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Thulsa Doom – A Keen Eye For the Obvious

(js) Thulsa Doom? Da war doch was? Genau, sogar verschiedenes. Zum einen die muskulöse Verfilmung des Robert E. Howard Epos‘ „Conan, der Barbar“ aus dem Jahre 1982 mit unserem Arnie in der Hauptrolle. Und jene Novelle sieht eben „Thulsa Doom“ als Anführer des sog. Schlangenkults und Widersacher Conans. Aber damit nicht genug Erinnerungen an diesen Namen. Bereits weiland Ende der 90er gründete sich eine fünfköpfige norwegische Band gleichen Namens, die nicht nur durch so lang wie witzige Albentitel aufwartete, sondern zudem auch mit sehr Kyuss affiner Musik. Ihre bis dato drei Alben erschienen zwischen den Jahren 2001 und 2005. Bass erstaunt war ich somit, als auf einmal deren neues Album ins wohlige Heim flatterte. Dazwischen gerade einmal schlappe 12 Jahre, in denen zumindest ich nichts, also wirklich überhaupt nichts, von den Jungs vernahm.

Was also haben sich die Fünf um Sänger Papa Doom (Jacob Krogvold) nun in der Zwischenzeit einfallen lassen? Immerhin ist die Besetzung die gleiche wie bereits 2003. Nebst Papa sind immer noch Doom Perignon (Henning Solvang – Guitar, Lead Vocals), El Doom (Ole Petter Andreassen – Guitar, Vocals), Angelov Doom (Egil Hegerberg – Bass, Keyboards, Vocals) sowie auch Fast Winston Doom (Halvor Winsnes – Drums) mit am Start. Soweit, so vielversprechend also.

Der Opener „Lady Nina“ bietet dann vor Allem Unmengen „Thin Lizzy“. Twin Leads, wunderbar eingängiges Riffing und Papa Doom als Beinahe-Reinkarnation von Phil Lynott. Wenn das der mit einigen „Sha-La-La-La-Las“ gewürzte Rock’n’Roll Mitte der 70er war, dann war er fantastisch. Und geht glatt als musikalische Huldigung von „Dublin’s Finest“ durch. Die Gitarrensignaturen von Gorham/Robertson sind unüberhörbar und überhaupt sprechen wir womöglich über einen der besten „Lizzy-Songs“ seit der „Black Rose“. Welch ein famoser Auftakt.

Weiter geht’s mit „Eloquent Profanity“. Wir begeben uns ein wenig in Richtung der eigentlichen Wurzeln der Band. Dem Stoner. Gepaart mit leisen Prog-Anleihen und einem neuerlichen Mitsing-Refrain. Melodiös und gleichermaßen saucool. Erstmalig in ihrer Bandhistorie bedient sich die Band hierbei einer Bläserbegleitung und zeigt somit deutlich, dass sie bereit ist, sich neuen musikalischen Vibes nicht kategorisch zu widersetzen Und es funktioniert großartig. „Kyuss“ aus Anfangstagen meets „Thin Lizzy“. „Wrap the Bad Up“ verbindet sanfte Gitarrenklänge mit einer überwältigenden Bass-Lastigkeit. Dabei klingt die Band leise, aber intensiv und ordentlich arschtretend zugleich.

„Shadows on the X-Rays“ trägt sicherlich das „Radio-Hit“-Gen in sich. Melodischer Hard Rock der 70er. Hier massig „Cheap Trick“, dort noch eine Prise „Bad Company“. Auch hier prahlen die Jungs einmal mehr mit ihren „Double Leads“ und Sänger Papa Doom tickt dazu beinahe ein wenig auf seine eigene Art und Weise. Hegbergs Jazz-Bassing verleiht dem Song eine noch coolere Note, wenn es dieser überhaupt noch bedarf. Abgerundet wird es durch ein exzellentes Gitarrensolo, so wie ich es mag: schnell, intensiv und lässig. Mit „Consider Me“ erreichen wir dann schon den letzten Track von Seite A. Auch hier bieten uns die beiden Sechsaiten-Protagonisten Andreassen und Solvang wieder eine melodiöse Schlacht, die ins Ohr geht und partout nicht wieder schwinden mag. Gut so!

Nachdem die Seite A eine fantastische 70s Classic und Hard Rock Party war, stellt sich dem Rezensenten die Frage, inwieweit das Quintett in der Lage ist, den Verfasser dieser Zeilen auch fortan bei solch großartiger Laune zu halten. Sie versuchen es mit Kartoffelstreifen, mit Pommes. Oder eben „Bag Of Fries“ eben. Ein eher monotoner Song mit gewagtem Keyboard-Einsatz und einer dargebotenen Intensität, die mich sofort an dunkelsten Post-Punk erinnert. Einzig Krogvolds Stimme reicht dann aber aus, um mich wieder in das altbekannte, und sehr geschätzte, „Thulsa Doom“-Universum zurückzuführen. Diesem weitestgehend melodiösen Rock’n’Roll. Jedoch so wundervoll unterwandert durch seine ab und an sperrigen Ecken und kantigen Riffs. Ein Stakkato-Riff, eine Bass, der nicht da ist, um Gefangene zu machen – so und nicht anders begrüßt uns „Quest for fire“. Hierbei handelt es sich wohl um den wildesten Song des Albums. Ein höllisches Tempo, welches uns bis zum Refrain und auch weit darüber hinaus begleitet. Eine tonal gewordene Party mit klasse Riffs, tollen Gitarrensoli und „last but not least“ einem mehrstimmigen Gesang wie ich ihn schon immer mochte. Die Band ist einfach in der Lage, „Laidback-Stimmung“ und „Coolness-Faktor“ so punktgenau zu verpaaren, dass in mir ein Musikerpotpourri aus Angus Young, Lemmy und Roger Whitaker entsteht. Was zum Glück exakt genauso schnell wieder schwindet, wie es in mir wuchs.

