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Lake On Fire 2018 – Bericht einer Helferin

(pmck) Seit zwei Jahren habe ich die Ehre, bei einem der begehrtesten DIY Stoner Festivals Mitteleuropas mitzuhelfen. Das Lake On Fire, kurz LOF, geht seit 2012 jährlich in Waldhausen im Strudengau über die Bühne. Das kleine Dorf befindet sich in Oberösterreich, dort ist es schön gemütlich hügelig und es gibt sehr viel hübschen Wald und Wiesen. Unmittelbar in der Nähe von Waldhausen fließt sogar die Donau… Nachdem wir dieses Jahr auf dem Weg zum LOF wiederholt in stundenlangen Staus standen, hätte es sich sicherlich gelohnt, mit dem Boot von Ulm zu fahren. Man lernt wirklich jedes Jahr was dazu!

Das LOF fand dieses Jahr am dritten und vierten August statt. Der Aufbau ging bereits knapp eine Woche vor den Doors los. Zwei andere Helfer und ich sind am Montag Mittag losgefahren, haben noch einen Helfer in Salzburg abgeholt und sind dann knapp nach elf Uhr nachts in die Venue angekommen. Sie ist leer und dunkel. Trist, wie Ankünfte immer sind. Wenn man sich noch nicht eingelebt hat, wenn die bekannten Gesichter noch nicht gesichtet wurden. Ich wurde benachrichtigt, dass es bereits laufendes Wasser gibt und die Toilettenwägen schon da sind. Licht gibt es aber keins, also ziehen wir mit Taschenlampen los, um uns den Stand der Dinge zu betrachtet. Viel kann ich nicht sehen, darum heißt es für mich Zähne putzen und ab ins Bett. Ohne Licht kann ich das schräge Gelände im Backstage Bereich, a.k.a. mein Zuhause für die kommende Woche, nicht richtig sehen. Damit fällt das Thema Zeltaufbau natürlich flach. Das Backstage Zelt ist bereits aufgebaut. Dort pumpen wir unsere Luftmatratzen auf – schlafen auf dem Holzboden, der schön eben ist. Unter einem wunderbaren Sternenhimmel. Gut, um Energien für unseren ersten Aufbautag zu tanken. Schnitt. Schlafen.

Am Dienstag wache ich recht früh auf. Meine Schlafmaske ist während der Nacht verrutscht. Um knapp nach fünf Uhr dreißig geht die Sonne auf und sobald sie da ist, wird es extrem heiß. Wir wissen alle, dass dieser Sommer komplett verrückt ist. Die Temperaturen sind seit Wochen, gar Monaten, extrem hoch für mitteleuropäische Sommerverhältnisse. In mehreren Regionen regnet es seit Längerem nicht mehr. Aber Oberösterreich ist nicht trocken. Oh nein, dort ist es wirklich extrem schwül. Ich muss mittlerweile echt die Augen verdrehen, wenn Menschen mir sagen: „Als Brasilianerin bist du dieses Wetter doch gewöhnt, oder?“ Denn da, wo ich in Brasilien gelebt habe, ist im Sommer trockene, super gut auszuhaltende Hitze mit einem Monsunregen am Tag angesagt. Das LOF Gelände ist von Wald und Wasser umgeben, die Luftfeuchtigkeit macht trotzdem richtig platt. Vor allem, wenn körperliche Arbeit ansteht.

Ich laufe herum. Ich sehe erst jetzt, wie viel eigentlich schon aufgebaut wurde. Die Bühne steht, auch wenn noch ohne Technik, die erst am Donnerstag ankommt. Sogar schon mit Absicherungen und Mesh Planen. Das große Lake On Fire Plakat war bereits an der Bühne festgemacht. Dies waren Aufgaben, bei denen ich am vorherigen Jahr erst am Donnerstag mitgeholfen hatte. Es scheint so, als wäre dieses Jahr alles noch koordinierter wie beim letzten Mal. Schön! Freut mich, dass sich das Festival so schnell weiterentwickelt. Ich laufe und laufe herum, schaue mir die leere Venue an, den See, die Wiesen… erinnere mich an alle mögliche Ereignisse des letzten Jahres. Wie extrem schön es ist, wieder hier zu sein. Wie frei ich mich wieder fühle. Ich schaue zum Campingplatz Bereich. Noch ist dort nichts aufgebaut. Ich laufe zurück zu meinem Quartier. Es ist fast acht Uhr. Fakt ist, ich brauche einen Kaffee, bevor ich Menschen mit meiner morgendlichen Laune begegnen kann. Der Helfer, aus Salzburg, den ich letztes Jahr auf dem LOF kennengelernt habe, kommt angelaufen. Er meint, er schlafe in einer Pension, wo wir Kaffee bekommen und auch frühstücken können. Wir machen uns auf dem Weg.

