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Rose Tattoo – Live In Brunswick 1982 / 2017 remastered

(js) Wir schreiben das Jahr 2017 und nahmen bereits wohlwollend zur Kenntnis, dass die arschtretenden australischen Rock’n’Roller „Rose Tattoo“ sich zu einigen Festivalauftritten haben hinreißen lassen. Als wäre dies nicht genug – und das ist es eben auch nicht – kündigten sie zudem für 2018 ein neues Album und eine ausgedehnte Tournee an. Und gerade in Zeiten, in denen es um AC/DC aus diversen Gründen musikalisch leider etwas ruhiger wird, scheint sich hier der fünfte Kontinent noch einmal ordentlich ins Zeug legen zu wollen.

Nebst diesen wunderbaren Neuigkeiten, haben die Jungs um Angry Anderson sich zudem hinreißen lassen, den legendären 1982er Gig im „Bombay Bicycle Club“ in Brunswick (nein, gemeint ist nicht das gleichnamige deutsche Einödchen, sondern jenes im australischen Bundesstaat Victoria) auf Rille zu pressen. Das Ganze dann auch noch remastered. Die ersten Leser zucken jetzt ggf. etwas zusammen, aber es sei ihnen versichert, dass „remastered“ in diesem Falle so überhaupt nicht „klinisch tot produziert“ bedeutet. Der Sound ist fett und lässt ausreichend Spielraum für den räudigen, dreckigen Rock’n’Roll-Sound, der diese Band stets ausmachte.

Aber flugs zurück ins Jahr 1982. Zugleich auch DER Ära der australischen Pubrockszene. Bis zu diesem Jahr hatten „Rose Tattoo“, die sich Mitte der Siebziger zusammen fanden, bereits ihre drei absoluten Klassikeralben veröffentlicht und warteten in Brunswick mit einem gelungenen Querschnitt dieser Alben auf. Und die „Tatts“ schienen zum damaligen Zeitpunkt nicht nur ihren musikalischen Zenit erreicht zu haben, sondern darüber hinaus auch den Blues Rock der Kollegen von „AC/DC“ auf ein noch dreckigeres, punkigeres Niveau heben zu wollen. Dies ging schon damals aber leider nur mit einem häufig rotierenden Line-Up vonstatten. Verlassen der Band, Wiederkehr, Reformationen. Und sechs ehemalige Mitglieder sind auf diesem langen, mittlerweile knapp 40 Jahre andauernden, Weg schon verstorben. Die Band gründete sich einst aus ehemaligen Mitgliedern von „Buffalo“ und „Buster Brown“. Ihre ersten drei Alben wurden von Vanda & Young produziert, dem Team, das auch für die frühen AC/DC-Alben verantwortlich war.

In jenem Jahr 1982 bestand die Band aus Sänger und Gallionsfigur Angry Anderson, den Gitarristen Pete Wells und Rob Riley, Bassist Geordie Leach sowie Schlagzeuger Dallas ‚Digger‘ Royall. Das Konzert, es klingt tatsächlich auch wie eine Club-Aufnahme, beginnt mit dem grundsoliden „Out Of This Place“. Und eins wird schnell klar: dieser Gig ist von Anfang an rau und energiegeladen – und kommt exakt so und nicht anders auch herüber. „Bad Boy For Love“ ist eine weitere klobige Nummer und birgt eine starke AC/DC-Kante in sich. Nur eben roher, erdiger. Es folgt „Assault And Battery“, der Titeltrack ihres zweiten Longplayers. Hier beginnt es in atemberaubender Art und Weise mit frenetischen Slidegitarren und Street-Level-Texten, ein Track, der (in welcher Form auch immer) lauthals schreiend auffordert, gehört zu werden.

Im Grunde sind ohnehin fast alle Klassiker enthalten. Mein absoluter Lieblingssong der „Tatts“, das bluesige, eher stampfend daher kommende „The Butcher And Fast Eddie“ wie auch „Rock’n’Roll Is King“, welches mit einem gottgegebenen Riff brilliert. Vom damals aktuellen Album „Scarred For Life“ werden noch „Texas“ „Branded“, „Juice On The Loose“ und der Titletrack als Rausschmeißer gespielt. Und davor hat der musikalische Herrgott dann nur noch das energiegeladene „Rock’n’Roll Outlaw“ gesetzt. Eine Setlist wahrlich, die ihres Gleichen sucht, auch wenn ich – so ehrlich will ich bei allen Jubelarien sein – „Nice Boys“ schon vermisse. Nun gut, man kann wohl nicht alles haben.

Obwohl das Album mit der Erkenntnis eines 35-jährigen technischen Fortschrittes remastered wurde, hat es doch so gar nichts von seiner Energie und Rohheit verloren. Man könnte fast den Verdacht haben, dass – um mal eine Brücke zur heutigen Smartphone-Generation zu schlagen – dieses Konzert von einem Zuschauer aufgenommen wurde, der damals seinen Walkman in die Höhe hievte und dabei die „Rec“-Funktion gedrückt hielt. Diese Aufnahme schafft es jedoch trotz Nachbearbeitung den rohen Bootleg-Charakter einfach nicht zu verlieren. „Rock’n’Roll“ Historie kann man wohl kaum authentischer und erdiger erleben. Und man kann nur erahnen wie schweißgebadet und biergetränkt das Pubpublikum diesen Gig in sich aufgesogen hat. Da mir dieses damals leider nicht live zuteilwurde, versuche ich nun, 35 Jahre später, so viele Emotionen wie möglich daraus aufzusaugen. Und als Liebhaber der „Tatts“ samt ihres räudigen slideguitar-lastigen Sounds und ihres charismatischen Sängers und Urgesteins Angry Anderson musste ich mich eben dafür einfach nur fallen lassen. Nachdem ich den Regler der Anlage zuvor auf 11 gestellt habe.

Das Jahr 2018 kann also kommen. Und mit ihm „Rose Tattoo“, die zu ihrer avisierten Welttournee mit niemand geringerem als Mark Evans anreisen wollen.
http://www.rosetattoo.com.au/
https://www.facebook.com/RoseTattoo/

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