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Black Lung – Ancients

(yv) Diese unglaubliche Drei-Mann-Combo aus Baltimore mit unverwechselbarem Sound, schier unerschöpflicher Energie und unerhörtem Charisma: sie haben es wieder getan und erfreuen die zu Recht stetig wachsende Schar der Schwarzlungen-Adepten mit einem neuen Studio-Werk.

„Ancients“ ist die Fortsetzung und Weiterentwicklung ihres bisherigen Schaffens und man spürt förmlich, wie die drei weiter zusammengewachsen sind und mit den Einflüssen aus allen Richtungen ein ganz eigenes, kraftstrotzendes, urtümliches Süppchen im modernen Gewand kochen. Stilistische Genre-Schubladen durchqueren und durchschneiden wir im Galopp und lassen uns erst gar nicht auf dieses Spiel ein.

Mahlzeit allerseits, was ein Fest!

Mother of the Sun

Bluesiger Doom, doomiger Bluesrock, Bloom, Dues? Keine Ahnung, ist auch völlig Wurscht, weil geil und hart und laut. Bäääm! Was gleich ein wenig überrascht ist die Klarheit im Gesang, kennt man doch von Black Lung ein oftmals verzerrtes Stimmbild, gerade wie durch Ururopas Grammophon gequetscht, so hört man hier erfreulicherweise Dave Cavaliers einzigartige, gefühlsbeladene, ausdrucksvolle Vokalkunst mal ganz ohne Brimborium. Eine Stimme, die man unter Tausenden sofort wiedererkennt. Prima Einstieg!

Ancients

Ein Atemzug, einen Gang höher schalten und weiter geht’s, angetrieben von Elias Schutzmann an den Drums, eine schöne, flotte Nummer, ich seh‘ schon vor dem inneren Auge viele Köpfe, Mähnen und Bärte im Takte vor der Bühne herumwuscheln. Rock’n’Roll mit gerade so aus tiefster Seele herausgeschleudertem schmerzerfüllt-wütendem Gesangspart. Genial. Meine Couch muss gerade mal wieder leiden – still dasitzen, wie geht das noch gleich?

The Seeker

Aha, die Herren um Osborne, Iommi & Co. hinterließen bei dem Trio aus Baltimore offensichtlich wie bei so vielen anderen tiefe Eindrücke, ein Stück wie von einer der frühen Sabbath-Scheiben, jedoch kein Stück abgekupfert, sondern sehr eigen, authentisch und frisch von der Leber weg.

Voices

Dengeldengelwummerwummer, da isser, der „Besucherbass“ (normalerweise nicht in der Band vertreten, hier von Produzent J.Robbins dargeboten), Kontinuität in ähnlichem Kontext, nur eine Spur bluesiger, fetter, dichter als beim vorigen Track, tiefes Brummen wabert durch den Hintergrund und legt einen balsamischen Teppich unter das restliche Instrumentarium, glasklare Drums peitschen das Ohr, scharfe Gitarren schneiden die rauchige Luft in Würfel und dann dieser irre, fast schon ätherisch abgehobene Gesang. Wahnsinn, was ein Stück. Voices, nee, DIESE Stimme. Mmmh.

Gone

Gone, ja, wer ging wohin? Eigentlich egal, aber es muss mit ziemlich viel Ärger im Bauch gewesen sein, oder der/diejenige hinterließ genau diesen. Tiefes Großkatzenknurren vom Bass zieht sich wieder wie ein roter Faden durch das Stück, Wut, Enttäuschung und vielleicht auch verletzter Stolz finden ihren Ausdruck in einer grollenden Nummer – der dunkle, raue, verbiesterte Seelenzustand, der sich nach dem Herzschmerz-Part einer Trennung gerne mal einstellt.

Badlands

Schroff und sonnengequält, trocken, einsam und scheinbar endlos, mit Sand zwischen den Zähnen so werden uns die „Badlands“ hier präsentiert, mit einem Unterschied jedoch: karg ist diese Musik auf keinen Fall. Nein, diesen Badlands wohnt ihre eigene, zähe Kraft aus wörtlich „Rock“ inne.

