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Alabama 3 – Step 13

(andreas) Vor fast einem Vierteljahrhundert veröffentlichten „Alabama 3“ ihr Vorzeigealbum „Exile on Coldharbour Lane“ und etablierten damit ihren „Country Acid House Gospel“-Stil, wie sie es selbst nennen. Daraufhin folgten elf weiterer Platten, und nun erscheint nach fünfjähriger Aufnahmepause eine neue.

Der Nachfolger von „Blues“ enthält einiger der forschesten Stücke, die die Engländer bislang komponiert haben. Dass das Material unter dem Eindruck der Corona-Pandemie und von Großbritanniens Abschieds aus der EU entstand, hört man ihm hinsichtlich seiner muskulösen Härte deutlich an.

In diesem Kontext betreiben die alten Haudegen zunächst reinen Eskapismus, wenn sie im passenderweise schwungvollen Einstieg „Whacked“ Wünsche äußern, sich angesichts der gegenwärtigen Lage mit diversen Mittelchen betäuben zu wollen, doch nicht nur das eindringliche „Yolanda“ und das seinem Titel entsprechend aufbegehrende „Rise Up“ legen mindestens einen Finger in die Wunden der Weltgesellschaft im Jahr 2021.

Im Zuge dessen läuft die Formation allerdings zu keiner Zeit Gefahr, ihren facettenreichen Bratgitarren-Sound von Themen wie Politikverdrossenheit, Klimakrise oder Rassismus überschatten zu lassen. Die Musik kommt immer noch zuerst, wobei das Quintett in Form des rasanten „The Lord Stepped In (Taking Back Control)“ und des abschließend relativ versöhnlichen „That’s When I Need You“ zwei zwar konträre, aber äußerst starke Posten in der Hinterhand halten.

Im Grunde genommen ist aber keine der gebotenen Nummern reine Makulatur. Die Südlondoner Band um Hauptsongwriter und Sänger Jake Black alias The Very Reverend D. Wayne Love hat ihnen allen ein jeweils eigenes Profil verliehen, was nicht zuletzt dadurch ermöglicht wird, dass die stilistische Bandbreite von „Alabama 3“ im Blues-Kontext praktisch umfassend ist.

Wo sonst bekommt man schließlich folkige Elemente im Verbund mit elektronischen Versatzstücken geboten, und seien letztere noch so subtil eingewoben? Unabhängig davon steht bezüglich „Step 13“ fest: Die Gruppe ist der Szenemasse tatsächlich um mehrere Schritte voraus und wird es wahrscheinlich auch längerfristig bleiben. Originell, dennoch vertraut und im Dauertest ungeheuer abriebfest.

Submarine Cat/Rough Trade/24.09.2021

Whacked

Yolanda

The Lord Stepped In (Taking Back Control)

Petronella Says

Rise Up

Tranquilize

Ring The Bell

Every Time I See A River

William Faulkner

That’s When I Need You

Bonustracks:

Lifted

They Shoot Horses

Song For Aubrey

Andreas Schiffmann

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