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Fuzz statt Fussek – 10 Jahre Junkyard Open Air am 20.06.2026

(jul) Dortmund hatte an diesem Samstag etwas von einem Backofen mit Biergartenlizenz. Schon am frühen Nachmittag flimmerte die Luft über dem Asphalt des Junkyard. Schattenplätze wurden gehandelt wie seltene Vinylpressungen, am kostenlosen Wasserspender bildeten sich Menschentrauben, und irgendwo über allem schwebte noch eine zweite Verheißung: Deutschland gegen die Elfenbeinküste. WM. Anpfiff um 22 Uhr. Glücklicherweise erst nach Kadavar.
Doch zunächst stand etwas anderes an. Zehn Jahre Junkyard Open Air. Ein kleines Jubiläum für ein Festival, das längst zu den liebenswerten Konstanten der Ruhrgebietsszene gehört. Und selbst 35 Grad im Schatten und so gut wie gar keine Werbung konnten die Meute nicht davon abhalten, sich langsam aber stetig zwischen Schiffscontainern, Pommesstand und Liegestühlen einzufinden. Und auch der BlogChef Volker Fröhmer und ich waren pünktlich zum Fuzz-Anstich vor Ort.

Love Machine eröffneten um 16 Uhr den Nachmittag. Die Hitze war gnadenlos, doch die Band aus Düsseldorf musste die Menge nicht aufwärmen, eher abkühlen. Leider, und das ist eine persönliche Anmerkung, hat sich der Sound der Band in eine Richtung entwickelt, die mich nicht mehr so recht abholt. Das komplett deutsche Programm, das sie an diesem Nachmittag präsentierten, ließ den einst so geliebten „The Doors“-Vibe komplett vermissen. Wo einst psychedelische Weite und Doors-eske Melancholie den Raum füllten, stand nun ein Sound, der mich persönlich etwas ratlos zurückließ. Ein mutiger Schritt, keine Frage, aber einer, der für mich den Zauber der frühen Tage vermissen ließ. Früher umwehte die Düsseldorfer dieser leicht staubige Hauch von Laurel Canyon und Sunset Strip. Vielleicht war es einfach die Hitze. Ich hatte jedenfalls eher Mallorca und Bierzelt Assoziationen – schade.

(vo) Hoffentlich bekomme ich schon sehr zeitig einen Kostenvoranschlag, denn mein heißgeliebter! Photograbenpanzer (ob ihrer Robustheit) Canon 5D Mk III gab leider nach dem ersten Photoversuch (Marcel-Love Machine) die Parole aus: ich will nicht, lass mich in Ruhe, ich streike! Aber es gibt ja mittlerweile im Handyphotographiebereich sehr passable Ergebnisse auch in Sachen Konzertphotographie und diesem Umstand verdanken wir die Photos für Jules Beitrag von ihr und Karin Klokkomat.


(jul) 17 Uhr Daily Thompson: Heimspiel für die Dortmunder Schätzekes
und Schluss mit  Schattenparken. Vor der Bühne sammelten sich die üblichen Verdächtigen aus dem Dortmunder Familienkreis, während andere zwischen erster Reihe und Wasserspender pendelten. Danny, Mephi und Torsten wirkten dabei vollkommen unbeeindruckt von den Temperaturen und schoben ihre vertraute Mischung aus Grunge, Stoner und Alternative Rock mit einer Selbstverständlichkeit durch die Boxen, als würden draußen angenehme 22 Grad herrschen. Besonders zwei neue Songs ließen aufhorchen. Mehr Grunge, mehr Melodie, mehr von diesem unverkennbaren Daily-Thompson-Gefühl, das irgendwo zwischen Alice In Chains, Dinosaur Jr. und den Melvins seine Heimat gefunden hat. Mitte August erscheint das neue Album. Nach diesem Vorgeschmack darf man sich darauf freuen, was die Dortmunder Dampfwalze im Herbst auf die Bühne zaubern wird.


18:10 Uhr Dirty Sound Magnet: Sonnenstich mit Stil. Es betraten einmal die Bühne drei Musiker, die beschlossen hatten, den Hitzekollaps einfach wegzutanzen. Die Schweizer zelebrierten ihre exzentrische Mischung aus Psychedelic Rock, Funk und Progressive Rock mit jener Spielfreude, die Love Machine um 16 Uhr bereits angekündigt, aber dann nicht abgefackelt hatten. Frontmann Stavros Dzodzos wirbelte über die Bühne, als hätte ihm jemand heimlich den Temperaturregler ausgeschaltet.
Irgendwo zwischen den funky Bassläufen, ausufernden Gitarrenpassagen und ihrer angenehm schrägen Bühnenpräsenz gelang es der Band tatsächlich, die sengende Nachmittagshitze vergessen zu lassen.


Als um 19:30 Uhr Elder die Bühne betraten, stand die Sonne tiefer, die Temperaturen allerdings kaum. Und doch war plötzlich alles anders. Nick DiSalvo und seine Mitstreiter spannten jene gewaltigen Klangräume auf, die nur wenige Bands dieser Szene beherrschen. Progressive Strukturen, psychedelische Weite und diese unglaubliche Dynamik zwischen filigraner Schönheit und tonnenschwerer Wucht ließen die Zeit förmlich zusammenschrumpfen.
40 Minuten vergingen wie im Flug. Ein Set, das wie immer viel zu kurz war, aber jeden einzelnen Ton wert.
Elder sind keine Band, die Songs spielt. Elder bauen Landschaften. Und für einen Moment schien selbst der glühende Asphalt in der Frontrow des Junkyard ein wenig abzukühlen.


20:50 Kadavar und die letzte Reserve.
Der Headliner des Abends hatte leichtes Spiel. Das Licht wurde weicher, die Sonne verlor langsam ihre Schärfe, und Kadavar lieferten genau das, was man von ihnen erwarten darf: einen warmen, nostalgischen Trip durch ihre eigene Geschichte, gewürzt mit vielen älteren Songs und genau jener Sommerfestival-Leichtigkeit, die perfekt zum Abend passte.
Nur mein eigener Akku hatte längst auf Reserve geschaltet. Nach Elder war emotional eigentlich schon alles gesagt. Die Hitze, die Musik und unzählige Begegnungen hatten ihre Spuren hinterlassen, die auch das gute alkoholfreie Carlsberg nicht auffangen konnte.  Also war ich nicht bockig, als der BlogChef den vorzeitigen Abflug einleitete. Ende für Team RBBS und wir übergaben an Klokkomat (Karin Klocke)  zur finalen Fotodokumentation:

Das Junkyard Open Air war schon immer ein bisschen anders. Kein Hochglanzfestival, keine riesigen Leinwände, kein Eventzirkus. Diesmal auch so gut wie überhaupt keine Werbung. Ein Wunder, dass überhaupt so viele Bescheid wussten und gekommen waren.  Dafür Schiffscontainer, Graffiti, ehrliche Menschen und dieses Gefühl, dass hier jeder irgendwie jeden kennt oder spätestens am Wasserspender kennenlernt. Und vielleicht ist genau das das Schönste.
Als um 23 Uhr und nowatt das WM-Spiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste in Toronto abgepfiffen wurde, lag ich bereits frisch geduscht im Bett. Die Hitze des Tages und die musikalische Wucht hatten ihren Tribut gefordert. Das Gegröhl aus meiner Eckkneipe beim 2:1  hörte ich im Übergang ins Schlummerland. Abpfiff – Tag vorbei. Ein perfekter Abschluss für einen Tag voller Extreme.

Danke Banane ❣️ für die Gästelistenplätze!

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