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Bob Dylan, Neil Young, The Ramones – 3 Rockbücher für den Gabentisch mit Lesespaßgarantie

Bob Dylan Alle SongsBob Dylan „Alle Songs. Die Geschichten hinter den Tracks“

(hwa) His Bobness, der am 24. Mai 2016 75 Jahre jung wird, gab sich im Laufe seiner langen Schaffensperiode als die über alles Erhabene Folk-und Rocklegende zu erkennen. Aufgearbeitet in einer weiteren Fleißarbeit vom Margotin/Guesdon-Autorenduo, das schon mit „Beatles Total“ für Aufsehen sorgte. Die Autoren setzen erneut Maßstäbe, wie man nachhaltig ein solch hochgradig ambitioniertes Projekt anzugehen hat.

Zu jedem der versammelten 492 Songs enthüllt das Buch die Geschichten hinter den Tracks. Zählt zusätzlich Outtakes, Coverversionen und zahlreiche Bootlegs auf. Und gibt selbst für ambitionierte Dylanologen und alle, die es werden möchten, Erstaunliches preis. (Siehe Dylans Inspirationsquellen u.a. bei Dante, Ovid, Tschechow oder Tennessee Williams.)

Ein vergleichbares, ähnlich opulentes Dylan-Deutungs-Kompendium (tatsächlich bis zu Dylans jüngsten Frank Sinatra Covers!) ist weltweit nicht verfügbar. Es unterstreicht zudem die Ambitionen vom Delius-Klasing-Verlag, nicht zu kleckern, sondern qualitativ zu klotzen. Insofern wird ein Buch vorgelegt, das – wie schon „Beatles Total“ – als Referenz in jede öffentliche Bücherei gehört und insbesondere für Musische Gymnasien unabdingbar ist. Für Dylan-Aficionados anyway!

Das Buch hat in großen Teilen durchaus wissenschaftlich relevante Qualitäten und durchbricht mit dem Buchgewicht von über 2,7 Kilogramm den üblichen „Schnell-Lese-Verzehr-Rahmen“.

Und wer es zur Einkehr und Muße nachts mit ins Bett nimmt, kann wegen des hohen Gewichts gleichzeitig noch seinen Arm-Bizeps trainieren. Mithin ist das Buch sowohl körperlich wie auch geistig für einen „Dylan-noch-besser-verstehen-Wollen“-Überbau geradezu klassisch geeignet.

Mit ausführlichem Register. Mehr geht nicht!
(Heinz W. Arndt)

Philippe Margotin / Jean-Michel Guesdon „Bob Dylan – Alle Songs. Die Geschichten hinter den Tracks“
704 Seiten
166 Farbfotos, 266 S/W-Fotos
Format 21 x 27 x 6 cm
Gebunden mit Schutzumschlag
Gewicht: 2.740g
Euro 59,90
ISBN 978-3-667-10286-7
Delius Klasing Verlag „Edition Delius“, Bielefeld, 2015

 

Neil Young Eine AUTO BiographieNeil Young „Special Deluxe. Eine AUTO-Biographie“

(hwa) Hier geht Neil Young so richtig in die Vollen! Der zweite Teil seiner Biografie kommt seinem hochgradig sensiblen Wesen noch ein weiteres Stück näher. Zudem werden die Zeitläufte chronologisch größtenteils eingehalten. Und dass man die Umwelt mit schädlichen CO²-Abgasen nicht mehr so quälen darf, ist quasi die Quintessenz seiner Einlassung und dieses Buches.

Ausgerechnet jetzt kommt der VW-Skandal mit gefälschten Abgaswerten noch obendrauf und gibt Neil Young geradezu klassisch Recht!

