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Massive Wagons – Full Nelson

(js) In der Heimat des britischen Quintetts, dem Nordwesten Englands, müsste man wohl schon buchstäblich unter einem Felsen leben, um ihren Namen und ihren guten Ruf als formidabler Live-Act bis dato nicht gehört zu haben. Die Jungs von „Massive Wagons“ spielen „Old School Rock“ mit einer absolut ansteckenden Energie und einem kaum zu überhörenden Enthusiasmus. Man kann sie musikalisch kaum in enge Zäune stecken. Sie spielen mal „80er Sleaze“, aber auch „Boogie“, klingen bisweilen „fun-punkig“ und dann auch wieder klassisch rockig. Gewürzt mit Prisen von „Nazareth“ und „Status Quo“ bietet sich mir ein nie langweiliges und stets kraftvolles musikalisches Potpourri. All das führte sicherlich auch dazu, dass sie dieses vierte Album endlich auch erstmals über ein Major Label veröffentlichen konnten.

Mit „Full Nelson“ machen die Jungs einen weiteren konsequenten Schritt nach vorne. Bezogen auf das Songwriting und auch die Energie in ihren Liedern. Das Album ist eine entzückende Achterbahnfahrt, die sich vom arschtretenden Hard Rock von „Under No Illusion“ über den Pop-Punk von „China Plates“ bis hin zum melancholischen „Ballad of Verdun Hayes“ entfalten kann. „Full Nelson“ wirkt reifer, ohne dabei aber an Lebenslust zu verlieren. Zurecht ließ sich dies schon früh an den aktuellen „Streamingrates“ der Band ablesen.

Wir starten mit „Under No Illusion“ – und was für ein Anfang es ist. „We’re singing to you, sing it back to me” fordert Frontmann Baz Mills uns auf. Im Grunde ist dies auch schon alles, was ich während dieses Eröffnungsrockers tun möchte. So und nicht anders setzt man einen beeindruckenden Marker für den Rest eines Albums. „China Plates“ folgt, es ist eine verdammte Anklage gegen Facebook & Co., die aber auf intelligente Art und Weise daher kommt. Und es rockt. Dies ist nebenbei auch der erste Track, bei dem ich aus Mills‘ Organ eine Ähnlichkeit zu Dexter Holland („The Offspring“) herauszuhören meine. Well done, guys.

Es folgt „Billy Balloon Head“, welches sich mit Rassismus und allgemeiner Intoleranz in der heutigen Gesellschaft befasst. Anscheinend ist ein „Billy Ballon Head“, aus der Gegend aus der die Band stammt, ein Typ, der nicht sehr nett, kaum tolerant, wenig aufgeschlossen daher kommt und an Intelligenz erheblich missen lässt. Ich bin mir sicher, dass wir alle jemanden kennen. Es klingt vielleicht so,als wäre „Full Nelson“ etwas tiefgründiger als seine Vorgänger. Und ja, ist es auch. Die Art und Weise aber wie diese Sozialkritik in Musik gefasst wird, ist kraftvoll und heavy. „Sunshine Smile“ klingt beinahe wie „Mötley Crüe“, ein etwas schlüpfriger Rocksong mit einem coolen Chorus

Bei „Northern Boy“ nimmt man den Fuß ein wenig vom Gas. Und obwohl es keine Ballade ist, birgt es deren typischen Bestandteile in sich. Einen gemächlichen Rhythmus, melancholische Texte und eine fast schon emotional anmutendes Gitarrenspiel. Insbesondere das Solo ist ein Highlight in diesem Song, welcher das Leben in einer Arbeiterfamilie aus dem Norden Englands thematisiert. Das folgende „Robot (Trust in Me)“ weicht wiederholt von der Norm ab. Und da wären wir dann noch einmal bei den von mir bereits zitierten „The Offspring“. Dieser Track erinnert auch musikalischen an deren Smash-Tage. Punkig, leicht aggressiv und recht bedrohlich wirkend.

Zurück zu klassischem Rock für „Back to the Stack“ als Hommage der Band an den verstorbenen Rick Parfitt. Der gesamte Track wird durch das klassische „Caroline“ -Riff untermauert und den Granden von „Status Quo“ durchgehend Tribut gezollt. Ich liebe diesen Song. „Hate Me“ ist eine mittelschwere Rockerin, beliebig eingängig, aber trotzdem mit einer Menge Pfeilen im Köcher versehen. Was all diese bisherigen Songs gemeinsam haben, das kann man schon hier erkennen, ist die Fähigkeit, dich dazu zu bringen, mitzumachen und Teil dessen zu sein! Jedes Lied, das die Textpassage „Christus on a bike“ enthält, erhält ohnehin schon mal meine Stimme und „Last on the List“ macht exakt das. Dieser Song wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Publikumsliebling auf kommenden Gigs, der das Publikum mitgehen lassen wird. Tolle Riffs gibt es zuhauf und einen eingängigen Refrain – was will man mehr?

„Ballade of Verdun Hayes“ erinnert mich an die „Kaiser Chiefs“, aber das Lied selbst ist ein faszinierender Blick auf unser Leben, welches nicht selten durch Regeln eingeschränkt wird. Und feiert vor Allem das, was erreicht werden kann, wenn man doch tut, was man will. Und dafür steht Verdun Hayes perfekt Pate. Der Mann, D-Day-Veteran seines Zeichens, der im stolzen Alter von 101 Jahren noch einen Fallschirmsprung absolvierte und somit die bis heute älteste Person ist, die einen solchen freien Fall aus höchster Höhe wagte. Hardrockige Musik samt wahrhaftiger Botschaft. Die beiden letzten Songs stammen noch vom Vorgängeralbum „Welcome To The World“ und kommen nunmehr neu eingespielt daher. „Ratio“ ist eine weitere Aufforderung, mitzusingen, zu grooven und die Airgitarre nach allen Regeln der Kunst zu malträtieren. Der finale Song „Tokyo“ ist eine sehr gitarrenlastige Hommage der Band an ihre Fans.

„Britsh Rock is alive and well“. So ließe sich dieses Album prima zusammenfassen. „Massive Wagons“ überzeugen mich mit ihrer faszinierenden Mixtur aus Leichtigkeit, Intensität und Lebensfreude. Sie haben sich selbst auf die Fahnen geschrieben, die erste Band aus Lancaster zu werden, die die Top 10 der britischen Charts erklimmen kann. Das wünsche ich ihnen von ganzem Herzen. Und um abschließend noch einmal auf den letzten Albumtrack zurückzukommen, würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und ein „Tokio statt Todmore“ in die Welt hinaus posaunen. Denn dort sollten sie spielen und nicht ausschließlich in der englischen Provinz. Also leiht den Jungs zumindest ein Ohr oder gar beide, sie haben es sich redlich verdient….(JensS)

„And finally buy it, rock it!“

Tracklist:

01. Under No Illusion
02. China Plates
03. Billy Balloon Head
04. Sunshine Smile
05. Northern Boy
06. Robot (Trust in Me)
07. Back to the Stack
08. Hate Me
09. Last on the List
10. Ballad of Verdun Hayes
11. Ratio
12. Tokyo


https://www.massivewagons.com/ /
https://www.facebook.com/MassiveWagons/

Filed under: Album Reviews, Classic Rock, Hardrock, Rock,

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