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Interview mit Jens Engel von „Much Better, Thank You“

Musiker in Zeiten von Corona

(ro) Abgesagte Konzerte und Festivals, geschlossene Clubs – seit dem 15. April 2020 gelten die Veranstaltungsverbote der Bundesregierung. Vielen Musikern, die für ihre Kunst eine Bühne, ihre Bandmitglieder und ihre Zuschauer brauchen, hat das neuartige Coronavirus jäh einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Wie geht es ihnen? Wie kommen sie durch diese schwierige Zeit?
Jens Engel, Gitarrist der Art-Folk Band „Much Better, Thank You“ aus Bramsche/Osnabrück, war gerne bereit, uns über seine Erfahrungen, Erkenntnisse und Pläne in dieser besonderen Zeit zu berichten.

RBBS: Jens, es scheint, dass auch in Zeiten von Corona deine Kreativität und auch die deiner Band keine Grenzen kennt. Euer neues Album, betitelt „The House is Moving“, das ich kürzlich hier bei RBBS besprechen durfte, ist unlängst erschienen. Wie hast du das zusammen mit deinen Kollegen in dieser schwierigen Zeit geschafft?

Jens: Hinsichtlich der Recordings für das neue Album, hatte Corona gar keine Auswirkungen. Die Aufnahmen waren im Januar 2020 bereits abgeschlossen, also bevor uns Corona getroffen hat. Die Abstimmung zwischen der Band und unserem Produzenten zum Mischen und Mastern lief dann über WhatsApp und das Telefon. Das war ein bisschen mühselig, im Ergebnis hat es aber gut geklappt.

RBBS: Eigentlich sollte euer neues Werk den Fans natürlich auch in Live-Events präsentiert werden, aber aktuell sind Live-Auftritte und Konzerte aufgrund der Corona-Krise bedauerlicherweise ja immer noch tabu. Wie empfindet ihr diese Situation?

Jens: Corona nervt. Seit dem ersten Lockdown im März haben wir keine echten Konzerte, d.h. mit realem Publikum, mehr spielen können. Unser letztes Konzert vor der Krise fand im Januar im Tuchmachermuseum in Bramsche statt und hatte ein sehr positives Echo. In diesem Museum hatten wir zuvor das Video zu „Hot Deal“, der ersten Single-Auskopplung des Albums aufgenommen.

Das war ein super Start in ein erfolgreiches 2020 – dachten wir …

RBBS:  Gibt es Alternativen oder habt ihr in der anhaltenden Krise anderweitige Aktionen durchgeführt oder geplant? Es gibt ja einige Musiker, die Streaming-Konzerte veröffentlichten oder Wohnzimmerkonzerte anbieten, um so den Kontakt zu den Fans aufrecht zu halten. Wie ist das bei euch? Nutzt ihr beispielsweise verstärkt die sozialen Medien?

Jens: Während der Corona-Zeit haben wir zwei Singles, einschließlich Videos, veröffentlicht. Für „Secret Service“ haben alle Musiker die Videosequenzen zu Hause selbst aufgenommen und ich habe sie dann zu einem Video zusammengeschnitten. Für den Clip zu „The House is Moving“, den Titeltrack unseres Albums, habe ich auf Stock-Videos zurückgegriffen, weil im November gefühlt irgendwie gar nichts mehr ging.

Im Dezember haben wir einige Male, in Corona konformer Triobesetzung, Live-Streams aus dem Proberaum auf Facebook gesendet. Das war allerdings mehr was für Liebhaber, da die Qualität nicht so überragend war.

Mitte Januar hat dann die Lagerhalle, eine der wichtigsten Konzert-Locations in Osnabrück, angeboten, ihre Räumlichkeiten und das vorhandene Equipment für Live-Videoaufnahmen zur Verfügung zu stellen. Das haben wir genutzt, um zwei schöne Videos zu machen. Die sehen gut aus, es hat auch Spaß gemacht, ist aber einfach nur die halbe Wahrheit. Bei Musik geht es doch vor allem darum, eine emotionale Beziehung zum Publikum aufzubauen – deshalb ist das Live-Spielen auch so wichtig – und das klappt, sei die Technik auch noch so gut, beim Streamen ohne Publikum nun mal nicht. Die Videos kann man sich auf YouTube und Facebook auch alle noch ansehen.

