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Botany Bay – Thanksgiver

(LW)Thanksgiver – der Titel steht im Raum. Es ist der Charakter des Albums. Das aktuelle Album von Botany Bay erzählt dem Hörer etwas, der wirklich zuhören möchte. Subtil und trotzdem deutlich in jedem Titel erkennbar, spiegelt sich das ausgewählte Thema der zweiköpfigen Band wieder. Bereits im Sommer 1995 gründete Multimusiker Stephan Kleinert Botany Bay und vollbringt mit diesem Album etwas Unglaubliches. Er lässt den Hörer selbst Künstler sein und stellt lediglich die Farbe zur Verfügung und den Ort, an dem die Staffelei aufgestellt werden kann.

Der melancholische Hauch des Albums lässt an eine Winterlandschaft denken. Friedlich, unberührt und schneebedeckte Bäume, die samtig weich die klare Umgebung zeichnen. Stephanie Mühr trägt die Farbe in ihrer Stimme. Rubinrot. Damit wird der Zuhörer ausgestattet und kann während der fünf Titel sein eigenes Bild der Erinnerungen seiner Geschichte zeichnen. Zarte Geigen- und Cellopassagen lassen wohl den Pinsel während des ersten Titels eher zart über die Leinwand streichen. Sehnsucht entsteht durch die dominante, volle Stimme der Frontsängerin, die bewusst im Spotlight steht und kraftvoll trägt. Die wenigen musikalischen Töne sind bedacht eingesetzt, um diese persönliche und intime Auseinandersetzung des Gründers mit dem Leben und der Vergänglichkeit dem Hörer nicht aufzudrängen; ihm aber Inspiration für eigene Farbtöne seiner Erinnerungen zu geben.

Der zweite Titel beeindruckt vor allem durch das geschickte Arrangement von Klavier und Stimme, in dem das Klavier tatsächlich nur die Stimme unterlegt und ein Instrument nicht wie im ersten Stück, als Gegenpart der Vocals eingesetzt wird. Die reduzierten Töne rufen große Wirkung hervor und erwecken eine Intensität, der man sich kaum entziehen kann.

Kurz wird der Hörkünstler durch ein rein instrumentales Arrangement allein gelassen und findet sich dabei in einem großen Klangzelt wieder. „Imago“, der Titel, ist nicht weit von der „Imagination“; über welche Landschaft sich dieser Klanghimmel größtenteils bestehend aus Klavier, Oboe und Horn, spannt, darf der Hörer selbst entwerfen.

Schließlich offenbart sich Botany Bay mit ihrem Leitgedanken am stärksten im vierten Song „Play“. Dort heißt es „Take the silence away and play“, es wirkt glaubhaft und ist authentisch umgesetzt.

Das Bild muss leider schließlich zu Ende gemalt werden. Zumindest vorerst. „Sun“ ist der letzte Titel des Albums und hilft dem Hörer, sich langsam aus dieser eigenartigen, beseelenden Welt in die es ihn unbemerkt entführt hat, wieder herauszulösen. Es fühlt sich an, als würde ein Kapitel zu Ende gelesen werden oder ein Buch zögerlich zugeklappt. „Es ist ok“ scheint die Botschaft zu sein, es ist ok, dass etwas zurückbleibt und man stattdessen irgendwas neues mitgenommen hat. Was dieses „ etwas und irgendwas“ ist, weiß man nicht. Doch man kann es vielleicht beim nächsten Mal an derselben Stelle entdecken, denn es ist ein musikalischer Ort, an den man durch mehrmaliges Hören gerne zurückkehrt.

Format: CD, Digital, Vinyl

VÖ: 06.10.2018

Aufgenommen: Suntrap, Bad Honnef.

Tracklist:

  • Winter Wolfpack Serenade

  • june

  • imago

  • play

  • sun

Line Up:

  • Stephan Kleinert – keyboards, bass, electric and acoustic guitars, melodica, windsynth, ocarina, drums, percussion, programming

  • Stefanie Mühr – Vocals

Teaser zum ersten Song des Albums: https://www.youtube.com/watch?v=_V1G1HY2Qyw

Web:

twitter: https://twitter.com/botanybaymusic

Webseite: http://thanksgiver.botanybay.cc

Bandcamp: https://botanybay.bandcamp.com/album/thanksgiver

Filed under: Folk, Rock,

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