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Elizabeth the Last – Elizabeth the Last

(as) Betiteln Musiker eine Sammlung von Songs nach sich selbst, darf man von einer vorläufigen Standortbestimmung ausgehen, mit der eine Schaffensphase abgeschlossen und das Geleistete rekapituliert wird, um vielleicht in neue Gefilde aufzubrechen. In Bezug auf „Elizabeth the Last“ (Album und Band) trifft das ohne weiteres zu, ob es die Band bewusst so vorgesehen hat oder nicht.

Als Bezugspunkt muss uns die 2012er EP „Universal Dreams“ genügen, weil wir nicht mehr von „Elizabeth the Last“ kennen, und nicht nur, dass deren Mängel behoben wurden; die Musiker zeigen sich in vielerlei Hinsicht zielstrebiger und lassen mehr Muskeln spielen, ohne ihren schon damals leicht entrückten Sound aufzugeben. Das zeichnet sich bereits während „Centralia“ ab, einem mitreißenden Opener mit schwerem Morsecode-Rhythmus, Mellotron und geradezu orchestraler Wucht.

„Comparison of Faces“ beruht danach auf einem perkussiven Beat, der Wassertropfen gleichkommt, während sich die beiden Gitarristen in stetig geschlagene Akkorde hineinsteigern. Im Zweiten Drittel ist es ruhiges Single-Note-Spiel, dem ein beseeltes Trompetensolo die Show stiehlt, bevor das Anfangsmotiv wiederaufgegriffen wird. Zwei Gesichter fürwahr …

Die Überlänge aller fünf Tracks (knapp unter acht bis fast zwölf Minuten) fällt zu keiner Zeit negativ auf. Jeder zeichnet sich durch einen eigenen Charakter aus und ist ohne gesungene Texte aussagekräftig – auch „New Future“, der ätherische und tatsächlich Aufbruchsstimmung vermittelnde Ruhepol in der Mitte, wo nun ein Saxofon statt der Trompete das Sahnehäubchen darstellt.

Als Epos des Albums beginnt „Parallel Timeline“ im Anschluss Post-Rock-typisch leise mit gebrochenen Arpeggien, wobei die Basstöne eine zusehends bedrohlichere Stimmung erzeugen. Wird fester in die Saiten gelangt, verzerren die Klampfen, und Dissonanzen entstehen. Dann eine um sich kreisende Melodie und ein längerer Zwischenteil, den man in seiner rauschenden Art „Ambient“ nennen kann, und die Überraschung im letzten Viertel: zackig rockende Riffs, passend zu einem treibenden Finale.

Nach diesem kompositorischen Höhepunkt lassen „Elizabeth the Last“ den Langspieler weitgehend entspannt ausklingen. „Your Longing For Recognition“ kommt unter Akustikgitarreneinsatz zunächst fast ohne Rhythmusinstrumente aus, dann entwickelt sich aus einem schlichten Motiv ein kantig nervöses Hin und Her, dessen Dramatik jedoch zum Ende hin mit Muße aufgelöst wird – via Synthesizer und wiederum einer Reprise des Anfangs.

Im Ergebnis steht also eine Handvoll sagenhaft gut durchdachter Instrumentalstücke, auf die jeder große Name in diesem Genre stolz wäre. „Elizabeth the Last“ legen keinen Wert auf sofort zugängliche „Hits“, haben aber auch ohne Vocals eine eigene Stimme gefunden, die hoffentlich gehört wird, selbst wenn viele Bands mit weniger Substanz lauteren Krach schlagen.

48:28
Eigenvertrieb
http://www.elizabeththelast.bandcamp.com/
Veröffentlichung: bereits erschienen

Centralia
Comparison of Faces
New Future
Parallel Timeline
Your Longing For Recognition

Andreas Schiffmann

Filed under: Album Reviews, Heavy, Postrock, Prog,

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