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Big Daddy Wilson im „Alldiekunst“ in Velbert

bigdaddy(ro) Das kann nur gut werden, das muss es, denn Big Daddy Wilson verspricht immer, I.M.M.E.R.(!), einen wunderbaren, noch tagelang nachklingenden, musikalischen Abend.

Und darum sind wir auch früh genug da, nämlich eine Stunde vor Beginn, denn ich liebe es, mich in der ersten Reihe aufzustellen, bzw. dort zu sitzen. Die Stühle direkt vorn sind aber leider schon alle besetzt, also geht es diesmal in die zweite Reihe, nun, das ist dann auch okay.
Ich schau mich um, die Halle der ehemaligen A.L.D.I – Filiale füllt sich rasch, sogar unerwartet rasch, so dass die Damen und Herren der Crew weitere Stühle seitlich an der Wand entlang aufstellen müssen.

Ziemlich pünktlich dann treten Big Daddy Wilson und seine drei italienischen Mitstreiter, nämlich Roberto Morbioli, Cesare Nolli und Paolo Legramandi vor den schwarzen Vorhang, alle chic gekleidet in dunklen Anzügen. Big Daddy Wilson, der ursprünglich aus North Carolina stammt, trägt wie immer Sonnenbrille und selbstverständlich einen klassischem Stetson.
Sie nehmen jeder sein Instrument in die Hand, bzw. nehmen hinter ihm Platz, ein kurzes Intro, ein kleines musikalisches Geplänkel, ein „Hey!“ins erwartungsvolle Publikum und dann geht es los. Mit einem Song aus dem Jahre 1930, nämlich „John The Revelator“, im Original von Blind Willie Johnson, fangen sie an und der Zug nimmt augenblicklich Fahrt auf und ich bin hin und weg.

Denn Big Daddy Wilsons Stimme ist einfach phantastisch. Magisch. Voller Soul, Wärme und unwiderstehlichem Glanz trifft er damit in das Innerste des Bluesfans.
Glaubwürdig klingt alles, was er vorträgt, sei es das Auf und Ab von Herzensangelegenheiten oder Geschichten von Verlierern, von Freundschaft, Verlust und Depression.
Nein, Liebe ist keine Verhandlungssache, so erzählt er uns, Liebe ist ein Geschenk und dann spielt er einen seiner für mich schönsten Songs „Anna Mae“.
Spätestens jetzt seufzen alle weiblichen Wesen im Raum leise auf. Als ob wir das je vergessen könnten.

„Dead End Road“, heißt das nächste Stück – dieses Lied berauscht durch seine Intimität und hinterlässt einen unter die Haut kriechenden Schauer. Es stammt von Big Daddy Wilsons letzter CD, die „Time“ betitelt ist. Gefühlvoll und mit perfekt abgestimmter Instrumentierung wird gezeigt, was für eine wunderbare Sache dieser Blues doch ist. Einfach hinreißend.
Dieses Album kann man u.a. später am Merchstand erwerben, denn natürlich haben die Jungs diesbezüglich so einiges im Gepäck dabei.

„Time To Move“ fasziniert ebenso wie „Texas Boogie“ oder „Mississippi John“. Big Daddy nimmt die Zuhörer mit in die dichte Atmosphäre der Baumwollfelder und JukeJoints zwischen New Orleans und Chicago.
Dabei wird er begleitet von einer exzellenten und bestens aufgelegten Band, die ich nicht genug loben kann. Die dabei nicht „nur“ technisch perfekt ist, sondern den Liedern auch Atmosphäre und Authentizität gibt.
Nein, diese Musiker brauchen wahrlich keine demonstrativen Effekthaschereien. Sie grooven mit uns durch das Delta, nehmen sich zurück, wo es angebracht ist, sind jederzeit auf der Höhe und auf den Punkt, zeigen Virtuosität und Drive. Es gibt keine Minute Langeweile. Keine einzige. Das ist allererste Güteklasse!
Könnte ich von den Musikern jemanden hervorheben?
Nein, ganz bestimmt nicht.
Exemplarisch möchte ich hier einfach mal Roberto Morbioli nennen. Seine Gitarrenarbeit ist vom Feinsten, unglaublich hingebungsvoll, seelenreich und intensiv, dazu immer überraschend und effektvoll. Und das alles ohne minutenlanges Gegniedel oder haufenweise herumstehenden elektrischen Tüddelkram.

Gekrönt wird dieser Abend vom ständigen Wechsel der Stile: Mississippi, Chicago, Dixie oder Ballade, wobei niemals der rote Faden verloren geht.
Das Publikum weiß es zu schätzen. Immer wieder gibt es „Standing Ovations“, Zwischenapplaus, Johlen und Begeisterung.
Smartphones werden und bleiben gezückt und die blonde Dame neben mir möchte am liebsten, so flüstert sie mir zu, das ganze Konzert aufnehmen.

Aber keine Zeit zum Nachdenken, denn dann gibt es für die Zuschauer auch noch etwas Besonderes zu sehen: Big Daddy Wilson hat nämlich auch eine „Diddley Bow“ im Gepäck – eine Gitarre mit nur einer Saite. Das ist ein Instrument, welches mit Trommelstock und Slide gespielt wird, auch bekannt unter dem Namen Jitterbug.
Big Daddy Wilson erzählt, dass er mit solch einer „Diddley Bow“ irgendwann einmal angefangen hat, Blues zu spielen. Dann zeigt er uns mit dem Song „Baby`s Coming Home Again“, dass man diese „Zigarrenkistengitarre“durchaus in ein wohlklingendes Instrument verwandelt kann.

Insgesamt waren das 150 starke, intensive und lebendige Minuten auf den Punkt, mit einem meiner Meinung nach besonders hellen Stern am Blues-Firmament.

Lieber Big Daddy Wilson, liebe Band, das war sensationell, vielen Dank. (….Rosie…)

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