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Erik Penny – Heart Bleed Out

erikpennycdIndie / Folk / Singer-Songwriter aus Berlin

(ro) Jeder, der mich auch nur ein klitzekleines bisschen kennt, weiß, dass ich ein ausgesprochenes Faible für melodischen und immer auch ein wenig melancholischen Indie-Folk-Americana habe.
“I write stories about the space we share here, while we are here.”
So sagt Erik Penny, geboren in Potsdam / New York, aufgewachsen in El Paso und Los Angeles und seit 2008 in Berlin-Kreuzberg lebend.

Ohne Frage zählt sein wunderbares Album „Heart Bleed Out“, welches mir „Blackbird Music“ aus Berlin zukommen ließ, zu den liebsten zehn Platten, die ich in diesem Jahr in Händen hielt.

Nicht dass er die weltbewegendsten Melodien oder wundersamsten Texte ersonnen hätte. Aber darum geht es ja auch nicht. Ganz im Gegenteil. Es geht darum, sich treu zu bleiben, nicht aufzugeben, weiterzukämpfen, sich weiter zu entwickeln. Auch oder besonders in einer schmerzhaften und herausfordernden Zeit, so wie Erik Penny sie erlebt hat.

erikportrait Alle vierzehn Songs sind in der Phase entstanden, in der Erik Penny`s Tochter schwer erkrankte und er einen geliebten Menschen verlor.
Jeder weiß, Trost funktioniert dann am besten, wenn das Leid am größten scheint. Man mitten darin steckt. Trost braucht es nicht mehr, wenn die Wunden schon verheilt sind. Wobei die Heilung durchaus auch schmerzhaft sein kann.

Erik Penny`s Platte bietet keinen Genesungszauber an. Aber dafür findet „Heart Bleed Out“ selbst im tiefsten Tal und der schlimmsten Tragik und Tristesse immer wieder irgendwo ein bisschen Trost und einen kleinen Funken Hoffnung.
So etwa in den Klängen des Titelsongs, der ein offener Brief an einen verstorbenen geliebten Menschen ist.
Mit einem dunklen Cello wird hier die Emotion tief im Mark abgeholt. Dabei wühlen sich die destruktivsten Verzweiflungen nach oben, werden jedoch mit Akustikgitarre und Erik`s warmer, gleichwohl zurückgenommenen Stimme abgemildert.
Eine Pedal Steel, die diesem Song eine ungeahnte Eindrücklichkeit und gleichzeitige Ausbalanciertheit verleiht, lässt sanften Trost als Erkenntnis zurück.
“I could feel pain and love growing into something new and permanent inside me, and I knew I had changed forever.”

Ja, man kann betrübt sein, aber auch glücklich, und oft genug beides gleichzeitig. Es kommt darauf an, sich immer wieder aufzurappeln. Mit Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und der Konzentration aufs Wesentliche.
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Dass Erik Penny von Stimme und Folkmusikverwurzeltsein an den frühen Bob Dylan und auch an Leonard Cohen oder Neil Young erinnert, hat er sicherlich schon oft gehört.
Ist ja auch nicht völlig von der Hand zu weisen, der Vergleich.
Aber nach drei, vier Songs hört man einfach auf, an irgendwelche etwaigen Vorbilder zu denken. Konzentriert sich lieber auf die einfachen, aber wirksamen Songstrukturen und das ehrliche Leiden des jungen Amerikaners.
Der mit Reduziertheit überzeugt. Und viel Herz.

Von dieser untergründigen Traurigkeit, die so sehr sehnsüchtig schmerzt, dass es schon fast wieder wunderbar ist, erzählt auch „A Path We Share“. Mein liebster Song auf dieser CD. Eine kleine Miniatur, eine Momentaufnahme, die beim Gehen auf einer staubigen, holperigen Straße mit einem Klick festgehalten wird.
Eine Straße, nein, ein Pfad, auf dem die Verlorenen gehen. Menschen, die nur wenig Nächstenliebe kennengelernt haben und lediglich durch die Stimme des Beobachters Aufmerksamkeit erfahren.

Während man bei „Flowers And Fire“ durch großstädtische Zwischenwelten irrt, muss man sich fragen, ob es möglich ist, der Flüchtigkeit der Dinge zu entkommen. Ob es möglich ist, irgend etwas in seinem Leben festhalten zu können. Eine Frage mit hohem emotionalem Intensitätsfaktor. Kennt man die Antwort?
Ja, aber das heißt nicht, dass man resigniert hat. Und sich dabei eben nicht in Selbstzerfleischung ergeht, sondern voller Aufbruchsstimmung nach vorne schaut.
Mit dem reduzierten, folkigen Schlußtrack „The Meaning“ endet das Album schließlich auf nachdenkliche Weise…..(..Rosie..).

Songliste:
01 – Heart Bleed Out // 02 – Flowers & Fire // 03 – A Path We Share // 04 – Like Water // 05 – Another Way Of Talking // 06 – High As A Ghost // 07 – Girl From Oaxaca // 08 – Call It Home // 09 – Springtime // 10 – Dance // 11 – Not My Place // 12 – Old Enemies // 13 – Feel Love // 14 – The Meaning (03:40)
Gesamtspieldauer: 52:21

http://www.blackbird-music.de/index.php?id=141

www.erikpenny.com

Die nächsten Termine – ohne Gewähr. Weitere Termine bitte auf der website abfragen.

15.11.14 Tabori, Leipzig / 17.11.14 Brasserie Hermann, Greifswald / 18.11.14 Buchbar, Dresden / 19.11.14 Cord Club, München / 20.11.14 V.Lenz, Freiburg / 21.11.14 WOW Nachtgalerie, Heidelberg / 22.11.14 Radio Oriente Musikclub, Karlsruhe / 23.11.14 Hafen 2, Offenbach / 24.11.14 Wunschlos Glücklich, Würzburg / 25.11.14 Schlosskeller, Darmstadt / 26.11.14 Wohngemeinschaft, Köln / 27.11.14 Hej Store, Dortmund / 09.12.14 Prinz Willy, Kiel / 10.12.14 Hasenschaukel, Hamburg / 11.12.14 Marschtorzwinger, Buxtehude

Fotos: Blackbird Music, Erik Penny

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