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Thomas Kraft – The Last DJs – Wie die Musik ins Radio kam

(hwa) So fing alles bei mir an: ein Mini-Transistorradio von Philips entzündete meine Leidenschaft für Rock und Pop. Dem Grunde nach für bis dahin Unerhörtes. Und irgendwie auch von den Eltern Verbotenes. Das war wohl ab 1962. Danach wurde ich zum Nerd.

Radio Luxemburg mit seinem englischsprachigen Programm, Radio Caroline, AFN, BFBS, Radio One and so on. Namen wie Tony Prince, Tony Blackburn, Alan Bangs oder John Peel wurden zu meinen Radiohelden. Von Wolfman Jack aus den Staaten ganz zu schweigen. Aber dazu später noch ein bißchen mehr.

Vieles färbte danach Zug um Zug fast schon zwangsläufig auch auf deutschsprachige Sender ab. Zu den DJs, die ich regelmäßig hörte, gehörten (ohne Gewähr auf Vollständigkeit) zuförderst Winfrid Trenkler (WDR), Hans Verres (Frankfurter Schlagerbörse) – Schlusssatz: „Und wenn Sie Freizeit haben, hüpfen Sie!“, Manfred Sexauer „Hallo Twen“ (Europawelle Saar) und nicht zuletzt Walther Krause („Stars und Hits“-Hitparade (SWF 1968 und Erfinder des SWF Pop Shops ab 1970). Mal Sondock mit „Diskothek im WDR“ und die mittwöchige BRAVO Musikbox auf Radio Luxemburg nicht zu vergessen.

Apropos vergessen: Frank Laufenberg kommt in dem Buch nicht vor. Im Gegensatz zu seiner oftmaligen Comoderatorin Elke Heidenreich. Ich glaube, dass Frank es sich verbeten hat. Nach dem Motto: „Ich bin nun endgültig raus und möchte nicht mehr drüber reden!“

Zurück zu Wolfman Jack. Der war ein Unikum sondergleichen. Seine quäkende Stimme und sein dreckiges Lachen hoben ihn absolut heraus. Seine Sendungen wurden einen Tag später von AFN auch nach Deutschland übertragen (häufig gegen 13 Uhr). Und wenn es sich ergab, dass wir bis 14 Uhr Schule hatten, schwänzte ich die letzte Stunde, raste nach Hause um zumindest noch eine Dreiviertelstunde hören zu können. Wolf spielte damals u.a. regelmäßig „Do It Again“ von Steely Dan und ich war happy.

Mit seinem Essay „Keep Reaching For the Stars“ rekapituliert Thomas Kraft zu Anfang seines Buches die Geschichte der amerikanischen Radioshows. Das ist hochgradig informativ und rundet das Buch mit dem Schwerpunkt deutschsprachiger Protagonisten perfekt ab. Es ist eine lesenswerte Oral History der Entwicklung des Radio-Djings und gleichzeitig eine Geschichte der Rezeption von Pop und Rock im deutschsprachigen Radio.

Porträtiert werden (in der Reihenfolge des Erscheinens): Rik De Lisle, Siegfried Schmidt Joos, Walter Fuchs, Jürgen Herrmann, Winfrid Trenkler, Wolfgang Kreh, Werner Reinke, Klaus Walter, Jim Sampson, Fritz Egner, Rudolf Kalausnitzer, Wolfgang Kos, André Heller, Udo Huber, Peter Stockinger, Elke Heidenreich, Peter Urban, Henning Venske, Gitti Gülden, Wolfgang Doebeling, Thomas Jeier, Gert Heidenreich, Carl-Ludwig Reichert.

Das Buch schließt mit: Karl Bruckmaier, Walter Meier, Thomas Meinecke, Klaus Fliehe, Fred Kogel, Viktor Worms, Roland Spiegel, Angie Portmann, Dagmar Golle, Walter Schmich, Tom Glas, Kathie Kleff, Alan Bangs, Jürgen Kuttner, Ulf Drechsel, Lutz Schramm, Francois Mürner.

Eine Fleißarbeit sondergleichen. Für solche Nerds wie mich (und hoffentlich viele andere) ein absolutes Must. Fünf Sterne!

(Heinz W. Arndt)

Thomas Kraft „The Last DJs – Wie die Musik ins Radio kam“

Mit einem Vorwort von Thomas Gottschalk

starfruit publications, Fürth 2022

ISBN: 978-3-922895-52-7

492 Seiten mit 124 sw-Abbildungen

Hardcover; 14 x 21 cm

32.- Euro

http://www.starfruit-publications.de

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