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Adriano Batolba Trio – How Much Does It Cost, If It’s Free?

(hwa) Batolba? Hatte schon öfters seinen Namen gelesen, kriegte aber vor der Zusendung obiger CD den exakten Transfer nur in Ansätzen hin. Jetzt kenne ich ihn! Mit überragendem Rock’n’ Roll und Rockabilly macht er Deutschland und die halbe Welt verrückt…

Adriano Batolba ist ein Vollblutmusiker aus der Ursuppe des Rock. Nach mehr als sechs Dekaden, nachdem sich in den USA aus Blues, Jazz, Hillbilly, Boogie Woogie, Jump Blues, Rhythm’n’Blues, Doo Wop, Gospel, Country und Western Swing der Rock’n’Roll entwickelte, demonstriert das Adriano Batolba Trio, wie zeitlos frisch dieses Genre noch immer zu klingen vermag. Schlichtweg unkaputtbar!

Drive und Power dieses Trios sind ohne weiteres zu vergleichen mit etablierten Größen wie – sagen wir – den Stray Cats aus den Staaten oder The Bosshoss aus Berlin. Die sind allesamt Brüder im Geiste und spielen sich den Wolf. Bis die Schwarte kracht!

Das Batolba Trio hat genau auch diese Leidenschaft in den Genen und macht schwer Gebrauch davon. Nichts klingt aufgesetzt oder nach fishing for compliments. Authentizität, Fachwissen und überragende Spielintelligenz dominieren.

Aus dem Waschzettel wird deutlich, wie viele Etappen Batolba schon auf dem Buckel hat. Peter Kraus, neben Ted Herold von der deutschen Nachkriegspresse als deutscher Elvis hochgejubelt, war Teenie-Idol schmachtender Backfische im Wirtschaftswunder-Deutschland zwischen Bravo-Starschnitt, Nierentisch-Romantik und Zehn-Plattenwechsler. Kraus heuerte Batolba schon vor Jahren als Sologitarrist für sein Tour-Ensemble an. Ganz feines Näschen, Peter Kraus!

Und sonst? Batolba produzierte u.a. Dick Brave And The Backbeats (Gold und Platin) und gründete 2009 sein Adriano Batolba Orchestra. Es war vielleicht eine Spur zu groß und zu sperrig, aber dennoch großartig.

Aktuell gelandet ist er nun bei einem Trio, das vermutlich seine aktuell beste künstlerische Schnittstelle darstellt. Im Gespann mit dem schon bei Dick Brave And The Backbeats bewährten Falko Burkert am Kontrabass, sowie Bernie Weichinger am Schlagzeug, ein Kumpel, mit dem Batolba schon zu Studienzeiten in den Clubs von Amsterdam rockte, fand ein kraftvolles Triumvirat zusammen.

Grandios in Szene gesetzt. Gleich schon im ersten Track „Last One On My List“. Dort fahren der Band u.a. die Stray Cats in die Knochen. Bei „Jaqueline“ wird Chuck Berry reminisziert.

„Love Means Trouble“ nimmt Bezug sowohl auf die Stray Cats als auch auf The Cramps. In „Fame“ werden Hooks zu Bo Diddley hergestellt. Und bei „Hell Yeah“ feiert der Sixties-Beat fröhliche Urstände. Ganz locker gestrickt, mit einem Refrain quasi auf Dauerschleife. Im Geiste höre ich tausend Kehlen mitgrölen…

Zwei Coverversionen nicht zu vergessen: Johnny Rivers’ Golden Oldie „Secret Agent Man“ zitiert das legendäre James-Bond-Thema von P.F. Sloan’s Sun-Records-Klassiker. Und Sheldons Seelenstriptease „Just Because“ mit Hillybilly-Wurzeln hebt im Turbo-Tempo ab.

Und wieviel Spaß das alles machte, dokumentiert ein Video Interview/ EPK mit ersten musikalischen Eindrücken zum neuen Album “How Much Does It Cost, If It’s Free?“

Das gibt es hier: https://youtu.be/6-mpjzVKbF0 zu sehen. Macht richtig Laune!

Und drei special guests gibt es ja auch noch: Aus der texanischen Austin-San-Antonio-Szene stammt Patricia Vonne (hier nachzulesen). Als Koryphäe in Sachen Rhythm’n’Blues veredelt Vonne „Habanera Baby“ zusätzlich mit einem Hauch Latin und Tex-Mex. Darrel Higham, britische Rockabilly-Legende (u.a. Kat-Men, The Enforcers, Bob & The Bearcats, Imelda May, Chrissie Hynde, Jeff Beck, Rocky Burnette, Shakin‘ Stevens), hebt „Your Last Mistake“ mit seinem grandiosen Feeling ebenfalls in neue Sphären. Das All-Girl-Trio The Silverettes unterfüttert last but not least das politische Statement „How I Roll“ mit einem passionierten Gospel-Chor.

Mein Fazit: Der überzeugte Gretsch-Liebhaber Adriano Batolba liefert hier mit seinen Buddies plus Gästen ein bemerkenswertes Album auf Weltniveau ab. Fast wie Hexerei. Ein durchschlagender Erfolg wäre mehr als verdient. Ach, was sag ich: ÜBERFÄLLIG!

(Heinz W. Arndt)

Adriano Batolba Trio „How Much Does It Cost, If It’s Free?“

ToBaGo Records / Rough Trade

Laufzeit: 43:58 min

VÖ: 09.08. 2019

Tracklist:

Last One On My List 3:00
Jaqueline 2:28
Love Means Trouble 3:02
Troublemaker 2:47
Your Last Mistake 3:46 (feat. Darrel Higham)
Fame 2:48
Just Because 2:30
Hell Yeah 4:34
How I Roll 2:31 (feat. The Silverettes)
Been There, Done That 2:33
Habanera Baby 3:49 (feat. Patricia Vonne)
Cotton In The Barn 2:55
Forever On My Mind 3:08
Secret Agent Man 3:34

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