rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Moop – Ostara

(as) „Ostara“ ist kaum 30 Minuten lang und dennoch Vollwertkost, ja nachgerade anstrengend: Immerhin spielen „Moop“, wie sie selbst sagen, „Brutal Jazz“, und der ist eben keine Kaffeefahrt, sondern an der Schnittstelle zu härterer Rockmusik nichts weniger als finster, phasenweise sogar haarsträubend.

Das dafür verantwortliche Trio steht mit seinem Sound exemplarisch für den wagemutigen Geist der zeitgenössischen Musikszene Frankreichs, wo Avantgarde im Verbund mit gegenwartsrelevant kompakten Songstrukturen dieser Tage vor allem in Paris, aber anscheinend auch Poitiers hoch im Kurs steht. Dorther kommt die Gruppe um Baritonsaxofonist William Brandy nämlich, der auf „Ostara“ gemeinsam mit Gitarrist Julien Coupet die Fäden zieht.

Drummer Erwin Toul hat häufiger komplett Sendepause, wenn sich die beiden Hauptprotagonisten etwa im elfminütigen Einstieg „Manlayl – Half Completed / Half Started“ (zum Titel: müsste man nicht zuerst beginnen, ehe man etwas vollendet?) gegenseitig Drones zuwerfen. Ein rhythmisches Highlight markiert erst das darauffolgende „#eule“, wobei „Moop“ dann auch gleich die schroffsten, lautesten Ausschläge verzeichnen.

Nichtsdestoweniger fällt „Ostara“ etwas gediegener als sein vor vier Jahren erschienener unbetitelter Vorgänger aus. Das Material wirkt durchdachter, auch wenn es wieder vorwiegend aus dem Stegreif ersonnen wurde, wie man deutlich hören kann, wobei das Titelstück vermutlich nicht umsonst den Plattennamen und das Cover inspiriert hat: „Ostara“ schraubt sich für die Verhältnisse der Band relativ geordnet hoch, wobei sich Brandy sogar zu halbwegs fließenden Melodien hinreißen lässt.

„Papatte Douce“ ist am Ende die eigentliche Überraschung – motivisch klar ausgearbeitet, wobei man sogar mit dem Groove nicken oder die Füße aufstampfen kann … ein „Song“ im fast herkömmlichen Sinn und der gelungene Abschluss eines bis zuletzt spannenden Ausnahmealbums für Nicht-Zartbesaitete. Freunde von Etienne Pelosoff, falls den jemand kennen sollte, dürfen sich davon im Besonderen angesprochen fühlen.

Andreas Schiffmann

Tonzonen

Manlayl – Half Completed / Half Started

#eule

Ostara

Papatte Douce

Filed under: Album Reviews, Experimental, Jazz, ,

RBBS präsentiert mit: Kadavar + Lobby Boy + Splinter im Junkyard Dortmund am 10.09.21

international – choose your language

April 2021
M D M D F S S
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930  

Gib deine E-Mail-Adresse ein, um diesem Blog zu folgen und per E-Mail Benachrichtigungen über neue Beiträge zu erhalten. Informationen zum Umgang mit Deinen Daten findest Du in der Datenschutzerklärung.

Diese Artikel werden gerade gelesen:

Christone „Kingfish“ Ingram – 662
Grombira – Grombira
PeeWee Bluesgang – 40 Bluesful Years
Festivals, Konzerte & Tourneen
%d Bloggern gefällt das: