rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

The Great Faults – Freak In / Freak Out

Post-Indierock aus Mülheim an der Ruhr

(ro) Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass der Mensch beim Nachausekommen gerne einen persönlichen Brief in seinem Postkasten vorfindet. Zum Beispiel einen aus Mülheim an der Ruhr.  Ein dicker, wattierter Umschlag, in dem sich ein neues Album zum Besprechen findet. Absender: „The Great Faults“.

Wie schön ist es doch, dieses auszupacken, sich in Ruhe die Covergestaltung anzuschauen, dann das Booklet herauszunehmen und ein wenig darin zu blättern. Und sich über die kleine Beigabe zu freuen, einen runden „Great Faults“- Anstecker, der sogleich einen Platz an der Pinwand findet. Um dann endlich die CD aus ihrem Plastikgehäuse zu lösen, in den Player zu legen und den ersten Tönen zu lauschen.

Und schnell wird hörbar, dass hier Jungs am Werk sind, die einerseits roh und direkt erscheinen, andererseits aber umsichtig und voller Charme, Authentizität und Groove.

Das hatte ich auch genau so erwartet, denn bereits im Jahr 2013 hatte ich die Freude und das große Vergnügen, hier bei uns über ihr Album „Coming Back Soon“ berichten zu dürfen.

„The Great Faults“, das sind Martin A. Kroll ( Songwriter, Gitarrist, Sänger) und Johannes W. Wagner ( Drums), die zu zweit alle hier vorliegenden Songs geschrieben, eingespielt und produziert haben.
Sicher, es gibt inzwischen viele Duos, die nur mit Gitarre und Schlagzeug arbeiten und sich z.B. die „White Stripes“ oder die „Black Keys“ zum Vorbild nehmen.
Aber ist das generell etwas, was eine Band gut oder besonders macht?
Nein, natürlich nicht.
Es sind ihre Songs.
Ganz klar.
Es ist ihr Sound, ihr organisches Gesamtbild und ihre Eigenständigkeit.
Genau das präsentieren die beiden Herren, nämlich einen herzerfrischenden Post-Indierock, der kreativ und garagig ist, mitunter bluesig oder temperamentgeladen schräg. Hier werden bewährte Zutaten zu etwas Neuem, Eigenem und Authentischem verwoben.
Irgendwelche konstruierten Effekte und gestelzte Künsteleien gibt es an keiner Stelle.
Und erst recht nicht die immer wieder gleiche Durchschnittskost für den Dudelfunk.
Das gefällt mir.
Und auch, dass das Gemeinschaftswerk der beiden Tüftler intelligent, vertrackt und auf eine verlangsamte Weise tanzbar ausgefallen ist.

Oh ja, „Freak In / Freeak Out“ ist ein Album voll bunter, phantasievoller Bilder, ausstaffiert durch einen straighten, rustikalen Sound.
Von Anfang bis Ende freut man sich über das überbordende Temperament, die Leidenschaft und jawohl, auch über den Schmackes, mit dem die Songs hier präsentiert werden!

Schon gleich der Opener „Freak In/Freak Out“ ist ein in sich geschlossener und lässig groovender Song, kantig und ruppig noch bis in die letzten Ausläufer.
Vermisst hier irgend jemand einen Bass? Oder eine zusätzliche Gitarre?
Ich glaube nicht.
Martin A. Kroll und Johannes W. Wagner sind weit davon entfernt, coole oder abgehobene Perfektionisten zu sein, nein, ihre Musik soll lebendig und überzeugend, nicht automatisiert und Pitch-perfekt sein.
Damit verstehen sie es, sogleich die Hörer auf ihre Seite zu ziehen, ihnen ihre eigenwillige Geschichten zu hackender Gitarre und treibendem Schlagwerk zu erzählen und sich im Prozess hierzu durchaus zu euphorischen Gefühlen hoch zu schrauben.

Auch der Song „Rewind“ kommt mit geringen Mitteln aus und entwickelt trotzdem eine unerwartete Intensität: Vor allem durch die leidenschaftliche, schlurfende Stimme des Martin A. Kroll.
Der junge Mann aus Mülheim an der Ruhr schafft es, dass diese Töne mitten ins Herz gehen. Fast moritatenhaft daherkommen und trotzdem trotziger, unangepasster Indierock sind, der mitreisst.
Wer könnte da nicht mitsingen? “ Do You Live forward / or live rewind / All You ever wanted / all you ever missed / all you ever-ever-ever…/ You`re in front of it.“

Genau so ist es, es geht auch ohne jegliche Fisimatenten. Es braucht nicht immer große Metaphern oder vertrackte Wortspiele, manchmal genügen einfache Dinge, ein schlichtes Kicken, ein Verbinden der Gegenteile oder ein Zügeln der Takte, um voll ins Schwarze treffen.
Denn wir brauchen keine überproduzierten, hochglanzpolierten Songs, keine Weichspülermusik und kein Retro-80er-Popgedöns.
Wir brauchen catchige irritierende Tracks wie diesen.

Wer nun also Appetit auf mehr bekommen hat und sich die kalten, trüben Februarabende mit einem garantiert die Ohren öffnenden Album verschönern möchte, der wird bei „“Freak In / Freak Out“ ganz bestimmt fündig.
(…Rosie..)

Und hier die Songliste:

1. Freak In Freak Out
2. How Do You Feel
3. Better
4. How Long
5. Rewind
6. I Could Explain
7. Now
8. Thinking Twice
9. Cold
10. I Promise

Wer die Jungs gern einmal live erleben möchte, kann dies z.B. bei folgenden Gelegenheiten tun: (Angaben ohne Gewähr, weitere Termine auf der website):

23.03.18 Gelsenkirchen, Wohnzimmer-Club
14.04.18 Solingen, Kultur Nacht Solingen
28.04.18 Berlin, Trickster
13.06.18 Dortmund, Rekorder
16.06.18 Hamburg, Freundlich&Kompetent
28.07.18 Burg Herzberg Festival
15.09.18 Hamburg, Mobile Blues Club
14.12.18 Münster, Paul Gerhardt Haus

Label: supermusic / Vertrieb: ALIVE
Fotos: Von der website/facebook der „Great Faults“

www.thegreatfaults.de
www.facebook.com/thegreatfaultsmusic

Filed under: Album Reviews, Indie, Postrock, , , , ,

Februar 2018
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728  

Link zu unserem You Tube Kanal

Suzi Quatro und Band am 19.10.18 in der Sparkassenarena Aurich

Keep It Low in München am 19. + 20.10.18

Samstag, 03.11.2018 / RED LIGHT FESTIVAL in Falkensee

Popa Chubby + Eric Gales im Metropool/hengelo/NL am 08.11.18

Leif de Leeuw Band im Culturpodium Vanslag in Borger/NL am 09.11.18

Walter Trout – Music Hall Worpswede am 21.11.18

Dome Of Rock Festival 2018 22. – 24.11.18 Salzburg/Rockhouse

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: