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John Garcia Acoustic Tour | Backstage München | 15. März 2017

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(jm) In den letzten zweieinhalb Jahren gab es gleich mehrere Gelegenheiten, Herrn JOHN GARCIA auf europäischen Bühnen zu erleben. Zunächst, um sein im Juli 2014 erschienenes, selbstbetiteltes, elektrisches Solowerk kennen zu lernen, kurze Zeit darauf folgten zwei Ausflüge in rein akustische Gefilde – einer davon begleitet vom THE DOORS-Veteranen Robby Krieger an der Gitarre. Für alle Freunde des Desert Rock aus Palm Springs waren das immer Abende mit Gänsehaut-Garantie, die sowohl eine Brücke zu den zeitlosen KYUSS-Klassikern der Neunziger schlugen, als auch das aktuelle Werk Garcia’s und seiner musikalischen Wegbegleiter gebührend zelebrierten. Für mich als Liebhaber der Szene also ein Pflichttermin, wenn jetzt die Live-Präsentation seines neuen Albums ansteht…

Der kleine Club des Münchner Backstage ist gut gefüllt, als Gitarrist und Co- Songwriter Ehren Groban und die Desert Rock-Legende auf die in atmosphärisches Kerzenlicht getauchte Bühne kommen. Bevor die ersten Töne erklungen sind, kann man sich noch nicht vorstellen, das nur eine Stimme und eine Gitarre in der Lage sein sollen, die Energie der „elektrischen“ Originale genauso in unsere Herzen zu übertragen. Und ehrlich gesagt, kann ich mich bei. Schreiben dieser Zeilen auch nicht mehr daran erinnern, ob der Opener „Gardenia“, „Space Cadet“ , „Kylie“ oder „5.000 Miles“ hieß. Neue und alte Songs fügen sich zu einem harmonischen Flow aneinander – als ob das schon immer so geplant war. Garcia wirkt von Beginn an sichtlich entspannter, als auf seiner ersten Akustik-Tour, macht von Beginn an Sprüche, erzählt Anekdoten und lässt keine Gelegenheit aus, um zu betonen, wie dankbar er dafür ist, hier zu sein und seinen musikalischen Traum erfüllen zu dürfen. Und hier geht es nicht um Perfektion, sondern darum, authentisch zu sein, das zu tun, wofür man wirklich steht. Und das kommt bei den beiden Musikern auf der Bühne offensichtlich tief aus dem Herzen. Hier ist nichts kalkuliert, auch nicht das Mischungsverhältnis des Wodka-Orange, den sich die beiden zwischendrin immer wieder genehmigen, so als ob sie daheim in Palm Springs auf dem Sofa sitzen würden. In sichtlicher Wohlfühlatmosphäre wird ein ca. 1,5 Stunden langes Set zelebriert, das für alle Freunde des Desert Sounds keine Wünsche offen lässt, auch wenn die elektrische Gitarre diesmal ausgestöpselt bleibt.

Rückblende: Vier Stunden zuvor treffen wir zum Interview im Münchner Backstage auf einen entspannten und offensichtlich sehr glücklichen Herrn Garcia. Gleich zu Beginn unseres Gesprächs klingelt sein Telefon – ein Skype-Anruf seiner Frau Wendy. Als ich ihn bitte, doch das Gespräch anzunehmen, erklärt er mir voller Dankbarkeit, dass sie die Heldin und der eigentliche Star der Show ist. Denn während er zwei bis drei Wochen durch die europäischen Clubs tourt, managt sie tausende Meilen entfernt den Familienalltag mit zwei Kindern in Kalifornien. „Sie macht es möglich, dass ich meinen musikalischen Traum leben kann. Wenn ich zurück bin, ist es für mich das Wichtigste, gemeinsam mit ihr und meinen Kindern Zeit zu verbringen. Wir arbeiten beide in Vollzeitjobs – da bleibt wenig gemeinsame Zeit und ich freue mich schon, wenn ich die Gelegenheit habe, meinen Sohn von der Schule abzuholen.“ Spätestens an diesem Punkt nehme ich zur Kenntnis, das ich einem Menschen gegenüber sitze, der mit seiner Musik nur ein Ziel hat – diese Leidenschaft zu leben, sie mit Gleichgesinnten zu teilen und andere Menschen zu berühren. Und das John Garcia – trotz aller Legenden um den Desert Rock – weit davon entfernt ist, ein Leben als Rockstar zu führen. Im Gegenteil, er arbeitet offensichtlich genauso hart wie viele von uns, um sich damit sein Leben mit den kleinen Träumen erfüllen zu können. Für Ihn ist das die Musik, die aus meiner Sicht im Laufe der Jahre immer persönlicher und emotionaler geworden ist, so als ob die raue Schale der Wüste ihren weichen Kern nun Stück für Stück preis gibt. Wer die akustische Version von „Green Machine“ aus dem Jahr 2017 mit dem elektrifizierten Rohdiamanten vom Album „Blues For The Red Sun“ von 1992 vergleicht, wird vielleicht erkennen, was ich damit meine.

Apropos „weicher Kern“: In meiner Rezension des im Januar erschienenen akustischen Solowerkes habe ich über den hintergründigen Titel „The Coyote Who Spoke In Tongues“ sinniert und dahinter nichts geringeres als eine politische Anspielung zur Wahl des US-Präsidenten vermutet! John lacht, als ich ihm davon erzähle, empfindet diese Interpretation der Geschichte aus aktuellem Anlass jedoch nicht minder passend und denkt sogar darüber nach, diesen „alternativen Fakt“ zukünftig zu erwähnen, falls die Frage nach dem Koyoten erneut gestellt wird. Die Wahrheit ist jedoch viel einfacher: „Ich habe meinen Sohn gefragt, wie er das Album nennen würde. Er war gerade begeistert von einem Cartoon, in dem ein Koyote die Hauptrolle spielte. Und so kam es zu besagtem Albumtitel.“

Wir könnten uns inzwischen sehr gut vorstellen, dieses entspannte Gespräch noch den ganzen Abend so fortzusetzen, doch der Konzertbeginn naht und unser Bier geht zur Neige, das uns John noch höchstpersönlich besorgt hat, als er feststellte, dass der Catering-Kühlschrank nur Wasser zu bieten hatte. Nachdem er uns verspricht, dass es schon im Sommer wieder „elektrisches Material“ vom Projekt JOHN GARCIA solo zu hören geben würde, verabschieden wir uns herzlich. Für lange Zeit müssen wir nicht voneinander Abschied nehmen, denn schon im Juni werden wir ihn mit der Legende SLO-BURN in originaler Besetzung auf dem FREAK VALLEY FESTIVAL wieder sehen. Und da das KYUSS-Album „Welcome To Sky Valley“ für das Festival mit dem bewussten Schild am Ortseingang von Netphen-Deuz als inspirierender Pate verantwortlich zeichnet, kommt hier wohl zumindest im Geiste endlich zusammen, was zusammen gehört. Auch wenn ich nicht weiß, was Wendy dazu sagt, ich freue mich schon sehr darauf. Und „Freedom run…“ (Jens M.)

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