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Slovo Mira – Black Fjord And The End Of The World

(as) Drei Stücke, jeweils über 23 und mehr oder weniger zwölf Minuten lang … Wer zu Tonzonen-Tonträgern greift, erwartet keinen mundgerecht zugeschnittenen Pop, doch was dieses russische Kollektiv musikalisch entwirft, gehört zur schwersten Kost, die uns das Label in jüngerer Zeit aufgetischt hat.

Die Protagonisten sind indes keine Unbekannten, sondern Veteranen der russischen Psychedelic- bzw. Prog Szene und u.a. Mitglieder von The Grand Astoria oder Kshettra aus dem Nimbus der Plattenfirma R.A.I.G., wo diese erste Kollaboration ebenfalls durchaus hätte erscheinen können.

„Black Fjord And The End Of The World“ lässt tatsächlich in gewisser Weise glaziale Landschaften vor dem geistigen Auge vorbeiziehen. Begonnen wird im ersten und längsten Track, der aus drei Teilen besteht, („Towards The Northern Island“ ist der erste) zwar mit industriellem Lärm, Gluckern und anderen undefinierbaren Geräuschen, doch für entsprechende visuelle Assoziationen braucht man im Grunde keine allzu blumige Fantasie.

Im Hintergrund taucht bald eine Balalaika auf, dazu kurzzeitig Sprachfetzen und ein schmatzender Synthesizer. Auf einmal wird‘s funky, ein halb elektronisches Rhythmusfundament schafft Struktur, und dazu erklingt eine jazzige Gitarre. Hiermit dürften wir bei „ Multicoloured Flow“ angekommen sein, in dessen weiterem Verlauf hintergründige Basstöne das Klangbild verdichten. Die Band spielt sich buchstäblich in einen Rausch, ehe sie das Tempo recht drastisch herausnimmt und das Stück eine Zeitlang getragen fließen lässt. Dass dieser letzte Teil – „Glide To Fate“ vermutlich ab der Drosslung – Vergleiche mit experimentellen Pink Floyd heraufbeschwört, ist vermutlich Absicht.

Gut so, denn bei ansonsten so wenig vertrauten Sounds braucht der Hörer hier und dort einen Ankerpunkt zum Festhalten. Schließlich arbeiten „Slovo Mira“ auch in den beiden darauffolgenden Suiten mit diesen Gestaltungsmitteln, wobei das Klangbild mal wuchtiger, mal reduzierter ausfällt. Obwohl diese Semi-Musik teils in Moskau und teils in St. Petersburg aufgenommen wurde, vermittelt sie erstaunlicherweise nicht den Eindruck eines akustischen Patchworks, sondern lässt sich als Mitschnitt ausgedehnter Improvisationen zu bestimmten Motiven bzw. Themen verstehen.

Den ungezügelten, aber letztlich doch einigermaßen methodischen Jams zuzuhören und die verschiedenen Klangquellen auseinanderzuhalten bereitet vor allem unterm Kopfhörer Freude, auch wenn am Ende nichts hängenbleibt. Versucht es selbst mit einer von 300 LPs in transparentem Vinyl oder einer Digipak-CD, deren Exemplare auf 500 limitiert sind. Falls Tonzonen das Ding ausverkaufen, gibt es verblüffend viele Fans dieser musikalischen Art des russischen Retrofuturismus.

Tonzonen/H‘Art

http://www.tonzonen.de

47:34

Towards The Northern Island / Multicoloured Flow / Glide To Fate

Black Fjord And The End Of The World

The New Land

14.12.

Alexander Worontzow (b, perc)

Nick Samarin (keys, b, Theremin)

Kamille Scharapodinow (g, keys, perc)

Viktor Tichonow (d, perc, keys, v)

George Nefedow (g, v, perc)

 

Andreas Schiffmann

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