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Drive By Wire – Spellbound

(as) Die Voraussetzungen sind fast die gleichen wie zuvor: elf Songs, weiblicher Gesang im Brennpunkt, und stilistisch mit einem Bein im klassischen Hardrock der 1970er am Rand der Wüste aufgestellt – „Drive By Wire“ haben ein neues Label, tun aber den Teufel, sich musikalisch zu verbiegen. Stattdessen haben sich die Niederländer als Songwriter weiterentwickelt, so wie es sich für eine Band gehört, die nicht nur einen Sommer lang tanzen möchte.

„Spellbound“ verfügt über etwas mehr Power als der Vorgänger „The Whole Shebang“, doch gegen moderne Klangästhetik sperrt sich die Gruppe nach wie vor. Im Rahmen einer einmal mehr organisch dynamischen Produktion entfalten sich die facettenreicheren Tracks des Albums vollkommen, und so sorgfältig auf Stimmung gesetzt haben „Drive By Wire“ noch nie.

Schon „Where Have You Been“ berührt zwischen Elegie und lasziver Verruchtheit wie keine bisherige Komposition der Band, „Blood Red Moon“ strahlt leise Sehnsucht aus, und „Lifted Spirit“ ist kurz vor Schluss eine programmatisch epische Ballade, bei deren Hören sich je nach Gemütslage die Nackenhaare aufrichten. Vom Schrubben typischer Power-Chords scheinen „Drive By Wire“ auch zusehends abzukommen, und es ist eine Freude, die detailverliebte, aber immer noch ausgesprochen eingängige Gitarrenarbeit mitzuvollziehen.

Mit den hämmernden Proto-Metallern „Mammoth“ und „Devil‘s Food“ wird ein Stück weit Neuland betreten, und diesmal handelt es sich beim Titelstück um den für die Truppe scheinbar obligatorischen Doomer. Blues nimmt weiterhin nur eine Nebenrolle ein, schimmert aber heller als zuletzt, was man auf hinzugewonnene Reife oder aus Ruhe geschöpfte Weisheit zurückführen mag.

Doch werden wir nicht philosophisch, denn für diesen Sound braucht man keinen Studienabschluss in Geisteswissenschaften: Auf dem schmalen Grat zwischen Fortschritt und Tradition innerhalb etablierter Genre-Grenzen kann man kaum souveräner wandeln.

Argonauta
http://www.drivebywire.bandcamp.com
45:34

Glider
Where Have You Been
Mammoth
Apollo
Blood Red Moon
Superoverdrive
Van Plan
Lost Tribes
Devil’s Fool
Lifted Spirit
Spellbound

Andreas Schiffmann

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