Der Frühstück ist ausgiebig. Brötchen aller Art, sehr guter Kaffee, eine riesige Platte mit Wurst, Käse, Marmelade, eine kleine Portion Rührei. Ich bin Vegetarierin und bekomme meine eigene Platte mit genug Käse für drei hungrige Teenager. Beim Frühstück in der Pension treffe ich das nächste bekannte Gesicht. Er ist bereits am Samstag von Griechenland eingereist. Es wird geplaudert, gelacht, genossen. Die Stimmung ist sehr gut. Alle sind glücklich. Alle fühlen sich wohl. Wir machen auf dem Weg in die Venue einen Pitstop beim Supermarkt und bei der lokalen Tabakecke, die Tabaktrafik hat. Der Traum jedes Rauchers – in den österreichischen Läden mit dem Trafikzeichen kosten Tabakwaren viel weniger als in Deutschland, denn sie werden ohne Preisaufschlag verkauft.

Der Weg zurück von Pension zur Venue fühlt sich mit vollem Magen und zunehmenden Temperaturen viel länger an. Es wird ein harter Tag. Ich laufe an einen Insektenhotel vorbei. Und finde es nett und super rücksichtsvoll, dass so etwas gebaut wird. Vor allem wegen der Bienen. Mauerbienen sind von sowas große Fans. Gleichzeitig läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken – ich bin Bienenallergikerin und mag Insekten nicht wirklich. Ich laufe an einem Tennisplatz vorbei, wo Kinder unterrichtet werden. Ich laufe am Campingplatz des LOF entlang, da steht ein Auto. Höchstwahrscheinlich einer der Veranstalter. Auf dem Gelände des Festivals kommen nach und nach Helfer an. Alle sind mir vom letzten Jahr bekannt. Die meisten sind Österreicher. Ach, die oberösterreichische Freundlichkeit. Auch wenn ich trotz meiner Liebe zu Dialekten zu 90% absolut nicht verstehe, was sie sagen, kapiere ich ihre Emotionen. Immer nett, lächelnd, hilfsbereit. Es wird weiter geplaudert, gelacht, genossen. Die Stimmung ist weiterhin prima. Alle sind immer noch glücklich und fühlen sich wohl. Was heute ansteht? Dies und das. Sichtschutzgitter müssen um das Gelände aufgebaut und mit Mesh überzogen werden. Dabei helfe ich mit, bis es Zeit für Mittagessen ist. Jedoch ist es den meisten – mir inklusive – zu warm zum Essen. Ich entscheide mich für die verdiente Siesta. Schnappe mir eine Isomatte und lege mich im Schatten hin. Manche tun das auch, andere gehen im See schwimmen. Bis 18 Uhr ist hitzefrei angesagt.

Sobald es kühler wird, stehen die Leute wieder zum Helfen bereit. Für mich und ein paar anderen ist Campingplatzmarkierung angesagt. Heißt: Campingplatz ablaufen und in Park- bzw. Zeltbereiche aufteilen. Ich bin für das Bandziehen verantwortlich und laufe das Campingplatzgelände locker 10 mal hoch und runter. Da wo es sonnig ist, brennt es auf die Haut. Wo bereits Schatten herrscht, bekomme ich ständig Bremsenstiche. Nach der Aktion fühle ich mich wie ein Fußballspieler nach zwei Halbzeiten. Die Arbeit ist für heute getan – und wir sind sehr weit voran gekommen. Ich laufe zurück zur Venue, um mir Geld für das Abendessen und frische Klamotten zu holen. Zwei Helfer schlafen in der Pension von heute morgen und ich darf glücklicherweise in ihrem Zimmer duschen. Zum Abendessen gönne ich mir gebratener Fetakäse mit buntem gegrilltem Gemüse und Salat. Trinken tue ich das für mich neu entdeckte Getränk Pedacola – schmeckt wie Sprite, sieht aus wie Sprite, wird aus Alpenkräutern gemacht. Ich entspanne für eine Weile mit Helfern im schönen Garten des Schlüsselwirts – die besagte super gemütliche Pension – bevor ich wieder zur Venue gehe, um mich im Backstage Zelt schlafen zu legen. Heute war keine Zeit übrig oder Lust, mein Zelt aufzubauen. Trotz Insektenparanoia lässt sich es unter den Sternen sehr gut schlafen…

Mittwoch und es ist wieder vor sechs Uhr morgens so hell und im Schlafsack so heiß, dass mir nichts anderes übrig bleibt, als aufzustehen. Tag zwei des Aufbaus kann nach dem wieder leckeren Frühstück im Schlüsselwirt losgehen. Heute lassen wir uns aber mehr Zeit für das Frühstück – man kann nämlich wegen der extremen Hitze mittags nicht wirklich etwas essen, Energie wird aber gebraucht. Wir plaudern und trinken viel kühles, stilles Wasser und mindestens drei Tassen Kaffee. Und was für einen guten Kaffee! Gemütlich wandern wir zum Festivalgelände. Heute sind viele Helfer angekündigt. Meist vom letzten Jahr bekannte Gesichter. Immer mehr Helfer kommen an und Aufgaben werden verteilt. Um den Campingplatz fertig vorzubereiten, werden vier Menschen gebraucht. Ich schließe mich an. Absperrungen werden fertig gemacht, ein großes Zelt aufgebaut, schöne LOF Plakate aufgehängt. Ein junger Mann auf der Walz kommt angelaufen. Aus Leipzig. Er ist seit anderthalb Jahren unterwegs und zur Zeit besucht er Festivals und hilft, wo er helfen kann. Später erfahre ich, er sei ein großer Dyse Fan.
Wir sind zur Mittagessenszeit mit dem Campingplatz fertig. Auf dem Festivalgelände werden viele verschiedene Pizzen für die Helfer bestellt. Mindestens vier davon sind veggie – und sehr, sehr lecker. Nach dem Essen mache ich meine Siesta. Aber zum Schlafen komme ich heute nicht: ich muss nämlich ein letztes Interview vorbereiten. Rotor. Aus Berlin. Sie sind letztes Jahr krankheitsbedingt ausgefallen und ich werde das Interview bei dieser Edition nachholen. Denn ich bin nicht nur als freiwillige Helferin auf dem LOF, sondern auch für Pressearbeit. Letztes Jahr war ich mit Lori von Acid King, Brant Bjork und anderen Legenden im Trailer eines Veranstalters gesessen und hatte ein Radio Interview geführt. Dieses Jahr mache ich fünf Interviews, jetzt für Rockblog.Bluesspot. Nach der Interview Vorbereitung schnappe ich mir mein Notizbuch und fange an, diesen Bericht zu schreiben. Nach einer halben Stunde erreicht die Sonne mein Spot im Schatten. Schade. Jetzt brauche ich eine Schwimmrunde im See.

