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Wight – Love Is Not Only What You Know

wight-cover(ch) Wight aus Darmstadt präsentieren sich mal groovig, dann wieder raffiniert und feinfühlig, in retrospektiven Entdeckungsreisen. Die Erweiterung vom Trio zum Quartett mit Kirchpfening wirkt dazu im gesamten Sound der neuen Produktion nach. Es ist ohne Frage das aufregendste Release. Würde man die erste und neueste Scheibe nacheinander hören, wäre nicht zu erkennen, das es sich um die gleiche Band handelt.

Es ist der Kontext dazu. Die Elemente kommen, spielen umeinander und verschieben sich. Sie reichen von klassischen Funk- und Souleinlagen in Songs wie „Helicopter Mama“, „The Muse And The Mule“ und „Kelele“, von Kulturen zum Chaos im Zwischenspiel „Three Quarters“, bis zum fast 12-minütigen „The Love For Life Leads To Reincarnation“, das sie weit weg von früher zeigt. Kommen dann noch afrikanische Rhythmen und Klänge ála Osibisa dazu geht auch an den kältesten und lautlosesten Orten die gehörvolle Sonne auf.

Jede neue „Wight“ Scheibe macht im Ton einen klanglichen Sprung. Die erste „Wight Weedy Wight“, aus dem Jahr 2011, kam mit schweren Fuzzy-Doom Riffing. Der Zweitling „Deep Water“, von 2012, ertönte mit starken Psych Unterton. Somit setzen sie in ihrem Sound immer wieder neue Akzente und Schwerpunkte. Auf ihren Konzerten lässt sich das eindrucksvoll nacherleben. Dort herrscht regelmäßig eine andächtige Stimmung, das nicht nur an den Räucherstäbchen liegt, die sie seit ihren Anfangstagen entzünden. Die luftigen Stimmungen der neuen Songs verbreiten nun ein Live-Feeling, das wie ein groovender Faden durch das gesamte Album weht.

Die dreiste musikalische Wende beginnt mit dem Opener „Helicopter Mama“, der im August 2015 vorab als Single erschien, die Rückseite war „I Wanna Know What You Feel“. Die soulige und rauchkratzige Stimme von Hofmann schmiegt sich durch den Wah-getränkten 70er Jahre-Funkadelic. Es strotz so richtig vor Sexappeal. Es ist roh, tiefgehend und doch so leichtfüßig. Es ist der Hendrix-Psychedelic-Blues und es ist der harte Funk mit dem Einfluss von Sly Stone. Jedoch wird das große Ganze nie aus dem Auge verloren und der Mix kommt durchgehend stimmig rüber. Sie ziehen ihr Ding durch und führen das ohne Gnade auf den folgenden Songs genussvoll weiter.

Der heftige Rhythm’n’Blues und Funk verschmilzt zum Psych-Rocksound von „The Muse And The Mule“ und „Kelele“ bei dem Kirchpfening die Räume zwischen den Drums mit Shékere und Djembe füllt. Sehr schöne Passagen mit Ruhe klingen dazwischen und entspannte Soli lockern auf. Aber das hypnotisch psychedelische Herz flammt dann doch noch kurz auf in „Three Quarters“. Dann geht es mit dem klassischen Funk-infundierten Rock in „I Wanna Know What You Feel“ weiter, der mit Sitar Akzenten durchsetzt, an Humble Pie oder den frühen John Mayall erinnert.

Der kleine Song „Biophilia Intermezzo“ ist dagegen eine sehr seelenvolle Ballade und mit großen Herz gesungen. Die Explosivität des Sounds variiert von einem Takt zum Nächsten. Der Abschluss öffnet im längsten Song „The Love For Life Leads To Reincarnation“ mit einem Solo, das in den letzten vier Minuten fast zum Stillstand kommt. Die Band drückt weiter und weiter, bis sie schließlich wieder in die Ausgangsposition zurück kommen. Der Song ist hervorragend und unterstreicht die Kontrolle, mit dem „Wight“ ihr Material in dieses Stadium führt.

Ich kann nicht vorhersagen, was sie als nächstes ausbrüten werden. Sie scheinen Ihre Nische gefunden zu haben. Ihr dritte Produktion ist eine versierte Sammlung an vitalen und großartigen Songs. Damit haben sie sich völlig neu definiert. … (Charly)

Erschien am 16. September 2016 via Kozmik Artifactz mit 111x yellow red black marbled (Exclusive mailorder edition, handnumbered), 200x transparent blue, 200x black im deluxe gatefold Cover, als CD und digital auf allen erdenklichen Plattformen.

Line-up:
René Hofmann – Vocals, Guitar, Keys
Peter-Philipp Schierhorn – Bass, Additional Vocals
Thomas Kurek – Drums, Additional Vocals
Steffen Kirchpfening – Percussion, Additional Vocals

wight-band

Tracklist:
01 – Helicopter Mama (5:01)
02 – The Muse And The Mule (10:06)
03 – Kelele (9:30)
04 – Three Quarters (2:02)
05 – I Wanna Know What You Feel (4:18)
06 – Biophilia Intermezzo (2:59)
07 – The Love For Life Leads To Reincarnation (11:45)

Wight – Bandcamp

wight-lp

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