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Simeon, 10.11.2018 im Domizil – Leonberg/ Stuttgart

(LW) Schon vor einer Weile schickte mir ein guter Kumpel den YouTube-Link von „Kopfsprung“ mit dem Kommentar „Hör dir die mal an, die sind echt nice“. ( Ja hey, so lauten halt meist unsere differenzierten Attribute heute; auch fast universell anwendbar, wobei eine Ausnahme mit Sicherheit die Frauenkomplimentierung ist…). Jedenfalls hab ich es mir daraufhin angehört und war völlig begeistert und überrascht, von dem, was mich dann erwartet hat. „Kopfsprung“ mag im ersten Moment so ein bisschen auf den Clueso-Kram schließen, deutscher Soft-Pop, bisschen sentimental und tiefgründig. Hier aber: Auf Keinsten!
Simeon hat zwar drei derselben Buchstaben im Namen, wie Clueso, das ist allerdings auch schon die größte Gemeinsamkeit. Gut, vielleicht auch noch die deutsche Sprache.
Was Simeon aber musikalisch einzigartig macht, ist diese Energie, die in den Jungs steckt und eine irgendwie stilvollere Umsetzung des Funk-Pops, dem Genre, dem sie sich am ehesten zuordnen würden.
Dass der Stuttgarter mit seiner Band aber noch viel mehr drauf hat, konnte ich dann relativ schnell selbst erleben. Angefixt von diesem einen Song, der auch schon bei Spotify platziert ist, bedurfte es keiner langen Überredungskunst, mich zum nächsten Auftritt mitzunehmen. Gut, zunächst brauchte es noch einen kleinen Moment, bis ich schaltete dass „Ey wir gehen am Samstag zu Simeon, kommst du mit?“ der Kopfsprung-Song-Typ war. Aber immerhin hat es so weit gereicht, dass die Erinnerung an die Musiker schon nach einem Titel und nur durch einen Titel geschaffen war!
Somit zogen wir los. Zur Leonberger Partynacht. Und was uns dort erwartete, war ein absolutes Highlight, nein sogar ein dreifaches Highlight. Denn: An diesem Abend hatte Simeon drei Auftritte im Gewölbekeller und wir blieben als unabhängige Fans zu allen drei Shows.
Ja, richtig, Shows. Simeon performt nicht einfache, klassische Auftritte; sie liefern richtige Shows. Ein Eintritt zahlen und 17 Locations besuchen… lächerlich..das war uns egal. Domizil reichte für Megastimmung.
Erstmal lief deutscher Pop als Hintergrundmusik, von dem ich später erst erfuhr, dass selbst die Musik vor und zwischen den einzelnen Auftritten von Simeon, Frontmann und Gründer der Band, ausgesucht wird (als Teil der Show).
Dann, etwa gegen 21 Uhr, marschierten drei gleichgekleidete Männer nach vorne, die mit Stolz ihr Logo auf der Brust trugen. Die Fliege auf dem Muskelshirt war wahlweise im Tiger-, Leoparden- und Gepardenmuster designed. Dazu Jeans und weiße, hohe Sneakers. Zwischenzeitlich wurde auch die Sonnenbrille ausgepackt. Von Anfang an war dieser Anblick einfach sehr sympathisch.
Dem setzten sie dann noch eins drauf, als sie begannen zu spielen. So, wie es einer Show gebührend ist, begannen sie mit einem Intro. Direkter Einbezug des Publikums und direkte Nähe. Das Gefühl entstand nicht nur, aufgrund des begrenzten Platzes, sondern schlichtweg wegen der Authentizität, die die Jungs ausstrahlten. Gestik und Mimik absolut präsent. Georg Lange, der Mann an der Trompete unterstützte Simeon zu seinen Texten stets mit den passenden Gesichtsausdrücken, Kopfbewegungen und stummen Lippenbewegungen. Seine vielen Soloparts rissen uns komplett mit und zeigten, dass er ein Musiker ist, der sich nicht mehr auf Anfänger-Niveau bewegt.
Benni und Georg unterstützten sich gegenseitig bei der Choreografie, die sie für jeden Song einstudiert hatten und welche mein persönliches Highlight war. Was wir damals ein halbes Jahr lang in der Schule im Aerobic-Kurs als V-Step gelernt hatten, war ein absoluter Witz dagegen…
Rüdi als Drummer ziemlich entspannt im Hintergrund, aber immer absolut perfekt den Einsatz gegeben und steckte total in den Songs. Und auch Benni forderte unsere Unterstützung bei dem Song „Fick dich“ sehr fleißig. Wir sollten ihm den Mittelfinger entgegenstrecken. Nicht, dass er ein Mensch mit Aggressionen wäre, er klärte uns vorab kurz über den Hintergrund des Songs auf (viele, respektlose Sachen, die man sich auf Anfragen als Antwort um die Ohren hauen lassen muss) und nun eine Botschaft zurücksenden wollte. Er bekam unsere Mittelfinger und das Foto für Instagram gleich dazu.
Auch manch anderer Titel, wie z.B. „So dumm“ oder „Killerkönigin“ klangen im ersten Moment etwas provokativ, aber all die Songs wurden mit einem Augenzwinkern geschrieben und haben ihren Hintergrund. Wenn man genau hingehört hat, konnte man auch viel mehr Instrumente raushören, als da Musiker nach Adam Riese auf der Bühne standen. Auch dies ist wieder ein Werk von Benni, der die einzelnen Tonspuren so abspielen kann, dass die fehlenden Instrumente durch die Aufnahmen ergänzt werden.
Und in meinen Augen ist das auch der Faktor, der Simeon von vielen Live-Performances abhebt. Diese Authentizität, permanente Freude, leichte Zurückhaltung und das Verbinden so vieler witziger, kleiner Details zum professionellen Gesamtbild machen dieses Show-Erlebnis absolut sehenswert.
Nicht zu vergessen die Möglichkeit, sein Geld am Merchandise-Stand sinnvoll zu investieren. Da wären nicht nur Mützen mit Leopardenmuster in Fliegenform drauf zu shoppen, sondern auch deren Album „Hello“ oder ein Fan- Muskelshirt. Wie ich später auf ihrer Homepage (www.simeonmusic.com) gesehen habe, ist diese Kollektion selbstverständlich auch jederzeit erweiterbar. Wer dazu noch etwas mehr Überzeugung braucht, sollte einfach zur nächsten Show gehen. Kopfsprung – und los, sage ich euch, Leute!….(leonie)

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Clostridium Labelnight Vol.1 in der Pauluskirche Dortmund am 13.04.19

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