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Tonzonen Records Labelnight 2022 in der KuFa Krefeld am 29.10.22

(vo) An einem sehr lauschigen Sommerabend fanden sich knapp 400 Musiktrunkene in der Kulturfabrik Krefeld ein um an der Zahl sechs Bands, die bei und über Tonzonen Records ihre sehr gute Musik unters Hörvolk bringen, zu lauschen. Sie zu feiern, anzufeuern, mit ihnen wegzuschweben, in andere Sphären abzutauchen, die Nacken und Gelenke herauszufordern…..Wenn wir auf das Datum schauen denkt sich der geneigte Leser: häh, spinnt der Kerl von wegen lauschigem Sommerabend? Mitnichten, selbst um Mitternacht konnten wir Musikfreaks in den Musikpausen ohne Parka und Hoodie draussen vor der KuFa sitzen, Getränke konsumieren, das Gespeicherte und Gesehene verarbeiten und mitzuteilen, die leckere Currywurst vom Foodtruckhänger schnabulieren, alte und neue Bekannte treffen…..herrlich!

Die Bands schwebten alle pünktlich aus Berlin, Chemnitz, Frankurt/Main, Freiburg, Köln und Reutlingen ein und an: unserem und ihrem Vergnügen stand nichts im Wege!

Ansage aus der Tonzonen Crew um 16:13 Uhr: Alex

Gegen 16:15 eröffneten die Freiburg-Breisgauer „Sound Of Smoke“ das knapp neunstündige Labelspektakel mit ihrem wunderbar zusammenpassenden Sound aus Bluesrock, Psychedelic und Stoner wobei Sängerin Isabelle, die auch noch Tasten bediente und percussionierte, mit ihren Bandkollegen Florian am Bass, Jens mit wunderbar anzuhörenden Gitarrenreisen und Johannes als „der die Band Vorsichhertreibender“ eine mich sehr begeisternde Darbietung boten und wenn ich mich so nach jedem Song umschaute war ich nicht alleine mit dieser Meinung. Besonders beeindruckend fand ich „Strange Fruit“, der für mich einen starken Swamp Einschlag transportierte, für mich alten Blueskopp eine Offenbarung! Und ihr „Witch Boogie“ drehte mir direkt danach den Nacken auf halbacht: die vier können das auch, prächtige Klänge, dankeschön! Macht mal so schön weiter, wir Freaks freuen uns. Danke!

Nach diversen Pausengesprächen zwischen Bottroper Schlachtplatte und natürlich einem Krefelder in Krefeld ging es musikalisch in eine ganz andere Richtung denn Iguana aus Chemnitz, bestehend aus zwei Alexandern, Robert und Thomas sind in meinen Ohren im Heavy-Psych Geschehen die Ausnahme da sie etwas sperriger wie der größte Teil der Bands dieses Genres zugange sind. Gesehen hab ich sie beim Samsara Blues Experiment Abschiedskonzert (wie sich nachher rausstellte) am 14.12.19 in der Zukunft Ostkreuz in Berlin und ich schrieb damals und unterstreiche das auch heute: „Ihre Musik ist nicht einfach drauflosgespielt, sondern mitunter sperrig, sehr variabel in den Genres des Rocks herumwühlend wobei die Musikalität der Vier außer Frage steht“. Dem ist von meiner Seite nichts mehr hinzuzufügen. Danke!

Zwischendurch noch die Bemerkungen das die ganze Festivalchose wie geschmiert und geölt lief, apropos: es ist immer wieder ein Erlebnis und ein Schauspiel sondergleichen die visuellen Köstlichkeiten, die das Ehepaar Petersen mit Projektionen zaubert, zu beobachten, die sich auf der Bühne hinter dem Bandgeschehen abspielen. Ist das schön, so schön! Und die Bühnentechnik der KuFa? Top. Und der Sound? Sandor Szabo gab alles und wir, das Hörvolk, badeten in einem großartigen Sound! Pommes Schranke und Currywurst top, Getränkenachschub top (danke ihr KuFa Mädels hinterm Tresen), Orga der Tonzonen Crew top…..so muß dat, woll! Und in den Pausen Ende Oktober draussen zu sitzen war das Häubchen….

