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ROCKBLOGBLUESSPOT – Interview mit Alexander von Wieding alias Larman Clamor

Die Glücklichen, die in den Genuss Deiner aktuellen „Frogs“-CD sowie der auf  400 Exemplare begrenzten Vinylausgabe kommen, sind Wissende und lieben Deine Performance. Alle Anderen werden sich vermutlich verwundert die Ohren reiben. Der Sound riecht nach Swamp in Reinkultur, reißendem Mississippi, schwärzestem Blues und einer Menge Melancholie. Wie hast Du dieses bemerkenswerte Feeling entwickelt?

Danke erstmal für das Kompliment. „Entwickelt“ hat sich das wohl von ganz allein. Am Anfang eines jeden Songs purzelt mir ein Riff neben das andere… und die waren zufällig bluesig. Ich bin eigentlich gar nicht mit der Intention rangegangen: „Ich schreib jetzt einen Blues Song!“, das ergab sich eher von selbst.

 Wie kommt das momentan in den Staaten an? Sind die nicht komplett verwirrt und gleichzeitig angetan? Ein Deutscher (falls sie es überhaupt merken!) und trotzdem so pur wie in der Swampwolle gewaschen?

Es kommt in der Tat sehr gut an. Bislang hab ich aus den Staaten eigentlich durchweg wohlwollendes und positives Feedback. Und das freut mich natürlich sehr! 

Sollte deshalb Larman Clamor Deine deutsche Herkunft ein wenig camouflieren? Wie kam der Name zustande? Gibt es gar mystische Vorbilder?

Generell find ich Mystik toll! Camouflieren… ein bißchen. Aber weniger die Herkunft als meine Hauptbeschäftigung als Illustrator und Album Artworker. Zu Beginn wars mir wichtig, daß Larman Clamor der Musik wegen wahrgenommen wird, und nicht als „die Band vom dem Typ, der das Artwork für xyz gemacht hat“. Der Bandname ist eine klassische Dopplung, die sich aus dem Urwort für „Lärm“ (larman) und aus dem Lateinischen „clamor“ = „Ruf, Schrei“ ergeben hat. Heißt also im Endeffekt nichts anderes als „Lärm und Krach“… Dass sich daraus in englischer Aussprache ein toller Name ergab, besiegelte das Ding schließlich als Bandnamen.

Dein erstes selbstbetiteltes Album (EP) unterscheidet sich  von „Frogs“ in vielerlei Hinsicht. Unter anderem gab es da noch einen Partner, der mittlerweile ausgestiegen ist und Orgel und Drums bediente. Er nannte sich „R“, Du firmiertest als „V“. War das zusammen mit Larman Clamor so `ne Art Geheimsprache unter euch?

Richtig, R ist anderer Wege gegangen und widmet sich nun anderen Aufgaben. Geheimsprache würde ich es nicht nennen, aber unser Zusammenspiel war eine tolle Mischung, die immerhin den Grundstein für die Existenz der Band gelegt hat.

Ihr wolltet vermutlich möglichst lange anonym bleiben – siehe „The Residents“, die das so ähnlich handhabten … Inzwischen hast Du das „V“ als  Alexander von Wieding enttarnt. Warum?

Anfangs war es mir wichtig, die Musik sprechen zu lassen, ohne eine Relation zu „denen dahinter“ zu haben. Als im Zuge von „Altars“ aber mehr die Frage aufkam, wer ich denn nun sei, und ich irgendwann merkte, Mann, für „Frogs“ würde ich gerne ein etwas größeres Artwork schaffen, das ich natürlich auch gerne unter meinem Namen präsentieren möchte – da fühlte ich, dass es an der Zeit war, das Pseudonym abzulegen und unter meinem richtigen Namen weiter zu machen.

Der Begriff „Frog(s)“ hat insbesondere für die Amerikaner eine Bedeutung, die zwischen Aberglauben und schicksalhaftem Karma changiert. Ich denke da gerade an Deinen Frogs-Text, aber auch an den Blockbuster „Magnolia“, wo es zum Schluss – quasi als „Strafe des Herrn“ – zigtausende Frösche vom Himmel regnet, bis sie einen halben Meter hoch  am Boden alles verstopft haben. Danach friert der Film ein und lässt einen nachdenklich zurück. Was hat es mit dem Frogs-Phänomen aus Deiner Sicht auf sich?

Ich finde, Frösche sind einfach tolle Tiere! Seit jeher haben die mich fasziniert… und irgendwann, in einer langen Nacht, war mir plötzlich klar, hey, ich will einen Song namens „Frogs“ schreiben! Die mythologische Bedeutung von Fröschen ist eigentlich eher positiv. Sie gelten als Glücksbringer, nachdem was ich recherchiert habe. Da ich aber von Beginn an das Bild dieses Frosches mit leuchtenden Augen und dem Korkenzieher durch den Hals vorm geistigen Auge hatte, mußte der Song einfach etwas kerniger und dunkler sein… Der Songtext kam sehr spontan zusammen, paßte aber mit dem „Frankenstein-Frosch“ (wie er schon in Reviews genannt wurde) perfekt zusammen: Der Protagonist in dem Song scheint Probleme mit schwarzmagischen Unglücksbringer-Fröschen zu haben, die ihm von irgendjemandem geschickt wurden… Sie wollen ihn fressen… oder ist das vielleicht alles nur in seinem Kopf? – Ich kann’s dir nicht sagen.

