestattet sind, schreckt Brant Bjork nicht zurück, rau und erdig zu klingen. Dies spürt man insbesondere bei Wheelers Gesang zu „Biker No. 2” und „Freaks of Nature”. Aber auch den organischen, fast unbehandelten Sounds der Band-Jams zum Ende des Albums. Ob das nun das letzte Napalm-Album war oder auch nicht, so steht diese Zeit vielleicht nicht für eine echte Fortentwicklung des musikalischen Profils in Bjorks langer Karriere, so aber vielleicht doch für das denkwürdigste Material, welches er je geschrieben hat.

Witzigerweise stehen Songs wie „Stackt“ und „Humble Pie“ zwar nicht für das Wahrzeichen „Desrt-Riffing“ wie zum Beispiel „Automatic Fantastic”, so unterstreichen diese Lieder aber umso mehr den Fortschritt in Bjorks klanglicher Vita. Und wenn man die zum Ende des Sets aufkommende großartige „jammige“ Stimmung vollends in sein Herz schließt, stellt man fest – zumindest tat ich dies -, dass ein Live-Erlebnis exakt so und nicht ansatzweise anders herüber kommen muss. Natürlich ist es noch ein wahnsinnig großer Unterschied, ob man diese 85 Minuten sich nur als Album zu Gemüte führt oder dem audiovisuellen Konzerterlebnis frönt, so hat diese Platte aber allemal einen vorderen Platz in der musikalischen Vitrine des „Godfathers Of Desert Rock“ verdient. Selbst wenn man diesen Output erst einmal „nur“ als Geschenk an seine zahlreichen Anhänger verstehen mag.

Ich will gar nicht viele Worte über das Bühnengeplänkel während der Aufnahmen verlieren, aber wie der gute Herr vor der „get-your-ass-stoned“-Ansage zu „Let the Truth be Known” Berlin dankt, nachdem er vorher während des Konzertes schon unzählige Dankeschöns abließ, zeigt mir dann doch deutlich, wie stark die Bande zwischen „Desert Rock“ im Allgemeinen und dem europäischen „heavy underground“ tatsächlich ist. Und es zeigt sich wieder einmal, dass Brant Bjork vielleicht DER Botschafter der in den 80er Jahren entsprungenen „Palm Desert Scene“ (zB Kyuss, Karma To Burn, Mondo Generator, Slo Burn, Fatso Jetson, etc. pp.) war, ist und wohl auch künftig bleiben wird. Keiner steht wie er für diese musikalische Bewegung, für diese künstlerische Kreativität.

Brant Bjork ist momentan wieder in Europa und wird unter anderem auch am 21. Oktober 2017 auf dem „Keep It Low“ im Feierwerk München auftreten. Macht euch ein Bild davon und schaut, respektive hört, ob ihr meinen geradezu überschwänglichen Worten folgen könnt. Es bleibt darüber hinaus allemal spannend zu beobachten, was dieser „Desert-King“ nach dieser Tour noch aushecken wird. Welche Ideen und Projekte er künftig für uns im Petto hat. Denn eins ist doch sicher: egal wie es weiter gehen wird, wenn es um „Desert Rock“ geht, wird dieser Brant Bjork auch weiterhin der Fels in der allzu „staubigen Wüstenbrandung“ sein. Niemand anderes spielt auf diesem Level, bringt diese genialen Soul- und Funk-Attitüden mit ein und verbindet den urwüchsigen, klassischen Sound mit frischen Ideen. 17 Jahre nach dem Beginn seiner eindrucksvollen Solokarriere ist es ihm gelungen mit „Europe ‘16“ genau diese neuerlich unter Beweis zu stellen…..(JensS)

Tracklist:

CD 1
01. Buddha Time (Everything Fine)
02. Controllers Destroyed
03. Humble Pie
04. Stackt
05. The Gree Heen
06. Lazy Bones / Automatic Fantastic
07. Stokely Up Now

CD2:
01. Dave’s War01.
02. Biker No. 2
03. Freaks Of Nature
04. Low Desert Punk
05. Let The Truth Be Known-Jumpin‘ Jack Flash

https://www.facebook.com/BrantBjorkOfficial/
http://www.brantbjork.net/

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Oktober 2017
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