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Colosseum – Live At The Piper Club, Rome, Italy 1971

(as) Auf diesem „Colosseum“-Mitschnitt erkennt man, wie sich Chris Farlowe seinerzeit endgültig als Frontmann der Gruppe durchsetzte, wovon übrigens auch die ausführlichen Liner-Notes im Booklet des wie immer bei Repertoire Records schmuckvollen Digipaks zeugen. Unabhängig davon sollten Interessenten aber Obacht walten lassen, denn die Klangqualität von „Live At The Piper Club, Rome, Italy 1971“ rangiert nicht über jener eines besseren Bootlegs.

Die hohe Spielkultur der Gruppe kommt nichtsdestoweniger genauso anschaulich herüber wie die Atmosphäre im Club, vom schieren Umfang des gebotenen Materials (über 70 Minuten) ganz zu schweigen. Ungeachtet des etwas dumpfen Sounds entdeckt man hier einige besonders packende Momente, wenn es darum geht, intuitive Interaktion zwischen musikalischen Assen zu bestimmen.

Wie gesagt schindet aber auch der Sänger Eindruck: Farlowe schmachtet im Blues-Register, raunt jazzig und hält an genau den richtigen Stellen den Schnabel – Stichwort „The Time Machine“ mit seinem traditionsgemäßen Schlagzeugsolo von Mitbegründer Jon Hiseman. Clem Clempson reicht unterdessen einige seiner ruppigsten Gitarrenlinien bzw. -Riffs ein und lässt die Bezeichnung „Hardrock“ für die Gesamtperformance somit definitiv zutreffend erscheinen.

Dass „Colosseum“ ausgefuchste Songwriter waren, tritt in diesem Zusammenhang in den Hintergrund; wer sich hingegen die Mühe macht, auf das spontane und sprichwörtlich blinde Zusammenspiel der Musiker zu achten (Kopfhörer auf!) verbringt eine spannende Zeit mit der Scheibe. Am Ende bleibt im Grunde genommen nur die Frage offen, was alles aus der Band hätte werden können, wenn sie nicht viel zu früh „implodiert“ wäre.

Zu viel Talent? Egomanie? Die beigefügten Kommentare von Fachmann Chris Welch und Auszüge aus Gesprächen mit den Protagonisten geben zumindest bis zu einem gewissen Grad Aufschluss …

https://www.repertoirerecords.com

Repertoire Records

Rope Ladder To The Moon

Skellington

Tanglewood ’63

The Time Machine

Andreas Schiffmann

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