Der Nepomukteich hat dieses Jahr kristallklares Wasser. Und große Fische. Ein Freiwilliger schreit zu mir, ich solle aufpassen, um nicht von einem Fisch gebissen zu werden. Ich lache und versuche ihn nass zu machen. „Ach, Quatsch!“ schreie ich und hoffe, er und die anderen Helfer sehen die Angst in meinen Augen nicht an. Wer hätte gedacht, dass ich, die an der brasilianischen Südostküste aufgewachsen ist, nach sechs Jahren Europa Angst von Teichfischen haben würde. Das Abtauchen ist jedoch so erfrischend und tut so dermaßen gut, dass die potentiell beißenden Fische schnell vergessen sind. Ich gehe raus und teile mit einem Helfer ein kühles Bier. Es sind mittlerweile so viele da, dass man nach zu erledigender Arbeit mehrmals fragen muss. Es wird getragen, gehämmert, fixiert. Alle scheinen ihren Posten unter Kontrolle zu haben. Es wird gegen achtzehn Uhr eine Veranstaltung in einer der Pensionen in Waldhausen angekündigt, die dazu dienen soll, die Bedienung des neuen Cashless Bezahlsystems mit Chipbändern zu erlernen. Danach kann man sich dann auch etwas zum Abendessen holen. Für mich gibt es einen vegetarischen Döner vom lokalen türkischen Imbiss. Dort treffe ich den lieben Kollegen Volker, der erzählt, heute angekommen zu sein. Es wird gemütlich gegessen und unterhalten, danach darf ich wieder im Schlüsselwirt duschen. Dieses ist zu meiner Lieblingsbeschäftigung am Abend geworden. Nach einem harten, heißen Tag gibt es nichts besseres als vor dem Schlafen unter die kühle Dusche zu springen. Ich kriege eine Mitfahrgelegenheit in die Venue, dort sind noch weitere Helfer angekommen. Für die kleine Willkommensparty habe ich aber leider keine Energie mehr. Auch nicht, mein Zelt aufzubauen. Backstageboden mit Luftmatratze und Schlafsack ist wieder angesagt. Ich merke, ich bin die einzige, die noch nicht ihr Zelt aufgebaut hat und dort schläft. Gute Nacht.

Am Donnerstag wache ich endlich nicht so früh auf. Meine Schlafmaske ist nicht verrutscht und Oropax hat mich nichts von der morgendlichen Glockenshow der Kirche um sechs Uhr dreißig mitbekommen lassen. Es ist acht und Zeit für Frühstück. Auf dem Weg zum Schlüsselwirt rede ich mit dem Kollegen über Spinnen und Schlangen. Er sagt, in Deutschland und Österreich gäbe es keine Schlangen. Dass man sich glücklich schätzen könne, wenn man hier eine sieht. Wir schauen nach rechts, und da sonnt sich eine Kreuzotter. Nach dem Frühstück merke ich, dass etwas nicht stimmt. Ich spüre starkes Sodbrennen und Übelkeit. Heute nehme ich mir den Tag „frei“, um mich auszukurieren. Auf der Venue sind die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Küche wird heute aufgebaut, die Bühnentechnik kommt mit den Technikern an. Der Backstage wird bestuhlt und es gibt bald überall Strom. Der Kühlwagen mit Getränken parkt neben der Bar. Noch mehrere Helfer tauchen auf. Bald kommt ein Sturm. Ich baue mein Zelt auf und fahre in die Stadt, um Natrium und Bananen zu holen. Ich habe gelesen, das soll gegen Sodbrennen helfen. Ich fühle mich mittlerweile wie ein Drache, der gerade lernt, Feuer zu spucken. Ich trinke locker 2 Liter Wasser mit Natrium im Laufe des Tages und Abends und verbringe die Zeit im Zelt. Hoffentlich wird es morgen besser.

Guten Morgen! Es ist Freitag! Heute geht das Festival richtig los. Und mein Sodbrennen ist weg. Nur Freude ist angesagt. Die restlichen Details werden auf dem Gelände organisiert. Heute skippe ich mal das Frühstück und esse lieber Bananen. Ich gehe zu meinem Arbeitsplatz. Auf dem LOF arbeite ich nämlich in der Backstage Betreuung mit noch einer freiwilligen Mitarbeiterin, die schon seit der ersten Edition in 2012 dabei ist. Ich muss die Räumlichkeiten des Backstages häuslicher machen. Es gibt ein großes Catering für die Bands. Reichlich Obst, Säfte, Wein, Käse-, Wurst- und Veggieplatten. Brot, Hummus, jede Menge Süßigkeiten. Eine Kafeemaschine und eine Zapfanlage mit kühlem Wasser und Bier. Irgendwann bekomme ich den Catering Rider der Bands in die Hand. Ich soll die Wünsche jeder Band in Kartons packen und diese mit dem Bandnamen beschriften. Es ist immer sehr amüsant, diese Rider zu lesen. Jedes mal stehen so skurrile Sachen drauf… dieses Jahr zum Beispiel frische Socken, Bilder von Ben und Bill Ward, Ü-Eier, eine Liverpool Fahne… Und diese Wünsche werden erfüllt. Nach dem Auf- und Einräumen kommen die erste Bands an. KRPL, Willow Child und Dyse sind die ersten. Das Briefing wird gemacht: wir verteilen Backstage Bändchen, Essenskarten, der Merch wird zum Stand gebracht. Die Lage wird erklärt, Bier gezapft, Kaffee angesetzt. Die Bands und Crews scheinen zufrieden. Ich mache meinen ersten Interviewtermin klar: sobald Dyse fertig angekommen ist, gehen wir zum Trailer und ich darf erst einmal fragen, warum sie denn frische Socken wollten.