Und auf einmal prasselt und donnert förmlich die Geröll-Lawine den steilen Abhang hinab, um dann am Fuß der Klippen in einer verzerrten Staubwolke aus Gitarrenklang und Drumgewitter aufzugehen und zu verschwinden.

Vultures

Das hier scheint eine melodiösere Nummer zu werden. Fast schon träumerisch, oh wie wunderbar. Vultures – Geier. Ja, die ziehen da tatsächlich im Kopf ihre Kreisbahnen und Adam Bufanos zauberhafte Saitenschnörkel lassen uns ein Stück mitfliegen. Mann, was eine Fülle, die wieder mal nur drei Mann bewerkstelligen können. Ich komme nicht umhin, genau jetzt einen Vergleich zu den von mir hochverehrten und heißgeliebten Motorpsycho einzuwerfen. Auch wenn stilistisch und von der Entwicklung her jeweils klar unterschiedlich, vermögen aber auch Black Lung genau das zu tun, was ich an besagten Norwegern so liebe: Meisterliche Landschaftsmalerei in Sound und Gesang im Wechsel und/oder Einklang mit brachialem Einsatz von allem und jedem, was/der da so im Studio rumsteht.

Hatte ich schon erwähnt, dass diese Stimme einfach nur genial ist…?

Dead Man Blues

…dann trugen sie schon das Album zu Grabe. Upsi, so kurzweilig können Alben sein.

Wir schließen den Kreis, der Blues kehrt zurück, die Gitarre wie aus einem Italo-Western, schwarz gewandete Trauerprozession im tiefen Süden mit Moshpit-Einlage oder sowas in der Art.

Es ärgert mich vehement, dass ich zu den Tourdaten in erreichbarer Nähe nicht zugegen sein kann, jeder einzelne Auftritt, dessen Zeuge ich sein durfte war bisher für mich ein hohes Fest mit Schweißbadegarantie und in die Visage gezimmertem Grinsen im Nachgang.

Seid doch bitte alle so gut und vertretet mich, wo auch immer sich euch die Gelegenheit dafür bietet. Die entsprechenden Daten findet ihr ein Stück weiter unten….(yvonne)

Black Lung, das sind

Adam Bufano – Guitar

Dave Cavalier – Guitar, Vox

Elias Schutzmann – Drums

Wunderbare Tonträger gibt’s hier – kaufet zu Hauf…

https://www.noisolution.de/shop/advanced_search_result.php?keywords=ancients

Schon mal in „Gone“ reingucken und reinhören kann man hier:

https://www.youtube.com/watch?v=CyW3J3f_Z8Q

Und nachhaltige Live-Erlebnisse kann man an diesen Daten/Orten einsammeln:

27.03.2019 – DE Hamburg, Logo
28.03.2019 – DE Kiel, Schaubude
29.03.2019 – DE Berlin, Supamolly
30.03.2019 – DE Münster, Alterna Sounds Festival
02.04.2019 – DE München, Backstage
03.04.2019 – CH Winterthur, Albani
04.04.2019 – AT Innsbruck, P.M.K
05.04.2019 – AT Ebensee, Kino Ebensee
06.04.2019 – DE Ulm, Kradhalle
08.04.2019 – DE Tübingen, Münzgasse
09.04.2019 – DE Köln, Sonic Ballroom
10.04.2019 – DE Trier, Lucky’s Luke
11.04.2019 – NL Vlaardingen, De Kroepoekfabriek
12.04.2019 – FR Paris, Glatzart
13.04.2019 – DE Karlsruhe, Alte Hackerei
15.04.2019 – DE Jena, Kulturbahnhof
16.04.2019 – DE Dresden, Ostpol
17.04.2019 – DE Nürnberg, Z-Bau
18.04.2019 – DE Darmstadt, Centralstation
19.04.2019 – DE Ilmenau, Baracke
20.04.2019 – DE Lübeck, Treibsand

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