In seinen musikalischen Anfängen fuhr er mit seinen Lieblingsschlitten (meist in Raten abgestottert) von Gig zu Gig. Reparaturen konnten da schnell mal das Budget sprengen – dann ließ er auch schon mal die Kiste am Wegesrand stehen (siehe „Mort“).
Tempi passati. Heute würde er das „natürlich nicht mehr machen“. Und fragt sich, was aus seinen technischen Freunden wohl geworden sein mag. Mit zunehmendem Erfolg als Musiker explodierte auch seine Sammelleidenschaft. Er erklärt sie als Leitfaden seines damaligen Handelns („Belohnung fürs stressige Tourleben“) und nimmt seine Fans mit auf die Fahrten seines ereignisreichen Lebens.

Young erzählt von Familienausflügen mit den Eltern (samt deren Fuhrpark), von den Konzerttouren der Squires (seiner allerersten Band) mit „Mort“, einem zum Bandbus umfunktionierten riesigen Leichenwagen, vom Rock’n’Roll- wie auch aus seinem privaten Leben und vom unglaublichen Entdeckerglück des Sammlers von Oldtimern.

Er packt seine Dämonen beim Schopf und wird erneut zum demütigen Nabelbeschauer eines wahrhaft turbulenten Lebens. Da muss sich selbst Young mitunter in die Backe kneifen.

Wobei seine legendären amerikanischen Oldtimer die zentrale Rolle einnehmen und mit Youngs Band-und Lebensabschnitten sozusagen ein verbindendes und unverbrüchliches Glied generieren. Ich sage jetzt mal über den Daumen: rund 50 Autolegenden werden es wohl sein.

Er wollte puren Spaß, einfach auf’s Gaspedal treten und den Lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Er weiß aber heute – ein halbes Leben später – um die enorme Gefahr, die von CO²-Emissionen langfristig ausgeht.

In Kapitel 3 geht es um einen blauen Monarch Lucerne (Baujahr 1954) seiner Eltern. Es war die Zeit von Youngs vielen Umzügen – hier: von Omemee nach Winnipeg.
Young schreibt wörtlich: „Zu dieser Zeit war der Preis für Benzin auf 7,5 Cent pro Liter gestiegen. Auf dem Trip (von Omemee) nach Winnipeg pustete der Monarch 627 Kilo
CO² in die Atmosphäre, aber wir waren nicht allein. Im Jahr 1954 fuhren 58 Millionen zugelassene Automobile insgesamt 557 Milliarden Kilometer.“ (Zitatende)

Das gibt Young bis heute schwer zu denken – zumal seine eigenen Schlitten noch größere Dreckschleudern waren. Young sagt und schreibt es genau so. Pure Karma-Arbeit!

Was unweigerlich zu seinem „Lincvolt“-Projekt führte.

Mit diesem Prototyp eines wahrhaft umweltfreundlichen Autoschlittens, der von Benzin auf Elektrobetrieb mit einem Biokraftstoff-Generator umgewandelt werden sollte – und nach jahrelangem zähem Ringen auch wurde! -, zeigt er der Automobilindustrie, wie es auch anders geht.

Dieses „Wie“ hat er als Musterbeispiel zum Umdenken bzw. „Sich-nachhaltig-um-die-Umwelt-Kümmern“ mit Akribie erforscht und erfolgreich umgesetzt. Das Team um Neil Young herum nicht zu vergessen!

Diese Art der Rückschau und Youngs wunderschöne, farbig gestalteten Tuschezeichnungen seiner Traumautos, die er jeweils den einzelnen Kapiteln im Buch voranstellt, haben mich in hohem Maße beeindruckt, ja regelrecht gerührt.

Jedenfalls offenbart sich hier der offenste, fröhlichste und demütigste Neil Young so far. Er hat in Würde die Kurve gekriegt. Ein dritter Band mit diesem entwaffnenden Charme ist unbedingt erwünscht.
(Heinz W. Arndt)

Neil Young „Special Deluxe. Eine AUTO-Biographie“
418 Seiten
Gebunden, mit Lesebändchen
Circa 50 Farbzeichnungen des Autors
Format 23 x 16 x 3 cm
26,99 Euro
ISBN-13: 9783462047578
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2015

 

Punk Rock Blitzkrieg,jpgMarky Ramone „Punk Rock Blitzkrieg. Mein Leben mit den Ramones“.