Bei der nächsten Band lauschte ich schon dem Soundcheck denn das Berliner Trio EINSEINSEINS war für mich ein Musikbuch mit sieben Siegeln. Und was ich dann hörte zauberte mir ein Grinsen in den Bart: das wird ´ne Sause. Adrett gekleidet: blaue Hemden, dunkle Anzughosen, perfekt geputzte schwarze Ausgehschuhe….erinnerte mich an das Bühnenoutfit einer Institution der Elektronik Musik aus Düsseldorf. Aber das Dreigestirn Alex-Vocoder, Gitarre, Synthesizer, Nils-Bass, Vocoder, Synthesizer und Johannes-Schlagzeug ging sowas von ab im Gegensatz zur gesitteten Performance des Kraftwerks. Ich dachte mir so nach einer Minute: die schlachten uns, die machen uns fix und alle, meine Fresse ging das ab. Für mich eine phantastische Mischung aus Kraftwerk, Neu!, DAF in irrem Tempo, die Headbangakrobatik von Alex konnteste selbst mit ner Belichtungszeit einer Fünfhundertstel fast nicht bändigen. Was für Klangwellen, was für eine kosmodröhnische Erfahrung, man war das ein Spaß…..Danke!

Die Band mit der kürzesten Anreise, Smokemaster aus Köln, legten uns danach einen sehr dicht gewebten Teppich aus schwerster, schwerer und auch luftig leichter Psychedelic, manchmal experimentell, manchmal krautig, manchmal hörste sie an die Pink Doors klopfen, und auch eine Reise in Zeit und Raum gönnten sie sich und uns, herrlich. Zwei Gitarren, mächtig und gewaltig und filigran orgelnde Tasten, Groove aus Bass und Schlagwerk wie die Sau. Ich sah sie damals vor der Pandemie zum ersten Mal in einer Kneipe in Köln-Kalk und war damals schon beeindruckt und hoffte das das was wird…..Und? Aber sowas von. Das wird in Zukunft ´ne große Hausnummer in der Szene, davon bin ich immer mehr überzeugt. Die Master rauchten mit uns eine Tüte nach der anderen, und zusammen mit dem Rausch der Visuals und der Musik entstand ein Kunstwerk nicht für Bares für Rares sondern Freakiges für Freaks. Danke!

The Spacelords. Wie oft hab ich die drei Buben aus dem Reutlinger Space Schmelztiegel schon erlebt? Fünfzehnmal, Zwanzigmal? Ich weiß es nicht. Photographiert bei ihrem sehr löblichen Tun hab ich sie bisher sieben Mal, oft auf einen Streich. Akee-Bass, Hazi-Gitarre, Effekte und Marcus-UhrwerkSchlagzeug und Soundscapes verzauberten uns mit ihren Mix aus Sonne und Wolken, Thunder and Lightning, wohligen Schauern und groovigen Gewittern, Spacetrips und Wolkenreisen, alles schön bunt und groovend wie die Sau! „Plasma Thruster“, mein Liebling des Dreigestirns, wird elektronisch angezählt und schon bewegst du dich im Einklang mit der Natur die da von der Bühne aus erzeugt wird, herrlich. Und das Volk in der KuFa wiegt sich im Takt des gepulsten Plasma Antriebs…..Danke!

So langsam machen sich die fortgeschrittene Stunde, mein Alter und meine Gelenke bemerkbar aber auf uns wartet noch ein Schmankerl aus Bankstadt/Main: Glasgow Coma Scale. Sie skalierten ihre Elektronik und die Instrumente die uns anschließend auch wieder in wunderbare Sphären beamen: die Gelenke werden nochmal an die Belastungsgrenzen gedehnt. Ist das noch unter Post Rock zu führen wie es vielerorts so genannt wird? Nein, für mich ist das schon fast Post-Metal….knallt gut. Lala, Marek und Piotr zelebrieren ihre Musik wie ein Chamäleon die Farbe, nur nicht nach dem RGB Farbraum sondern von krachend nach filigran, von berstend nach ruhig, von suggestiv nach repetiv, als Droge mit schwerem Aufputscheffekt……perfekter Abschluß eines herrlichen Ausflugs in die Welt des Tonzonen Records Universums. Danke!

Ich bedanke mich bei Dirk Raupach für die Akkreditierung und bei allen anderen Anwesenden für eine vergnügliche Zeit. Danke!

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