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Night Demon – Darkness Remains

(js) Ich glaube nicht, dass man übertreibt, wenn man behauptet, die drei Kalifornier haben mit ihrer 2012er Debut EP wie auch dem anschließenden 2015er Album „Curse Of The Damned“ die metallische Leder- und Nietenwelt im Sturm erobert. Dieser arschtretende Mix aus „New Wave Of British Heavy Metal“ und dem frühen 80er US-Metal à la „Omen“ oder „Riot“ funktioniert auch in der Neuauflage. Zwei Jahre sind seit dem LP-Erstling ins Land gezogen. Zwei Jahre, in denen die US-Boys fast ausnahmslos tourten und zuletzt den ersten, und bis dato auch einzigen, personellen Wechsel vollzogen haben. Mitgründer und Gitarrist Brent Woodward ist durch Armand John Anthony ersetzt worden, der auch für diesen zweiten Longplayer bereits verantwortlich zeigte.

Nachdem dieser nun vorliegt, fragte sich der Rezensent im Vorfeld bereits, inwieweit die Jungs gedachten, ihr Erfolgsrezept auf der nächsten Scheibe fortzuführen. Sie machten dabei glücklicherweise nicht den Fehler, sich neu erfinden zu wollen, gleichwohl aber feilten sie am Songwriting und auch der Wechsel am Sechssaiter machte sich wohlwollend bemerkbar. Anthonys Riffing klingt komplexer, irgendwie ausgefeilter und cooler eben. Es gibt 38 Minuten lang, verteilt auf 10 Songs, kompromisslos schnell und melodisch zugleich, auf und in die Gehörmuscheln. Catchy oldschool Songwriting paart sich hier ganz wunderbar mit großartigen Melodien und man kann einfach nicht anders, als sich der frühen metallischen Achtziger zu erinnern:

„Raise your fist, bang your head, abuse your air guitar and sing along at the top of your lungs“.

Der X-Faktor dieses Outputs der Nachtdämonen ist und bleibt jedoch das Songwriting. Dieses Album schreit danach, bei jedem Durchlauf einen neuen Lieblingssong zu finden. Jeweils knapp 4 Minuten lang macht keiner der Songs Gefangene. Zwischen dem großartigen, hymnisch eingeleiteten Opener „Welcome To The Night“ und Track 7 namens „Black Widow“ befindet sich tatsächlich nur ein Lied, in dem die Jungs ein wenig Fuß vom Gas nehmen. Dieser Track, „Stranger In The Room“, ist eine doomige Nummer, die vielleicht eine Antwort auf „Howling Man“ von ihrem Debutalbum ist. Sabbatheskes Riffing verbindet sich hierbei dämonisch gut mit Jarvis Leatherbys kraftvoller Stimme, wenn er über das mysteriöse Böse singt, das wartet bis er allein ist, um ihn zu holen und ihm das Leben auszusaugen. Einfach dämonisch perfekt inszeniert.

Ungewohnt aggressiv sind Jarvis Vocals in „Hallowed Ground“. Nichtsdestotrotz perfekt für diesen. „Maiden Hell“ ist eine musikalische Ehrerweisung an die Eisernen Jungfrauen und wartet textlich mit einer Aneinanderreihung von Maiden-Titeln auf. Und geht genauso nach vorn wie auch „Black Widow“. Und ja, vielleicht würde man bei diesen 2 Songs sogar von Fillern sprechen, wenn sie nicht von „Night Demon“ veröffentlich worden wären. Aber diese bandtypische Energie samt den starken melodischen Gesangslinien macht es quasi unmöglich, diese wieder aus dem Kopf zu bekommen. Was diese beiden Songs, wie aber auch das Gros der neuen auszeichnet, ist die Tatsache, dass im Vergleich zum Vorgängeralbum nicht mehr ein „rate mal, woher dieses Riff stammt“-Spielchen gespielt werden kann. „Night Demon“ sind eigenständiger geworden, und das ist auch gut so.