Der Übergang zu „Magazine“ ist vielleicht rein musikalisch einer der natürlichsten der Welt. Vom schnellen Rock’n’Roll hin zu einem lässigen Blues, während dessen die Band quasi komplett „stoner“ dreht. Auf diesem Album haben die Jungs sicherlich so viel mit „Pop-Up-Refrains‘“ gearbeitet wie auf noch keinem anderen. Und ich denke mir bei jedem Song neu „hey, schön, dass du wieder da bist, hab‘ dich vermisst.“ Der vorletzte Song, „In Italics and Bold“ handelt im Anschluss von einem altbekannten Problem der Menschheit. Dass viele sich eher mit der Form, als dem Inhalt von Worten auseinandersetzen. Rein musikalisch zeigt sich hier wieder ihre famose Intuition, nicht nur Text und Musik zu verquicken, sondern auch die vermeintlich kühle Seele eines Rockers dazu zu bringen, eingängig, bisweilen balladeske, Melodien zu schätzen und dabei auf einer Spielplatzwippe sitzend, sein wohltemperiertes, malz- und hefehaltiges Kaltgetränk zu verschlingen. „Hellyeah“ oder auch einfach nur „Mama, ich muss ma‘“.

Ehe man sich versieht, respektive verhört, ist man auch schon am Ende des Comebackalbums des norwegischen Quintetts angelangt. Bei „Baby, Hate It“ wird es noch einmal rasanter, rauer. Man erreicht fast schon metallische Werte, Riff basiert und vor Allem mit einer neuerlichen Hookline gesegnet, die jedem Glamrocker der 70er die Tränen ins Gesicht schießen lässt. Solltest du also demnächst mal auf eine Rock-Party gehen, nimm einfach dieses Lied mit. Und spiele es in Dauerrotation im Wiederholungsmodus ab. That’s motherfuckin‘ Rock’n’Roll, baby!

„A Keen For The Obvious“ ist die Rückkehr von „Thulsa Doom“. Die Band, die einst als gut gehütetes Geheimnis Norwegens galt, ist aufgrund der zeitlosen Qualitäten ihrer Alben zu einem nationalen Schatz geworden. So viele gute Jahre und irgendwann verschwand plötzlich der Leadsänger. Und dann, irgendwann, trommelte Bandleader El Doom aka Ole Petter Andreassen seine Jungs, die mit den Jahren in verschiedenste Projekte involviert waren, mit den Worten „Es ist Zeit, wieder gemeinsam zu spielen“ neuerlich zusammen. „A Keen Eye for the Objective“ ist in vielerlei Hinsicht vielleicht wohl ein natürlicher Nachfolger von „…And Then Take You To A Place Where Jars Are Kept’ “ aus dem Jahre 2003. Einem Album, in dem Stoner Rock seinen natürlichen Platz in einem klassischen Rock-Album fand . Hier gilt: zehn Songs, die dich nie im Stich lassen werden.

Wie können diese erfahrenen Musiker nun ihrem Vermächtnis gerecht werden? Nun, zuallererst erklangen „Thulsa Doom“ noch nie so jung wie heute; nur sind alle Musiker eben ein bisschen älter geworden. Aber dieser Sound von erfahrenen Musikern passt geradezu perfekt zu ihnen. Sänger Papa hat man wohl über die letzten Jahre mumifiziert in einer Pyramide erhalten und klingt besser denn je. Die Gitarrensoli sind zudem dauerhaft sackstark und druckvoll. Das Songwriting-Team ist einerseits abenteuerlustig, andererseits völlig verrückt. Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: diese göttlichen Refrains tun ihr Übriges. Es ist sicherlich äußerst ungewöhnlich, dass eine Band, eine Pause von mehr als zehn Jahren derart gut übersteht und ein musikalisches Comeback-Album präsentiert, welches so stark ist, dass es mich komplett umreißt.

Jungs von „Thulsa Doom“, es gibt von mir eine lässige 10/10 – aber nur unter dem Vorbehalt, dass ihr mich auch bald live auf deutschen Bühnen bespaßt. Rock on!Tracklist:

A1 Lady Nina 4:05
A2 Eloquent Profanity 5:12
A3 Wrap the Bad Up 5:09
A4 Shadows on the X-Rays 4:37
A5 Consider Me 3:23
B1 Bag of Fries 5:12
B2 Quest for Fire 3:02
B3 Magazine 3:43
B4 In Italics and Bold 4:32
B5 Baby, Hate It 5:47 32

https://www.facebook.com/thulsadoomnorway/
http://www.duplexrecords.no/band/thulsa-doom/

Filed under: Album Reviews, Classic Rock, Doom, Hardrock, Rock, Stoner, ,

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