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Electric Moon – Theory of Mind

Electric(to) Theoretisch ist alles Ganz einfach. Man nehme die Erste der beiden Scheiben aus dem wirkungsvoll in Szene gesetzten bläulichen Cover, sucht sich davon die Seite (römisch) Eins aus und lässt die Nadel, nach dem Auflegen, galant in die lauffreudige Spur gleiten. Nun lehnt man sich zurück, nimmt sich ein stimulierendes Getränk oder Glutwerk seiner Wahl und lässt den ersten hypnotisierenden Song dieses Live-Mitschnitts des Konzertes vom Februar 2014 im Heidelberger “Kosmodrom“ auf sich einwirken. Dabei gleiten ganz spezielle Gedankengänge durch meinen Kopf, es baut sich nicht nur in der Theorie ein eigenes großes Erlebnisbild dazu auf, während die Seele, bei diesen erhabenen Klangwolken, in der Luft zu schweben scheint.

Dieses Meisterwerk der Improvisationskunst kann ich natürlich jetzt so oft wie möglich auflegen und jede der vier LP Seiten ebenso oft und lustvoll belauschen. Dabei entdeckt man erst durch mehrmaliges und intensives Hören das gesamte schöpferische Potenzial sowie seine ganz persönlichen Highlights oder sogar Welthits. In diesem Sinne kannten die Konzertbesucher das daraus resultierende Soundgefüge und die hier veröffentlichten Songs vor besagten Live-Mitschnitts im Heidelberger “Kosmodrom“ aber ebenso wenig, wie die elektrischen Hauptakteure selbst. Anstatt nun jeden der vier absolut erhabenen Songs irgendwie beschreibbar zu machen, möchte ich deshalb lieber einmal genau auf eine ähnliche und selbsterlebte jungfräuliche Klangsituation mein persönliches Ohrenmerk legen.

Vor noch gar nicht all zu langer Zeit, an einem klangbeseelten sonnengefluteten Samstagabend auf dem diesjährigen Freak Valley Festival, reihte ich mich zu vorgerückter Stunde in einen willigen Besucherstrom ein. Direkt in zweiter Reihe hinter einigen Freunden mit Akee, dem Bassmeistro von The Spacelords, wartete ich mit Höchstspannung auf den bevorstehenden Auftritt von Electric Moon. Allen Anwesenden und Neugierigen bzw zumindest den Meisten um mich herum war bestimmt bewusst, das es auch dieses Mal ein völlig neues und in dieser Form noch nicht gehörtes Soundgemisch aus dem elektrischen Monduniversum geben wird. Einerseits fühlt man sich da ja insgesamt schon immer auch etwas hin- und her gerissen. So gern hätte man doch wenigstens einen seiner absoluten Lieblingstracks der vorangegangenen Alben einmal (zwecks der Genialität und wegen der damit verbundenen Wiedererkennung) in Auszügen oder wenigstens in einzeln eingestreuten Nuancen gehuldigt. Andererseits ist man aber genau so angespannt und neugierig, wie bestimmt auch die Musiker vor Ihrem Auftritt selbst, und wartet mit vielen anderen Lauschwilligen auf das gewisse Neue und Schmackhafte, das da kommen mag.
Die Spots gingen an und erleuchteten angenehm das sphärische Abendlicht der Bühne. Die Electric Moon Besatzung landete auf Selbiger und sogleich durchflogen die ersten Tonsignale das weite Rund. In der Zwischenzeit kreisten um mich herum jede Menge Kräutergerüche und mir wurde nicht nur einmal ein elektrisches Mondkraut, aus irgend einer Himmelsrichtung stammend, angeboten. Das war wirklich sehr hilfsbereit. Aber ich lehnte dankend und höflich ab, denn ich wollte den kompletten Live-Sound einfach absolut pur hören und ungefiltert in Ohrenschein nehmen. Bestimmt können das jetzt einige von Euch nicht ganz nachvollziehen. Aber in diesem Rausch der einströmenden Noten wollte ich meine Sinne einfach nicht zusätzlich überstimulieren!…

