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Malta Doom Metal Fest 2017 Edition IX / 27.10.-28.10.2017, Chateau Buskett Malta

(hjs) Also wenn es Atlantean Kodex nicht geben würde…dann wäre ich wahrscheinlich dieses Jahr nicht nach Malta gefahren. Mein Ziel, alle ihre Konzerte in 2017 zu sehen führte mich letztendlich dorthin. Das Line-Up war eine Mischung aus Altbewährtem und Unbekanntem und es sollte sich wieder herausstellen, dass es eine amtliche Mischung war, die die Veranstalter zusammenstellten. Auf der Running Order liest sich das wie folgt:

Aber drehen wir die Uhr einen Tag zurück und begeben uns in den Club „The Garage“ zur Blood, Sweat & Bulletts Pre-Party. Neben Musik vom Band gab es noch eine Live Packung mit Noogie’s Crew, 12th Ode und X-Vandals. Letztere konnte ich wegen marginaler Shuttle Probleme nicht mehr sehen, aber die anderen beiden hatten es schon drauf. Der Opener glänzte mit aus ganzem Herzen gespieltem Hard Rock, ergänzt um eine besondere Old-School Note. Sänger und Gitarrist Nigel kündigte einen Song an, den sein Vater und Bassist der Band Charles vor 30 Jahren, noch für seine Band Overdose, geschrieben hatte, namentlich „Breakout“. Zum abschließenden „Warriors Of The World“ wurden nochmal Fäuste gen Himmel gereckt.

12th Ode spielten feinen, lupenreinen Heavy Metal. Die Einflüsse reichen von Deep Purple bis Witchfinder, die Stücke sind allesamt sehr ausgewogen komponiert. Mein Highlight war „Blind Fury“ das ich leider nicht auf Tonträger erwerben konnte.

Freitag Abend war es dann soweit, das Chateau rief und so hieß es also: „Rein in den Shuttle und los“. Das war leider nicht so einfach, da sich mindestens die doppelte Menge an Mitfahrern eingefunden hatte. Irgendwie wurden dann doch individuelle Lösungen gefunden, so dass alle pünktlich zum Opener vor Ort waren.

Eröffnet haben King Witch aus England mit „Shoulder Of Giants“, dem Opener der EP, und zeigten gleich, in welche Richtung es gehen wird. Natürlich Richtung 70er, aber nie als Imitation, immer eigenständig. Der Vierer mit Frontfrau Laura Donelly überzeugte auf der ganzen Linie und machte Lust auf mehr.

Dann gab sich die erste Band aus Deutschland die Ehre, High Fighter aus Hamburg schickten sich an, die Vorlage der ersten Band aufzunehmen. Auch mit Frontfrau, Mona Miluski, versehen füllten sie die Heavy Blues/Stoner Ecke klanggewaltig aus. Eine weitere Entdeckung für mich.

Dann der erste Höhepunkt des Abends. Atlantean Kodex stiegen mit „Enthroned In Clouds And Fire“ in ihr Set ein und fuhren hier schon den Punktsieg in der Kategorie Mitsingen ein. Kaum eine Band der letzten Jahre polarisierte mehr als die Franken, letztendlich spielten sie einen ihrer besten Gigs an diesem lauen Sommerabend auf Malta. „From Darkness Grows Light…“ Ihr wohl ergreifendstes Stück „Twelve Stars…“ kam natürlich zum Schluß und sorgte für warme Herzen der Fans und manch eine Träne im Augenwinkel.

Zu lange durfte man das allerdings nicht in sich wirken lassen, denn Desaster knüppelten es einem gleich wieder aus Herz und Hirn. Fast die ganze Bandbreite der bereits erschienenen Alben wurde halsbrecherisch der Meute zum Fraß vorgeworfen. Natürlich durften auch die Mitsummer „Teutonic Steel“ und „Metalized Blood“ nicht fehlen. Als Zugabe noch „In A Winter Battle“ und dann war Schluß. Dachte man…und man dachte falsch. Es folgte noch Risen Prophecy. Diejenigen, die vor der Bühne ausharrten, wurden mit feinstem Heavy Metal, angesiedelt in der NWOBHM, abgerundet mit Thrash Einflüssen, belohnt. Die Band aus Sunderland war ein gelungener Abschluss des ersten Abends.

Am zweiten Tag ging es schon um 15:00 los. So war das Gelände auch schon gut gefüllt. Allerdings hatte man die Rechnung ohne Hell gemacht. Die benötigten einen ausgiebigen Soundcheck, legten erst einmal den Bierverkauf lahm und sorgten noch für eine gehörige Verspätung auf der Running Order. Die Ehre des Openers hatten die Malteser „A Broken Design“. Leider sorgten der Sonnenschein und wahrscheinlich das Nachholbedürfnis der durstigen Kehlen dafür, dass mehr Leute vor als in dem Raum waren. Sie verpassten allemal einen wiederum amtlichen Opener. Schöner Stoner Rock wurde geboten. Gleich mit dem Opener „Feel The Rage“ zogen sie mich in ihren Bann. Diese Band werde ich sicher weiter beobachten.