RBBS: Wahrscheinlich werden Konzerte in „normaler“ Form noch eine ganze Zeit lang nicht wieder stattfinden können. Hast du oder habt ihr einen Trick, wie du, bzw. ihr musikalisch trotzdem fit und performant bleibt?

Jens: Schwierig. Wir haben das Glück, dass Heidi – unsere Sängerin – und ich verheiratet sind und aus demselben Haushalt stammen. Wir können, gemäß den derzeitigen Corona-Regeln, also in wechselnden Trio-Besetzungen proben.
Das ist zwar nicht dasselbe, wie mit der ganzen Band, aber immerhin …!

So sind in den letzten Monaten auch eine ganze Reihe neuer Songs entstanden, die wir aber noch nicht ins Bandformat bringen konnten.

RBBS: Hast du / habt ihr schon Ideen und Pläne für die nächsten musikalischen Projekte?

Jens: Ja haben wir. Unter unseren ganz neuen Songs ist einer, den wir unbedingt schnell fertigstellen müssen.

Vor einigen Wochen bekamen wir einen Brief von einem britischen Freund – und selten im Leben ist mir etwas gesagt oder geschrieben worden, was mir so nahegegangen ist, mich so berührt und zugleich in emotionale Verwirrung gebracht hat.

Vor etwa einem Jahr ist bei diesem Freund ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, diagnostiziert worden und nun schrieb er uns im November:

„How is the band doing? I am looking forward to hearing your new album. Often, I check you out on Spotify and YouTube. You have some amazing videos. As part of my end of life plan, I have requested that you play at my funeral wake. I was wondering if you would be willing to do this for me. If you find this request difficult please do not worry. It is just that I love your music so much.”

Daher haben wir Anfang Januar einen Tagesbesuch im Tonstudio gemacht; mit Corona-Konzept, Masken, Abstand u.s.w., lediglich um einen, speziell für unseren Freund geschriebenen, Song aufzunehmen.

„Circle of Light“ werden wir in einigen Wochen veröffentlichen. Es ist ein Song für Glen, aber nicht nur, sondern es ist irgendwie auch ein Song geworden, der so sehr in diese schwere Zeit passt. Er ist traurig, sicher, aber nicht hoffnungslos, eher im Gegenteil – auch wenn das noch so schwer ist. Wir haben eine „große“ Version gemacht, eingespielt mit der ganzen Band, wie unser Freund es liebt, und eine eher „stille“ Version, die auch in eine Kirche passt.

Es wird auch ein Video geben, das uns ganz unprätentiös bei der Arbeit im Studio zeigt. Das erscheint uns als eine Möglichkeit, ein wenig Teilhabe zu bewerkstelligen, wo wir ja nicht reisen und unsere Freunde besuchen können.

Schauen wir mal, was uns 2021 noch so bringt.

RBBS: Vielen Dank, Jens für das schöne und aufschlussreiche Gespräch und deine offenen Worte!
Wir wünschen eurem britischen Freund alles Liebe und viel innere Kraft, Mut und Vertrauen auf seinem schweren Weg. Es ist traurig, so etwas erfahren und verarbeiten zu müssen. Eure Freundschaft wird ihm ein Licht sein und eure Anteilnahme, sowie euer liebevoller Beistand wird ihm als eine Stütze in dieser bedrückenden Zeit dienen.

Jens, dir und deiner Band drücken wir auf jeden Fall die Daumen, dass ihr eure Ideen und Vorhaben erfolgreich in die Tat umsetzen könnt und wünschen euch alles Gute.
…(..Rosie..)..

Photo 1: by Manfred Pollert Photography

Photo 2: „Much Better, Thank You“ auf Facebook

WWW.MUCH-BETTER.DE

BOOKING
JENS ENGEL +49 170 455 1887
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Filed under: Folk, Interviews, Singer/Songwriter, , , , , , , , , , , , ,

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