Das erste dargebotene Stück kreiste gleich zielsicher zu und in meine Gehörwindungen. In einem verzückten Blick um mich herum nahm ich immer mehr wiegende und zelebrierende Menschen war, die sich gleichsam und genüsslich sowie mit oder ohne rauchende Stimulation, den umher driftenden Bühnenschallwolken entgegen räkelten. Zu der sich nun immer weiter entfaltenden ekstatischen Notenwand bewegte sich neben mir zudem ein weibliches Wesen mit langen geschmeidig schwarzen Haaren. Diese rhythmisch vorbeifliegende schwarze Mähne verströmte zusätzlich eine anheimelnde ‘wie gerade frisch gewaschen‘ Duftnote. Hier kam also einiges bzw. alles mögliche zusammen! Allseits um mich herum dieser urwüchsig grünliche Geruch der wildesten Rauschnebelschwaden. Auf der Bühne vor mir drei ganz stark agierende elektrische Mondprotagonisten, die mich in eine Acid-getränkte Schallwelle katapultierten sowie dazu immer wieder ein vorbei fliegender Hauch von Shampooaroma, im auf und ab, der sich zum Sound bewegenden Zuhörermenge. Diese Symbiose der Reizüberflutung war wirklich kaum noch zu übertreffen und meinen Sinnesrezeptoren pegelten somit auf Anschlag!
Irgendwie hab ich im weiteren elektrisierenden Soundverlauf um mich herum fast kaum noch was von der Außenwelt wahrgenommen, außer das allseits trancebeladene Feeling der stetig pulsierenden Orbitklänge. Meine Sinne drifteten mit ausgestreckten Gehörfühlern unbarmherzig in diesen fantastischen Mondsound oder wurde regelrecht von dieser gefühlten alles verzehrenden Elektrizität hineingezogen. Es folgte Schallspirale auf Klangsphäre sowie Improvisation auf Modulation, mir war nun herzlich egal, das es letztlich keine einzige Note geben wird, die man evtl schon von einer alten Lieblingsveröffentlichung kennt oder aus einem allseits beliebten Ohrwurmhit, den jeder mitschunkeln kann. Ich wollte mich nur noch in all diese neu erschaffene interneurale Akustik des massereichen Klangmondes hineintreiben lassen und alle eintreffenden Soundwellen wie ein ausgetrockneter Schallschwamm, der nach jeder noch so winzigen akustischen Amplitude lechzt, in mich aufsaugen!
In diesem puren und genüsslich schweißtreibenden Trancezustand erinnere ich mich sicherlich noch an besagte vierte und letzte Livenummer. Das Wort „Welthit“ sprudelte verzückt über meine Lippen. Für mich – der blanke Wahnsinn! Das war meines Erachtens ein ultrageiles Supermonstermondteil von Soundkreation, wie es in ähnlich empfundener gigantischer Machart das Titelstück ‘Theory of Mind‘ auf diesem Vinylwerk darstellt!

Jetzt denkt Ihr Euch sicherlich, was das eigentlich alles mit dem eigentlichen Meisterwerk „Theory Of Mind“ zu tun hat? Das ist jetzt theoretisch und gedanklich ziemlich einfach. Das Feeling von Band, Bühne, Präsenz, Situation, Leidenschaft, Stimulation und Publikum kann verbinden, verschmelzen und sich gegenseitig in einem wahrhaft steigernden Energiefluss aufschaukeln. Alle möglichen oder facettenreichen Einflüsse können dazu beitragen, das auf der Bühne eine kreative Erschaffung vielfältigster Soundfrequenzen entsteht. Die dann wiederum begeistern, berühren und verzücken können. Oder es werden im Endeffekt sogar wahre Meisterwerke erschaffen, die vielleicht als grandiose Klassiker alle akustischen Zeiträume überdauern.
Seitdem kommt mir beim belauschen dieser beiden Mind-Scheibchen immer wieder mein eigenes Live-Erlebnis in den Sinn und ich kann nun noch besser nachvollziehen, wie sich Musiker und gerade das Publikum live vor Ort gefühlt haben. Jedenfalls ist diese meisterhafte Veröffentlichung geprägt von höchster spielerischer Intensität. Die Quelle der Klangkreationen sprudelt nur so aus jeder noch so winzigen Vinylpore des gesamten Albums hervor. Dieser Live-Mitschnitt des Konzertes vom Februar 2014 aus dem Heidelberger “Kosmodrom“ ist somit ein fantastisches sowie kraftvolles Acid-Psychedelic-Space Paket, mit hypnotisch gespickter Wirkung. Der willige Hörer wird in diesem ständig pulsierenden Kosmos auf die elektrische Mondbasis entführt, durch den gesamten musikalischen Spirit infiziert und somit nicht mehr losgelassen.

Ob in ‘Hypnotika‘ die Wah-Wah Funken sprühen und alles durch die vereinnahmende Wirkung hypnotisierender Instrumentierungen in einer tranceartigen Einheit zusammenfließt. Ob mit ‘Theory Of Mind‘ eine episch spacegeniale Wahnsinnsnummer gezündet wird, die ebenfalls und völlig zurecht das Prädikat “Welthit“ verdient. Ob das schwer cinema treibende ‘The Picture‘ wie ein psychedelischer Riff Zug durch die Gehörlandschaften prescht. Oder danach ‘Aerosoul‘ mit einer schwebenden Acid-Reise in die Ferne durch alle endlosen Zeitspiralen des Universums einlädt. Diese Scheibe ist in Ihrer Beschaffenheit, Zusammensetzung und musikalischen Vielfalt ein ganz großer und unüberhörbarer elektrischer Mondkreuzer. Geschaffen für Liebhaber und Interessierte, die in diesem großartigem Klangshuttle auf eine mentale Reise mitgenommen werden wollen. Damit beim unwiderruflichen Abheben das eigene musikalische Bewusstsein erweitert wird…..(Tom)

Das Album erschien am 11. Juni via Sulatron Records als CD und als Doppel-Vinyl, auf 1000 Stück limitiert.
Das magisch verspielte und visuell anregende Cover ist von Lulu Artwork.

Line-up:
Sula Bassana – Gitarre, Orgel, Synthesizer, Effects
Markus Schnitzler – Drums
Komet Lulu – Bass, Effects

ElMoon-Band

 

 

 

Tracklist:
01 – Hypnotika [16:02]
02 – Theory Of Mind [19:03]
03 – The Picture [14:30]
04 – Aerosoul [14:28]

http://electric-moon.bandcamp.com/

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