Aus der gleichen Genre Ecke, allerdings mit etwas härterem Einschlag, kommen die Italiener No Good Advice. Mit dem neuen Album „From The Outer Space“ im Gepäck, das sie auch ausgiebig vorstellten, lieferten auch sie eine sehr gute Performance und stellten sogar mit „Frozen Tide“ ein neues Stück vor. Das nächste war nicht so meins, etwas zu sehr Core-lastig erschien es mir. Die Rede ist von Rage Of Samedi, einer Band aus Zweibrücken. Da ich aber nicht das Maß aller Dinge bin, haben andere genug Spaß und das ist auch gut so. Anders sah es bei Witchwood aus. Die Band, die auch noch einmal auf dem Hammer Of Doom zu sehen sein wird, weckten schon durch ihre Instrumentalisierung mein Interesse, eine Querflöte sollte Bestandteil eines beeindruckenden Klangbildes werden. Zum Soundcheck mal gerade „Gypsy“ von Uriah Heep angespielt und die Ohren waren gespitzt. Die Anzahl der Songs war eher gering, da fünf Minuten Länge mindestens Pflicht war, „Handful Of Stars“ sprengte sogar die 10 Minuten Marke. Mit „Liar“ wurde noch eine schöne Coverversion zum Besten gegeben. Eine kurzfristige Reparatur des Schlagzeugs wurde professionell überbrückt. Auch bei dieser Band werde ich am Ball bleiben.

Essenszeit! Leider mussten Excruciation dieser Pause zum Opfer fallen. Hole ich aber bestimmt nach. Dann war es Zeit für reinsten NWOBHM. Sacrilege aus England, auch schon in den 80ern umtriebig, beschallten die Hütte. Ihre Einflüsse sind Black Sabbath und Judas Priest, ihre Musik ein guter Mix aus beidem. Die Hütte war voll, die Band hatte richtig Spielfreude – alles richtig gemacht.

Wheel, wiederum eine Band aus Deutschland, genaugenommen Dortmund, ist schon seit mehr als 10 Jahren unterwegs um kernigen Doom Metal unter die Leute zu bringen. Die Theatralik von Sänger Arkadius Kurek unterstrich sehr gekonnt den musikalischen Ausdruck der Band. Für mich neu, ein Tape vom Hammer Of Doom ging gleich in meinen Besitz über.

Jetzt kam der Moment in dem man die Spannung greifen konnte, der Meister des Doom, Leif Edling höchstpersönlich betrat die Bühne. The Doomsday Kingdom stand auf dem Programm und machte klar, wer hier das Sagen hat. Heavy Metal trifft Doom, in diesem Fall Niklas Stålvind und Leif Edling. Was soll man sagen, es hat funktioniert. Komplettiert durch Gitarrist Marcus Jidel, u.a . auch von Avatarium bekannt, und Schlagwerker Andreas Johansson lieferten die Schweden eine Stunde Doom Material vom Feinsten ab.

„Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los…“ Es erscheint schon zynisch, dass bei der Band mit dem ausgiebigsten Soundcheck am meisten schief ging. Nicht nur die auf gefühlte „12“ aufgedrehte Lautstärke, nein zu allem Überfluss funktionierten auch die Samples nicht. Das ließ David Bower nicht unkommentiert:Satan works in his mysterious ways…“ Die Antwort des Publikums kam prompt: „Satan, Satan,..“. Einfach köstlich. Musikalisch gab es nichts auszusetzen. Hell überzeugte auch ohne Pyro- und Spezialeffekte durch grundsolide musikalische Arbeit, natürlich unterstützt durch die Theatralik ihres Sängers. Ein bunter Abriss durch beide Alben ging viel zu schnell vorbei.

„In A World Devoid Of Divinity, Only The Human Remains…“

Fazit: Ein tolles Festival in eigener, stimmungsvoller Atmosphäre. Die Bandauswahl war vorzüglich, Speisen und Getränke im Preis angemessen und lecker. Hierher verirren sich nur Leute die wegen der Musik dort sind. Natürlich bleibt Zeit und Muße für ein Gespräch, vielleicht verpasst man dadurch auch eine Band. Macht nichts, das Gesamtpaket zählt. Daher ist dieses Festival fester Bestandteil meines Festivaljahres geworden. Bitte weiter so!

Danke an Noel und Glen für die Akkreditierung und organisatorische Unterstützung.

See you next year again!

Link zum Festival: https://www.facebook.com/maltadoommetal/

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