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Dworniak Bone Lapsa – Fingers Pointing At The Moon

Retro Prog aus Süd England

(ro) Draußen dräuen die Wolken über dem Bergischen Land. Türmen sich auf, rollen heran, verändern sich. Zu diesem Naturschauspiel gehören unbedingt mächtige, poetische Töne und symphonische, bedeutungsvolle Klangwelten mit lyrischem Inhalt, wie sie „Dworniak Bone Lapsa“ auf ihrem Konzeptalbum „Fingers Pointing At The Moon“ eindrucksvoll erschaffen.

Das Trio aus Südengland, bestehend aus Joe Dworniak (bass, synthesizers), Greg Bone – (guitars) und Chris Lapsa – (lead vocals / rhythm guitars, synthesizers), verblüffen mich ab der ersten Minute und beamen mich in vergangene Zeiten zurück.
Zeiten, in denen ich jung war.
Denn nicht nur der Albumtitel weckt sogleich Assoziationen an das legendäre Pink Floyd Album „Dark Side Of The Moon“ aus dem Jahr 1973, es scheint auch fast so, als sei der Geist von Pink Floyd durchs Studio geschwebt und habe hier und dort seine Spuren hinterlassen.

Eine Art Nostalgie umweht das gesamte Album, es wirkt wie in einer Zeit entstanden, als die Zukunft, zumindest für mich, noch voller romantischer Verheißungen und Träume war.
Wobei – Träume zu haben, das ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach, wie man meinen könnte.
Ich muss gestehen, dass ich „Dark Side Of The Moon“ alle paar Jahre wieder in nostalgischer Stimmung aus dem Schallplattenregal fische und den überwältigendem Sound und die message der mit glasklarem Blick betrachteten Themen, wie z.B. innere und äußere Konflikte, verrinnende Zeit, stete Vergänglichkeit und die Hektik der Gegenwart, goutiere.
Experimentell, strukturell komplex und außergewöhnlich – so empfand ich „Dark Side Of The Moon“ damals.
Eine musikalische Gegenwelt voller geschmeidiger Finesse, in der ich mich, von der eigenen Vorstellungskraft beflügelt, einfach treiben lassen konnte.
Hierhin und dorthin.
Und auch heute stelle ich immer wieder fest, dass sämtliche in den Texten angesprochenen Probleme von einer Lösung genauso weit entfernt sind wie vor fünfundvierzig Jahren.
Aber ich schweife ab.
Also zurück zu „Fingers Pointing At The Moon“.

Schon der erste Track des Albums, betitelt „Mortalman“, ist mit seinen elf Minuten Länge dazu angetan, die ganze Weite des Universums auszufüllen. Alles ist total stimmig und sitzt perfekt.
Traumschöne Melodiebögen, weich, rund und harmonisch, ab und zu gewürzt mit einer schönen Dosis Rock, Pink Floyd-Lastig und doch mit eigener Prägung.
Mit der Unterstützung des ausgezeichneten Gastmusiker Robert Wyatt, der hier ein wunderbares Trompetensolo präsentiert, vermag die Band sogleich ein wärmendes Gefühl von Verbundenheit und Vertrautheit aufzubauen und beweist gleichzeitig ihr Händchen für ideenreiche Klänge von atmosphärischer Schönheit.
So tönt Musik, die das Herz erreicht.
Genau so.

Oh ja, dieses sehr hörenswerte Debütalbum ist die edle Produktion einer wunderbaren Klangwelt voller Weite und Tiefe, ein leidenschaftliches, komplexes Ganzes und doch voll an Eigenheiten.
Es nimmt den Hörer/die Hörerin mit auf eine Reise, die irgendwo weit weg von dieser Welt existiert. Vielleicht irgendwo im Inneren.
Es wird spacig, euphonisch, verschachtelt und symphonisch, ist aber trotz phasenweiser Ausschweifigkeit immer songorientiert.
Hier werden psychedelische Farben und Klänge geboten, die Szenerien vor dem geistigen Auge erstehen lassen, in denen die Hörerin, also ich, wie in einem poetisch bebilderten Buch blättern kann.
Über allem liegt eine Aura von versonnener Melancholie, in der aber auch immer wieder dem Glück so manch schöne Intervalle bereitet werden.
Oh ja, Imagination ist ein hohes Gut, welches wir jedoch ab und an leider vernachlässigen.
Das sollten wir ändern!

Zum Schluß noch ein Wort zur Verpackung:
leider nur eine äußerst schlichte, billige Pappschuberhülle in schwarz-weiß-grau, nichtssagend und ohne jegliche Infos oder ansprechende Artwork.
Wie schade! Da hätte ich mir mehr gewünscht!
(..Rosie..)

Gastmusiker:

Robert Wyatt – trumpet
Jim Watson – keyboards
Danny Cummings – drums / percussion / backing vocals
Melvin Duffy – pedal steel guitar
Phil Smith – baritone saxophone.

Songliste:

1. Mortalman (feat. ROBERT WYATT)
2. Home
3. I See Through You
4. Conversations In My Head
5. Justify
6. Home (Slight Return)
7. It Only Takes A Second
8. Funny Farm
9. Fingers Pointing At The Moon

http://dworniakbonelapsa.com

Foto: entnommen von der „Dworniak Bone Lapsa“ website
Label: Platinum Pursuits
Vertrieb: H`art

Filed under: Album Reviews, Art-Rock, Folk, , , , , , , , , ,

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