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Seedy Jeezus – Polaris Oblique

(js) Sicherlich gibt es Unmengen von Rockgruppen, die von der Rockmusik aus den siebziger Jahren beeinflusst sind. Manchmal kling diese Musik heute gespielt allerdings gezwungen und nicht immer gefühlsecht. „Polaris Oblique“ allerdings, das vierte Album der australischen Heavy-Psych-Band „Seedy Jeezus“, will sich, wie auch schon sein Vorgänger, partout nicht in diese „beliebig“-Schublade manövrieren lassen. Und womit? Mit Recht selbstverständlich. Dieser vierte Output der Australier ist weit mehr als das. Er ist vielmehr eine Ode an die Musik dieser Zeit. Hier spielt eine Band, bei der man spürt, dass die Bandmitglieder die Rockmusik der Siebziger wirklich lieben. Und leben. Und noch wichtiger: die Band scheint Songs aus einer LSD-getränkten Seele heraus zu schreiben.

„Seedy Jeezus“ ist ein Heavy-Power-Trio wie es im Buche stehen sollte. Schlagzeuger Mark Sibson und Bassist Paul Crick bilden als Rhythmusgruppe ein druckvolles Fundament dieses Sounds, welches mit solide noch stark untertrieben bezeichnet wäre. Sibsons Drumming ist unentwegt explosiv und kraftvoll und Crick ist kein Bassist, der einzig Dienst nach Vorschrift spielt, sondern regelmäßig mit eingängigen Basslinien Akzente setzt. Gitarrist (und Sänger) Lex Waterreus erinnert in seiner Spielart nicht zufällig an meine Gitarrenhelden der 70er. Seine zahlreichen Gitarrensoli klingen mal druckvoll wie die von Hendrix, dann auch verspielt und bluesig wie von Gallagher oder psychedelisch wie jene des Herrn Gilmour. Alle eint, dass sie fantastisch klingen.

Jedes Lied auf „Polaris Oblique“ ist im Grunde anders als die anderen. Die erste Hälfte des Albums fühlt sich beinahe wie eine Hommage an den Heavy Rock Sound von heute an. Bluesige, rippige Melodien, die die Stimmung tragen. „3 Million Light Years“ zum Beispiel ist groovig wie Sau! Dabei leicht progressiv und manchmal sogar mit einigen Elementen des sehr frühen Stils von „Van Halen“ versetzt. Mein absolutes Highlight jedoch ist „My God Are Stone“. In diesem Song treten auch Isaiah Mitchell (Golden Void, Earthless) und Tony Reed (Mos Generator und auch Produzent dieses Albums) als Gastmusiker auf. Es ist ein atemberaubend schönes Lied, das vom Anfang bis zum Ende fesselt. Mitchell und Reed helfen dabei, dir deine Gedanken vollständig wegzublasen. Und zwar in einer phänomenalen Manier. Wenn ihr ein Fan dieser beiden oben genannten Musiker seid, dann macht euch bereit, den Zustand des irdischen Kurzweg zu verlassen. Dieser Song ist fett. Ein wahrhaftiges Biest.

Nach diesem Lied ist das Album ohnehin in voller Fahrt. „Oh Lord (Pt 1)“ ist ein Schlag in die Fresse. Ein „Monstermotörhead-Rhythmus“. Die reine Vibration dieses Stücks reicht aus, um jedes „Candle-Light-Dinner“ gnadenlos im Keime zu ersticken, nur um den Weg auf die Tanzfläche abzukürzen. Im Song „OH Lord (Pt 2) fügt einmal mehr Tony Reed die Lead-Gitarre hinzu. Was für ein großartiger, gleichwohl auch ruhigerer Song im Gegensatz zu Pt 1. Der uns nun in den Bereich des klassischen 70er Rocks weist. „Dripping From The Eyes Of The Sun“ und „Treading Water“ kommen einem Sound nahe, der durchaus Assoziationen zu David Gilmours Solodebüt enthält. Und dies birgt eine ganz wunderbare „Nostalgie-Droge“ in sich. Beide Lieder bestechen durch eine homogene Abwechslung von zuckersüßen und verwegeneren musikalischen Momenten, in denen Lex sein Organ wie auch seine Gitarre zu Höchstleistungen antreibt. Zum Abschluss des Albums bietet „Barefoot Travellin“ noch einmal eine perfekte Rezeptur für „sehr energetischen Rock, der im Stande ist, dich zu kurzen, abrupten Kopfbewegungen hinreißen zu lassen“.

Dass die Australier lange Jam-Sessions lieben, ist ohnehin kein Geheimnis. Die Songs auf „Polaris Oblique“ eignen sich deshalb auch perfekt für expandierende Live-Interpretationen. Und darauf kann man sich auch jetzt schon wieder freuen, da Lex Waterreus eine Europa-Tour für das erste Halbjahr 2019 bereits angekündigt hat. Ansonsten reißen es „Seedy Jeezus“ einmal mehr auch mit ihrem vierten Longplayer. „Polaris Oblique“ trägt eine derartige Vielfalt in sich, dass es die allermeisten „Fuzz-Köpfe“ irgendwo auf diesem Planeten begeistern wird. Aber es zeigt auch eine weitere Facette des australischen Power-Trios. Wenn wir das bisherige Markenzeichen der Gruppe als „mit Seele und vor allem mit einer guten Portion Energie gespielte Soli, die dich dazu veranlassen, deinen Arsch bewegen zu wollen“ bezeichnen wollten, zeigen die Australier nun auch, wie exzellent sie sich auch in ruhigeren Fahrwassern bewegen können. Eine besondere Erwähnung gilt zu guter Letzt noch einmal Lex Waterreus, der das gesamte Album dazu nutzt, uns eine explosive Demonstration seiner Gitarrenkünste zu bieten und mich dabei geradezu eifersüchtig werden lässt, wie fantastisch er spielen kann. „Polaris Oblique“ ist wie ein großartiger Jahrgang der 70er Jahre: Sex, Drugs & Rock’n’Roll! Vor allem für Letzteres gilt: „der Rock’n’Roll ist lebendig und ihm geht’s gut.“ Wer trotzdem noch Zweifel hat, greift einfach auf dieses Album zurück…..(jensS)

Tracklist:

01 Intro-Polaris Oblique
02 Everything Will Be Alright
03 3 Million Light Years
04 My Gods Are Stone
05 Oh Lord (Part One)
06 Oh Lord (Part Two)
07 Dripping From The Eyes Of The Sun
08 Treading Water
09 Barefoot Travellin‘ Man

https://www.facebook.com/seedyjeezus/
https://seedyjeezus.bandcamp.com/
http://www.seedyjeezus.com/

Lay Bare Recordings

Filed under: 70s, Album Reviews, Bluesrock, Classic Rock, Garage Rock, Hardrock, Heavy, Rock, Stoner, Vinyl,

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