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Clutch – Book Of Bad Decisions

(js) Mit ihrem mittlerweile 12. Studioalbum sind die Jungs aus Maryland wieder am Start. Die 15 neuen Tracks wurden zumeist gemeinsam live im Studio eingespielt und sind erstmalig auf dem bandeigenen Label veröffentlicht worden. Technischen Support gab es von Country-Produzent Vance Powell (u.a Jack White, LeeAnn Rimes, Raconteurs, The Dead Weathers, Chris Stapleton) in dessen altehrwürdigen „Sputnik Sound“ Studios in Nashville das Album auch eingespielt wurde. Und – so viel vorab – schlechte Entscheidungen zumindest musikalischer Natur haben die Jungs um den charismatischen Frontmann Neil Fallon auf diesem Output wahrlich nicht getroffen.

Nachdem das Quartett sich vom puristischen Stoner-Rock ja schon vor einigen Jahren verabschiedet hat, scheint der Sound gefunden, der uns seit den Alben „Earth Rocker“ und „Psychic Warfare“ begleitet und der auf „Book Of Bad Decisions“ konsequent und gradlinig weiterverfolgt wird. Einmal mehr besticht dieser Sound durch eine derartige Tiefe, dass er sich fast zu widersetzen scheint, einfach nur durch unsere Lauscher einzudringen und sich direkt in unseren Gehirnen einzunisten. So einfach wollen es uns die Amis nicht machen. Es bedarf mehrerer Durchläufe, die nach jedem Mal immer intensiver zu werden scheinen und dazu führen, dass es sich die Songs in einer wohltemperierten Lounge deines Gehirns bequem machen und einfach nicht mehr schwinden wollen. Wie schön nur, dass auch mir dies einmal mehr zupass kommt. „Clutch“ entziehen sich erneut einem „kategorischen Musikativ“ und setzen sich schon aus diesem Grunde von Unmengen anderer Rockbands wohltuend ab.

„Gimme the Keys“ eröffnet mit einem ausgelassenen Live-Feeling, welches geradezu in verzerrte wie auch melodische Riffs eingewickelt wurde. Hier lässt sich schon früh erkennen, dass auf diesem Album mit einer Vielzahl an Effekten gearbeitet wurde, was jedoch dem Groove überhaupt keinen Abbruch tut. Das entspannt daherkommende „Spirit of ’76“ ist fast eine musikalische Reminiszenz an eben jenes Jahr und zugleich auch die 90s „Generator Rock Scene“. Und führt uns textlich zu Fallons musikalischen Anfängen. „Book Of Bad Decisions“ wird getragen von schlammig getönten Bass-Licks und einem gleichmäßigen Tempo-Groove. Und erinnert mich dabei sogar leise an „Rival Sons“.Durch eine ebenso perfekte Balance zwischen Tempo und Groove besticht „How to Shake Hands“: Fallon eröffnet uns hier in einer gewohnt satirischen Sichtweise auf die letzte US-Wahl, dass er Präsident sein wird und verspricht Jimi Hendrixs Konterfei auf der Zwanzig-Dollar-Note festzuhalten.

Schon hier spürt man, dass kaum ein Song die Handschrift eines anderen trägt. Und trotzdem stört es weder die Harmonie noch den Flow des gesamten Werkes. Es gibt mehr als ein halbes Jahrhundert musikalischer Einflüsse, von Kitchen Bluegrass (und Krabbenkuchenrezepten) in „Hot Bottom Feeder“ bis hin zum langsamen, fast schon epischen „Lorelei“, einem Song, den Josh Homme wahrscheinlich selbst gerne geschrieben hätte. Morastiger Stoner kommt in „A Good Fire” zum Vorschein, währenddessen „In Walks Barbarella“ von einer massiven Bläserfraktion, die uns den Motown-Sound anheim legen mag, getragen wird.

Vom klassischen Rock’n’Roll á lá Jerry Lee Lewis in „Vision Quest“ über den Uptempo-Rocker „Ghoul Wrangler“ bis hin zum von psychedelischen Einflüssen getragenen „Emily Dickinson“, welches von einem wunderschönen Gitarrensolo beschlossen wird, lassen „Clutch“ tatsächlich nichts unversucht, uns Abwechslung zu bieten. Ohne jedoch dabei auch nur einmal den musikalisch roten Faden zu verlieren. Wie eingangs schon erwähnt, erwarten die Jungs aus Maryland aber als Gegenleistung von uns, dass wir uns mit ihrem Album beschäftigen. „Clutch“ bieten keinen Sound zum „maldurchhören“, sondern wollen, dass wir mit jedem Durchlauf neue Akzente kennen- und bestenfalls schätzen lernen.

Wenn überhaupt mag man darüber diskutieren, ob 15 Lieder womöglich zu viele sind. Vielleicht wären zehn oder zwölf perfekt gewesen, um herausragende Tracks wie „In Walks Barbarella“ und „Lorelei“ noch unvergesslicher zu machen. Aber trotz und alledem ist „Book Of Bad Decisions“ ein weiteres großartiges Album im „Clutch“-Katalog, voll von einprägsamen Riffs und irrsinnigen Texten. Der fette, warme Sound und das rohe, in Teilen außer Kontrolle geratene, Spiel verleihen dem Album einen unbestreitbaren Charme. Man darf wohl zum Entschluss kommen, dass es „Clutch“ wirklich nicht vermasseln können. Sie wissen immer punktgenau, wo die Riffs einen Song zu tragen haben und wo sie sich instrumental vermischen sollten. Sie balancieren ihre Killer-Musikalität und auch den lyrischen Elan derart adäquat und verquicken es auf „Book Of Bad Decisions“ mit einer echten „Bar-Band“-Atmosphäre, dass es eine wahre Wonne ist. Bedingt durch Vance Powells lässige wie gleichermaßen akzentuierte und druckvolle Produktion klingt das neue Album ohnehin so live wie ein Studioalbum nur live klingen kann.

Hier sind längst keine Musiker mehr unterwegs, die der Welt beweisen müssen, was sie auf dem Kasten haben. Eher wird hier mit einem völligen Selbstverständnis und einem naturgegeben Selbstbewusstsein aufgespielt, dass man entweder vor Ehrfurcht erstarrt oder jegliche Angst verliert und „Book Of Bad Decisions“ genießen und abfeiern kann. Fans der Band werden eben diesen Ansatz genießen:

Tracklist:

01 Gimme The Keys
02 Spirit Og `76
03 Book Of Bad Decisions
04 How To Shake Hands
05 In Walks Barbarella
06 Vision Quest
07 Weird Times
08 Emily Dickinson
09 Sonic Counselor
10. A Good Fire
11. Ghoul Wrangler
12. H
13. Hot Bottom Feeder
14. Paper & Strife
15. Lorelei

Clutch – Tour 2018

02.12. Berlin, Astra
04.12. Köln, Live Music Hall
05.12. Frankfurt, Batschkapp
06.12. Hamburg, Docks
13.12. München, Backstage Werk
14.12. Stuttgart, Longhorn/LKA

https://www.facebook.com/Clutchband/?ref=br_rs
http://pro-rock.com/

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Keep It Low in München am 19. + 20.10.18

Samstag, 03.11.2018 / RED LIGHT FESTIVAL in Falkensee

Popa Chubby + Eric Gales im Metropool/hengelo/NL am 08.11.18

Leif de Leeuw Band im Culturpodium Vanslag in Borger/NL am 09.11.18

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