Die Arbeit im Backstage ist körperlich nicht arg anspruchsvoll. Wir müssen Geschirr hoch und heruntertragen und schauen, dass alles aufgefüllt und sauber ist. Aber hauptsächlich müssen wir Präsenz zeigen und eine nette und aufmerksame Betreuung liefern. Die Künstler sollen sich wohl fühlen und einen schnellen Ansprechpartner vor Ort haben. Wir spaßen darüber, dass Bandbetreuung manchmal ein bisschen ist wie Kinder haben. Man muss schauen, dass sie gefüttert werden, dass sie genug zum Trinken haben, dass sie pünktlich auftreten… Mir gefällt diese Arbeit. Ich mag es, Menschen zu empfangen und Gäste glücklich zu machen. Außerdem entstehen im Backstage super lustige Gespräche mit den Artists. Es ist ein internationales Festival mit Bands aus aller Welt, die immer interessante Sachen zu erzählen haben. Von jung bis alt, von West bis Ost, und Nord bis Süd – Vielfalt an Kultur und Menschen fehlt auf dem LOF nicht. Eine der coolsten Dinge für mich im Backstage ist zu sehen, wie die Künstler nach dem Auftritt super fertig und verschwitzt zurückkommen. Und wie zufrieden sie meistens aussehen. Dieser Moment, wenn sie runter von der Bühne kommen und man sie für einen Hammer Gig begrüßt, ist unbezahlbar.

Ich komme vom Interview mit The Machine raus und mittlerweile sind alle Bands angekommen. Die Nebula Typen sind ziemlich witzig drauf, während die Jungs von Graveyard ein bisschen verbittert aussehen. Grund dafür sind Komplikationen beim Fliegen – ein Koffer mit ein paar Kabeln und, am wichtigsten, ein paar Effektgeräten ist nicht am Ziel angekommen. Wir versuchen sie ein bisschen zu animieren und gleichzeitig in Ruhe zu lassen. Es wird im Laufe des Abends besser. Monolord kommt auch an und sind überraschenderweise ziemlich ruhig und unscheinbar. Sie sitzen den ganzen Abend zu dritt an einem Tisch und essen vegane Kost. Sie trinken keinen Alkohol, was auf ihrem Catering Rider mit **IMMER NÜCHTERN** vermerkt wird. Nicht das, was man erwartet, wenn man sie auf der Bühne erlebt, wa? Nach dem Konzert gehen sie direkt ins Hotel. Das heißt für mich: Teil eins ist getan. Wenn die Bands weg sind, kommen langsam die Helfer und Techniker hoch. Gemütlich sitzen sie an einem Tisch und essen, trinken, rauchen. Unten auf der After Show Party höre ich „Sleep Drifter“ von King Gizzard aus den Boxen. Ich singe und tanze mit. Um 2:30 merke ich, wie spät es schon ist. Zeit zum Regenerieren.

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Am zweiten Tag vom LOF verschlafe ich. Gut, dass ich mir für Freitag und Samstag kein Frühstück beim Schlüsselwirt bestellt hatte! Um zehn Uhr mache ich mich auf den kurzen Weg zum Backstage Zelt. Catering Rider bearbeiten, Essen herrichten, dem Kühlwagen mehrere Besuche statten. Heute ist nämlich der heißeste Tag des Jahres. Nicht, dass es dieses Jahr so viel hieße… bei täglichen mindestens 35 Grad plus hohe Luftfeuchtigkeit machen ein paar Grade mehr auch nichts mehr her. Die ersten drei Bands sind schon gestern angekommen, und das Briefing wurde ebenso bereits am Vortag gemacht. Also können wir den Tag um einiges entspannter angehen. Heute habe ich drei Interviews, das heißt meine Zeit muss heute gut gemanaged werden. Ich sollte nämlich nicht zu lange weg vom Backstage sein, falls die Kollegin etwas braucht oder kurz weg muss. Yawning Man kommt an. Ich stelle mich Gary Arce und Mario Lalli vor. Meine Augen füllen sich beinahe mit Tränen auf. Rotor kommt an und sind persönlich ganz anders, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Viel aufgeschlossener, sehr lustig und mit der richtigen Menge Berliner Schnauze. Ruby The Hatchet kommt auch an, leider ohne Hunde. Ich liebe Hunde! Es wird trotzdem ein richtig schöner Tag.