(hwa) Die Ramones sind nach wie vor Kult. Sie gelten als die Punk-Ikonen der Vereinigten Staaten. Da kommt das Buch von Marc Steven Bell – alias Marky Ramone – aus Insidersicht gerade recht. Der gibt uns einen höchst erfrischenden und schmunzelhaften Einblick in die innere Struktur der Ramones.

Ich sage nur: Joey Ramone! Als nervenden Zwangsneurotiker hatte ich ihn bislang nicht auf dem Zettel. Die Band schon!

Was die mit Joeys Zwangskrankheit zu ertragen hatte, weil er es nicht schaffte, „normal“ aus dem Haus, Hotelzimmer, Flugzeug oder was auch immer herauszutreten, ging häufig an die Schmerzgrenze und darüber hinaus. Hintergrund: Joey war in einem Teufelskreis gefangen und musste ungezählte Male hin- und herspringen, um übertretene Schwellen nochmals anzutippen.

Nach den Konzerten konnte es vorkommen, dass er sich – immer noch auf der Bühne stehend – zwanghaft an den Mikrofonständer klammerte und regungslos verharrte. Dann musste er unter doppeltem Zwang rigoros von der Bühne getragen werden. Eigentlich gar nicht mehr komisch!

Fast wäre er überfahren worden, als er von Panik geplagt nach Überquerung der halben Straße zurück hastete, um Ampel samt Bordstein anzutippen. Dabei wurde er von einem Auto angefahren, das schon „Grün“ hatte. Aber Joey hatte die Gunst der Götter auf seiner Seite und wurde nur leicht verletzt.

Die Band litt merklich.

Auch der Zwang, die Reihenfolge der Sitzplätze beim Besteigen des Bandbusses strikt einzuhalten, war für die Band nicht unbedingt ein Zuckerschlecken – im Gegenteil.

Auch von Dee Dee Ramone gibt es in diesem Buch Anekdoten der besonderen Art. Der war nämlich Memorabiliensammler von NS-Größen des Dritten Reichs und bot mitunter horrende Summen.

Was nicht selten auf Tour und insbesondere in Berlin für Irritationen sorgte: Im Buch kann man es nachlesen!

Marky Ramone hat das Buch zusammen mit Rich Herschlag geschrieben. Übersetzt wurde das Buch von Andreas Diesel.

Ein Musterbeispiel, wie man die feine Ironie des Originals auch ins Deutsche retten kann. Einfach nur wunderbar. Danke, Andreas!

Marky Ramone schlägt gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe. Er schreibt aus dem inner circle der Band und möchte wohl auch als einer der weltbesten Drummer nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

Markys vorherige Stationen: Dust, Estus, Wayne County und Richard Hell & The Voidods. Auch darüber wird erzählt. Eine irre und aufregende Zeit war das – und Marky ein nicht unwesentlicher Teil davon.

Von daher ist seine Zusammenfassung eine Geschichtslektion des Rock und des Lebens schlechthin.

Letzendlich wurde auch Marky – obwohl unverwundbar scheinend – aufgrund des Bandstresses in die Knie gezwungen und alkoholabhängig.
Er stieg 1983 bei den Ramones aus, um sich um seine Genesung zu kümmern und kehrte 1987 wieder zur Band zurück.

Marky hat’s überlebt – im Gegensatz zu Joey, Dee Dee, Johnny und Tommy Ramone.
(Heinz W. Arndt)

Marky Ramone „Punk Rock Blitzkrieg. Mein Leben mit den Ramones“.
Co-Autor: Rich Herschlag.
336 Seiten mit 42 Fotos
Format 15 x 21,5 x 2 cm
Gebunden
Euro 22,90
ISBN 978-3-940822-06-2
Iron Pages Books, Berlin, 2015

Einsortiert unter:Drucksachen, , , ,

Dezember 2015
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