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The Johnny Winter Story – True To The Blues

The Johnny Winter StoryJohnny Winter ist zunächst mal Weißer, in zweiter Linie Albino und drittens einer der schwärzesten Bluesgitarristen aller Zeiten.
Seit über 45 Jahren zaubert er uns den Blues auf die heimische Anlage und in die Arenen – trotz seiner vielen gesundheitlichen Handicaps.
Winter wurde im Februar dieses Jahres Siebzig. Das nahm Sony Music dankenswerter Weise zum Anlass, den weltweit verehrten Gitarrenhexer mit einer 4CD-Box zu ehren.

Eigentlich hatte ich Winters respektablen Geburtstag nicht mehr erwartet.
Rückblende: In der Kölner Live Music Hall gab er im Juli ’99 eines seiner raren Deutschlandkonzerte.
Es geriet zum Fiasko, weil hier nicht der „gewohnte“ Johnny agierte.
Er war klapprig, fahrig, zittrig, konnte kaum stehen und brauchte allein zum Wechseln der Gitarre mehrere Minuten.

Zwar hatte er scheinbar seine Heroinabhängigkeit überwunden, aber was wir damals nicht wussten: Winters Augenprobleme (typisch Albino) hatten sich neben Johnnys Panikattacken extrem verschärft – er war quasi nur noch mit Medikamenten in der Lage, einen Konzertabend im wahrsten Sinne „durchzustehen“.
Er hat den Abend mit Hängen und Würgen gerade noch so zu Ende gebracht – aber eigentlich hätte man heulen wollen. Er war ziemlich im Arsch.

Ein paar Jahre zuvor hatte Volker bei Rory Gallagher im August ’94 in Kölns Live Music Hall ein ähnliches Erlebnis. Rory war aufgedunsen, spielte sich krankheitsbedingt die Finger blutig, wirkte lustlos und desorientiert und war gewissermaßen nur noch ein Schatten seiner selbst.
Rory hat – dem Himmel sei’s geklagt – leider nicht allzu lange überlebt.

Aber Winter hat sich durchgebissen. Gratulation!

Diese Box zeigt ihn in all seinem opulenten Glanz.

Die Rückschau ist chronologisch aufgebaut und beginnt deshalb auch mit zwei Tracks vom „The Progressive Blues Experiment“-Album. Da war er noch ein mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt.
Damals kannten ihn nur ein paar Insider, wie beispielsweise Mike Bloomfield oder Al Kooper. Winters Beitrag „It’s My Own Fault“ zu deren Fillmore-East-Gig in ’68 (später veröffentlicht als „Fillmore East – The Lost Tapes“) katapultierte Winter in ungeahnte Superstarhöhen. Seine Woodstock Performance mit Bruder Edgar am 18. August ’69 tat ihr übriges. Danach ging es so richtig ab.

Mittlerweile sind über 45 Jahre vergangen, die in der Box mit insgesamt 57 Tracks von 23 Alben (bis hin zu „Roots“ aus 2011) gewürdigt werden. – wobei die 17 Live-Aufnahmen das Sahnehäubchen darstellen.

Egal, ob Flinkefingerrock, Slow-, Mid- oder Uptempoblues – Winter wird allen Sätteln gerecht. Der kehlige R-R-R-Rachengesang wird durch Winters spielerische Virtuosität und Phrasierung mehr als kompensiert.

By the way: Die beiden bislang unveröffentlichten Live Performances „Eyesight To The Blind“ und „Prodigal Son“ (Second Atlanta Pop Festival 1970) sowie die in 2010 erstmals offiziell veröffentlichten „Good Morning Little Schoolgirl“ und „Mean Town Blues“ (Live at the Fillmore East 1970) sind fast schon alleine den Kauf wert.

Jimi Hendrix, Stevie Ray Vaughan und Rory Gallagher weilen nicht mehr unter uns.
Mr. Winter: Halten Sie durch!

(Heinz W. Arndt)

The Johnny Winter Story „True To The Blues“
(Sony Music / Legacy)

4CD-Box mit opulentem Booklet

57 Tracks
TT: 4 Stunden, 30 Minuten

Johnny Winter

 

 

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