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White Noise Generator – Dead Leaves

(as) Und der nächste Einstand eines hoffnungsvollen deutschen Newcomers aus dem Bereich Vintage (Prog) Rock – „White Noise Generator“schälen sich insbesondere dank einer einfach tollen Gesangsperformance mühelos aus dem Gewimmel der überlaufenen Szene heraus, denn bei allem Einfallsreichtum auf instrumentaler Ebene können Superlative welcher Art auch immer irgendwann nicht mehr überboten werden, woraufhin man auf den emotionalen Gehalt von Musik zurückgeworfen wird.

Und der ist auf „Dead Leaves“ beachtenswert. Die vier enthaltenen Longtracks basieren auf dem Prinzip heavy Riffs und konträr dazu leichtfüßige Passagen zu verbinden, in denen kein verzerrtes Akkordspiel, sondern schwerelose Melodien in den Fokus rücken. Die Einflüsse von „White Noise Generator“ lassen sich unterdessen relativ eindeutig im Grunge und Stoner Rock der frühen bis mittleren 1990er ausmachen.

Die Mitglieder erzählen auch dann Geschichten, wenn Organist Martin Frank nicht gerade singt; strenggenommen machen die ausladenden Instrumentalparts aber eben nicht den Hauptreiz von „Dead Leaves“ aus, auch wenn er sein Tasteninstrument auf farbenfrohe Weise handhabt. Insoweit, als er augenscheinlich ein gutes Ohr und Feeling für Dynamik hat, ergab es unterdessen eine Menge Sinn, dass er die Platte auch produzierte, ehe Mix und Mastering Außenstehenden anvertraut wurden.

Schon das eröffnende „White Noise“ gleicht mit seinem unvorhersehbaren Spannungsbogen einer Machtdemonstration, was unverbrauchtes Songwriting angeht. Frank singt und schreit dabei scheinbar um sein Leben, während Gitarrist Vincent Vetter ein beseeltes Lick nach dem anderen einstreut, bevor die beiden „No Hope“ zum treibenden Hit der Platte machen, der lautstark brummend und zischend in den Bauch geht und das Herz erwärmt.

Im mit achteinhalb Minuten kürzesten Stück dieses Debüts gewinnt man den Eindruck „White Noise Generator“ würden sich zu stark auf die Wirkung bloßer Fuzz-Riff-Gewalt verlassen, doch der zwischen Euphorie und Verzweiflung schwankende Refrain entschädigt dafür. Die Band taucht den Hörer schließlich noch länger in ein solches Wechselbad, denn das Titelstück verläuft nach dem mehr oder weniger gleichen Prinzip.

So mitreißend das Ganze schon jetzt ist: Man darf sicher davon ausgehen, dass sich das Quartett auf dem nächsten Album selbst übertrifft; von dieser Eigenproduktion ohnegleichen gibt‘s im Übrigen auch eine LP-Version, mit deren Kauf man die Band unbedingt unterstützen sollte. Große Labels, worauf wartet ihr noch?

Pink Tank Records

whitenoisegeneratorband.bandcamp.com

White Noise

No Hope

Sometimes

Dead Leaves

Andreas Schiffmann

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