Wo bist Du aufgewachsen?

In der Lüneburger Heide, mit den Füßen im Wald, und den Händen an Papier und Buntstiften.

Was hat Dich in früher Zeit musikalisch sozialisiert? (Gemeint ist das Alter so etwa zwischen 5 und 18 Jahren)

Puh, vieles. Und durcheinander… Iron Maiden, Toto, Led Zeppelin, ZZ Top, AC/DC und (nicht lachen, denn die sind toll!) Torfrock… das sind jetzt die frühesten Sachen, die ich mich erinnere, bewusst gehört zu haben.

Gibt es auch deutsche Vorbilder? (Da Du ja in Hamburg lebst, fällt mir an erster Stelle Abi Wallenstein ein.)

Eher weniger. Um ehrlich zu sein, hab ich mich kaum mit lokalen wie internationalen Blues-Wurzeln beschäftigt.

Volker erinnert sich beim Hören von „Frogs“ zu Recht an  John Lee Hooker, Robert Johnson oder Charlie Patton. Ich möchte aus der „Neuzeit“ gerne noch Canned Heat, Seasick Steve und hinsichtlich der Vocals insbesondere Captain Beefheart hinzufügen. Wird da im Zweifel zuviel hinein geheimnisst?

Ich kenne zwar alle, die du hier auflistest, aber bewusst in die Richtung orientiert hab ich mich eigentlich nie. Das kam (und kommt) alles ganz spontan aus der Hüfte. Insofern ist da nicht viel mit Geheimnissen…

Dasselbe gilt für die Geschichten / die Songs. Da such ich mir zwar hin und wieder ein paar „Eckpfeiler“ heraus, lasse aber ansonsten meinem kreativen Unterbewußtsein freien Lauf. Da kanns also mal düster, mal melancholisch, mal mystisch werden…

Deine musikalische Performance klingt dermaßen verblüffend authentisch, dass ein früheres Leben inmitten der Swamps nicht unbedingt fernliegt. Ist Dir der Gedanke an ein unbewusstes Leben im brodelnden Süden der Staaten fremd?

In der Tat hab ich da eine spirituelle Verbindung… nicht nur zu den Südstaaten, sondern auch nach Texas. Ob Vorleben oder nicht, wer weiß? Da ich aber gerade dort mit meiner Musik einen Nerv zu treffen scheine, sagt mir, es ist okay, was ich tue.

Auf  Deiner Website gibt es ein rares Foto von Dir zu sehen. Das hat mich spontan an John Peel erinnert. Gibt es da sogar verwandtschaftliche Verhältnisse? Vielleicht weißt Du es ja selbst nicht so genau und solltest Dich im WDR bei „Vorfahren gesucht“ bewerben?

John Peel, geil! Ha! Das höre ich zum ersten Mal! Tolles Kompliment, danke! Aber nein, da gibt es nach meinem Wissen keine Verbindung.

Wie sieht es mit Zukunftsplänen in musikalischer Hinsicht aus? Sind Live-Konzerte geplant?

Momentan arbeite ich, sofern es meine Zeit zuläßt, am „Frogs“-Nachfolger. Musikalisch ist das Album zu 80% im Kasten, aber ans Artwork hab ich noch kein Händchen gelegt. Da ich für eine Show erstmal eine Band zusammenstellen müßte, hab ich das ganz nach unten auf die Prioritätenliste gesetzt. Daher erstmal keine Live-Konzerte. Aber als „Trostpflaster“ könnt ihr Euch schon mal auf das nächste Album freuen!

John Peel  hätte  – würde er noch leben – Dein „Frogs“-Album vermutlich rauf- und runtergespielt und zusätzlich ein overdubfreies Livealbum im Studio produziert. So überragend ist Dein Groove. Bleibt zu hoffen, dass Du den potenziellen weltweiten Durchbruch, den wir Dir von rockblogbluesspot.com von Herzen wünschen, nicht bereust. Die Privatsphäre leidet dann zwangsläufig. Hast Du für Dich eine Grenze gezogen?

Danke! Es freut mich riesig, dass Euch das Album so gut gefällt! Was die Privatsphäre angeht, sicher, da ziehe ich Grenzen. Einige Details über meine Person sind meiner Meinung nach aber auch nicht wichtig für mein Bild in der Öffentlichkeit. Ich lasse lieber mein Schaffen für mich sprechen!

(Die Fragen stellte Heinz W. Arndt)

Rezension Larman Clamor – Frogs 

Alexander von Wieding

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