Ich sage der Kollegin, dass ich Yawning Man und Rotor unbedingt anschauen möchte. Das sei kein Problem. Als Yawning Man auf die Bühne geht, laufen meine Emotionen über. Ich weine, schreie, tanze. Eine meiner Lieblingsbands, einer meiner Lieblingssounds. Legenden des Desert Rocks, sie haben so viele Bands beeinflusst. Wenn es sie nicht gäbe, wäre Kyuss nicht so geworden, genau wie die Stoner Szene, wie wir sie heute kennen. Und jedoch ist Yawning Man so unkommerziell, so under the radar… Bei den ersten Tönen von Perpetual Oyster überlege ich nicht zweimal: ich ziehe mein LOF Crew T-Shirt aus, mache meine Bauchtasche los und springe in den See rein. Ich merke dabei nicht, dass eine meiner Zigarettenschachteln noch in meiner Hosentasche steckt. Aber das ist mir gerade egal. Es geht mir darum, im Jetzt zu leben. Das war einer der schönsten Momenten in meinem Leben. Zu schwimmen während neben mir Yawning Man spielt. Unvergleichlich. Unbezahlbar. Unvergesslich.

Zurück im Backstage ist alles entspannt. Ich lese meine Notizen für das Interview mit Rotor und bereite mich vor. Die drei Berliner und der Bodenseer sehen im Trailer aus, als wäre es ihnen recht heiß. Das Interview wird gemacht, während Ruby The Hatchet spielt. Sowie das für mich sehr emotionelle Interview mit Yawning Man. Danach kommt Rotor auf die Bühne mit 15 Minuten lang „Volllast“. Hammer! Zwischendurch hole ich vom Kühlwagen die restlichen Antipasti Platten heraus. Orange Goblin und Earthless sind angekommen, während ich im Trailer saß. Ich muss schon seit ein paar Stunden pinkeln, habe aber keine Zeit oder Lust, Schlange zu stehen. Der Abend läuft ganz entspannt. Wir sind zufrieden, fix und fertig. Ich plaudere mit den Rotor Jungs nach ihrem Konzert, Gary Arce erzählt mir über seine Frauenprobleme. Alles fühlt sich ein wenig surreal an. Das LOF nähert sich dem Ende… das erfüllt mich jetzt schon mit Sehnsucht. Und gleichzeitig mit Erleichterung, dass alles gut lief. Nach dem Earthless Konzert leert sich der Backstage Bereich ziemlich schnell. Bands ziehen mit und ohne Groupies weiter, wir räumen die Überbleibsel auf. Unten läuft die Aftershow Party auf Hochtouren. Ich kann mir grad echt nicht vorstellen, mitzumachen. Ich freue mich einfach, im Backstage zu sitzen und mit den Veranstaltern und Stage Helfern zu plaudern. Meine zwei Lieblingsgriechen sind da, sowie mein Lieblingsschweizer und all die Österreicher. Manche meinen, wir sähen fitter aus als im letzten Jahr. Manche denken genau das Gegenteil. Es wird gelacht, getrunken, geraucht. Alle freuen sich über den Erfolg vom LOF 2018. Als sich die Anderen verabschieden und in die Pension gefahren werden, bedanke ich mich und gehe stolz ins Bett. Stolz, Teil davon sein zu können. Stolz, dieses wunderbare Festival bereichern zu dürfen. Danke Lake On Fire, danke allen Veranstaltern, Helfern und Technikern. Danke an die Bands, den DJ, die Securities. Es war ein Riesenfest – und mir eine große Ehre. Bis zum nächsten Jahr….(pearlmckurdy)

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Popa Chubby + Eric Gales im Metropool/hengelo/NL am 08.11.18

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