Bei den letzten drei Titeln des Albums scheinen ND ein wenig ihre musikalischen Flügel auszubreiten und ihr Repertoire überraschenderweise erweitern zu wollen. „On Your Own“ ist zwar ein „straight-up no-frills“ NWOBHM Song, der aber durch angenehme Tempiwechsel besticht und somit die Adrenalinstöße der vorherigen Songs abmildert. Hier ist tatsächlich weniger auch mal mehr. Der vorletzte Track „Flight Of The Manticore“ hingegen ist der erste Versuch der Band sich rein instrumental auszutoben. Und klingt für mich wie eine gelungene musikalische Verbeugung vor Maidens „Flash Of The Blade“ von deren 85er Output „Powerslave“. Lebhafte Riffs und eine coole Dynamik samt musikalischer Breaks sorgen für beste Headbanging-Untermalung.

Highlight des Albums ist für mich aber der das Album abschließende Titelsong, „Darkness Remains“ macht mit seinem verzerrten Gesang und einer düsteren Grundstimmung dem Titel alle Ehre. Das Stück beginnt mit einer ruhigen, sauberen Gitarrenlinie und quälenden wie gleichermaßen weichen Vocals, die uns “Close your windows, lock your door. There’s a full moon out tonight” entgegnen. Durch diese effektgeladene Stimmverzerrung klingt es fast als singe Jarvis vom Grunde eines Swimmingpools. Oder, um den stets düsteren und mit Horrorelementen versehenen Texten gerechter zu werden, mitten aus dem Grab. Uns warnend vor der Dunkelheit, die mit ihm einziehen wird. Das Lied wechselt zwischen clean Parts und einer zerstörerischen Kaskade aus Gitarren und Drums, nimmt dabei aber niemals die gewohnte ND Geschwindigkeit auf. In den dreieinhalb Minuten pendelt das Lied zwischen Armands heroischem Solo und ausklingenden Keyboardklängen. Diese finale Begräbnisode könnte dank Jarvis‘ unheimlichem Gesang und ‘vintage sounding chord progressions  auch auf „The Groundhogs“ Blues Obituary Album aus dem Jahre 1969 enthalten sein. Ein großartiger Abschluss eines gelungenen Zweitwerks.

Letztlich muss aber jeder Hörer selbst entscheiden, was er von Night Demon erwartet hat. Wer innovative, bahnbrechende Neuerungen zu finden sucht muss zweifelsohne enttäuscht sein. Wer aber mit Heavy fucking Metal, damönisch vereint mit einer gehörigen Prise Oldschool-Dynamik durchaus klar kommt dürfte mit diesem Output seinen musikalischen Frieden finden. Ich sehe zudem weitaus mehr Potenzial in ND als in vielen ihrer jungen, musikalischen Zeitgenossen, die sich ebenfalls den „Retro“-Klängen des traditionellen NWOBHM verschrieben haben. „Night Demon“ haben mit „Darkness Remains“ einen weiteren, reiferen Schritt hin zur Übernahme der metallischen Weltherrschaft getan. Und ich sehe mich ein wenig darin bestätigt, dass ich schon weiland 2015 behauptet habe, dass, wenn eine amerikanische Band den Ehrgeiz, den Arbeitsethos und die Ambitionen hat, den metallischen Untergrund alsbald zu verlassen, dies höchstwahrscheinlich Night Demon sein werden. Also stellt euch diesen Jungs nicht in den Weg. Sie sind angekommen.

Anmerkung zur „Limited Edition“: Über das Cover vom Queen-Klassiker „We Will Rock You“ sollte man, fast schon erwartungsgemäß, einfach mal den Mantel des Schweigens legen. „Turn Up The Night“ von Sabbath passt zwar besser ins Bandkonzept der Nachtdämonen, einen Gefallen tun sie sich meines Erachtens damit aber auch nicht. Dies zeigt mir aber eben, dass sie mittlerweile stark genug sind, sich nicht mit fremden Federn schmücken zu müssen….(JensS)
Tracklist:
01. Welcome To The Night
02. Hallowed Ground
03. Maiden Hell
04. Stranger In The Room
05. Life On The Run
06. Dawn Rider
07. Black Widow
08. On Your Own
09. Flight Of The Manticore
10. Darkness Remains

Bonus Tracks der “Limited Edition”:
11. We Will Rock You (Queen Cover)
12. Turn Up The Night (Black Sabbath Cover)

Sehen kann man die Jungs noch auf folgenden Festivals:
04.06.2017, Rock Hard Festival
27.07.2017, Headbangers Open Air

https://www.facebook.com/nightdemonband/
https://www.nightdemon.net/

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