rockblog.bluesspot

musikalisches schreibkollektiv

Sophie’s Earthquake – The Flood

Cover_TheFloodDie Rhein-Neckar-Flutwelle rollt…

(yv) Pünktlich zu Heiligabend des vergangenen Jahres erschien das erste Volllängen-Album des Dreiertrupps – zunächst einmal als Download-Version, „solides“ Material ist jedoch in Planung.
Mitja, Jan und Magnus hatten sich beim geneigten Publikum ja schon 2013 mit ihrer ersten EP einen Namen gemacht (siehe auch Colins Rezension hier im Blog; bei Adansonia Records auf Vinyl erhältlich), und ihr Ruf als fantastisches Live-Ensemble und Jam-Experten wächst mit jedem Auftritt und die Fangemeinde mit ihm. Mir selbst war auch eben jenes Schicksal beschieden, Ruck-Zuck war ich im Bann des Erdbebens und will da auch gar nicht mehr raus.
Ich kann quasi schon eure „komm‘ zur Sache“-Gedanken hören…
Thema Schublade gehört ja irgendwie dazu – was machen die denn überhaupt für’ne Musik?
Hmmm, nun ja, sowas in Richtung Heavyprogressivedeepmelodicstonerkrautpsychjamrock mit wundervollen orientalesken Sahnehäubchen (auch dank der mit an Bord geholten, äußerst feinen Gastmusiker), stets in der Bewegung zwischen leidenschaftlich-träumerischen Hüftwackel- und Schwebeparts mit geschmeidigem Direktanschluss an massives, schweißtreibendes Koppschüttel- und Rumhüpfpotential, würde ich sagen. Alles klar?

BandfotoNun aber zur Musik an sich aus meiner ziemlich persönlichen Warte:
Lange werde ich daran denken, als ich mir zum ersten Mal die Kopfhörer aufsetzte und auf den Play-Button klickte. Schon nach kürzester Zeit zimmerte mir „Fatima“ ein langanhaltendes, schon schier debiles Lächeln ins Gesicht. Es gibt solche Momente, in denen man sich fragt, ob eine Band einen Song quasi nach Vorgabe persönlicher Präferenzen für einen höchstpersönlich geschrieben bzw. eingespielt hat. Solch ein Song ist „Fatima“ für mich.
Rhythmisch-melodische Mäander, die sich um die Percussions von Gastmusiker Tayfun winden, mehr und mehr wird man davon wie umsponnen, und mir schoss bald die von mir hochverehrte Referenz aus längst vergangenen Tagen in den Kopf: „Ala Tul“ von Agitation Frees Album Malesch (1972!), gehüllt in ein junges, frisches, vor Energie strotzendes Gewand! Vom anfänglichen Säuseln des Windes über ein kontinuierliches Crescendo hinein in die volle Wucht. Es dauert nicht lange, bis es förmlich aus den Herren herausbricht, kräftige Griffe in die Saiten, härtere Schläge auf die Drums, pulsierender Bass, und schon stehen wir sozusagen mit den Füßen mitten in der Flut.
Der Titelsong ist ein wuchtiges Ding, zu Beginn trabend, man kann den Hintern kaum auf dem Sofa halten, aber dann… Es wird langsamer, schwermütiger, tiefer, schleppender, gespielt wie mit gebeugtem Haupt und hängenden Schultern und das ganze wird gekrönt von perfektem Einsatz der Stimme von Gastsänger Mehmet, der den Song wie in einem vorderasiatischen Klagelied ausklingen lässt – einfach genial.
„Dave“ ein feines Stück voller Erinnerungen an beste Grunge-Zeiten. Jans klarer Gesang entlang seiner metallischen Gitarrenklänge und inmitten treibender Rhythmen, die ihre Fortsetzung und Weiterführung in „Zero Distance“ finden, jedoch mit noch mehr Gitarrenlast, etwas geradliniger und dem Gesang ganz klar im Vordergrund. Herrliches Bassgeschepper, pointiertes Schlagwerk und flüssige Stromgitarre.
Kurze Hirnentknotung in der Unterwasserwelt beim sanften „Interlude“, bevor der Instrumental-Track „Incarnation“ einen auf die etwas mehr als zehnminütige Reise schickt. Ein ruhiger Einstieg, der nach Steigerung schreit, die dann auch prompt auf dem Fuße folgt. Abwechslungsreichtum, schöne Effekte, mal ein paar ordentliche Baaams und Waaaahs aus allen Richtungen, hervorragendes Zusammenspiel, der Jam-Charakter ist überdeutlich rauszuhören und macht jede Menge Spaß.
Ein zunächst bluesig anmutendes „Concrete Custodian“ wandelt sich vom etwas trübsinnigen Lamentieren einer angekratzten Seele in den herausgeschrienen Ausdruck blanker Wut, von der Klage zur Anklage. Was ein Hammerstück – das dürfte bei vielen Hörern zum Höhepunkt des Albums werden.
Den Schlusspunkt setzen die drei mit „Memories Of The Lost“, das in etwa so klingt wie der Titel vermuten lässt, leise und zurückgenommen, eine melancholische, tiefe Grundstimmung mit hellen Lichtpunkten und sehr sanften Tönen aus den Tasten. Ein exzellenter Abschluss, der den Gesamteindruck vom Können des Trios noch einmal abrundet.
Ich kann jedem nur empfehlen, einmal  ‚reinzuhören und bei Gefallen auch den einen oder anderen Euro über den Bandcamp-Download beizusteuern – umso schneller gibt’s das alles auf Silberling oder gar in Rillen geprägt.

P.S.: Die nächste Gelegenheit, sich von den Live-Qualitäten des Trios selbst zu überzeugen ist am Samstag, den 12. März 2016 im Mohawk Club Mannheim, zusammen mit Rotor und Burnpilot! Kommet zu Hauf!….(yvonne)

Sophie’s Earthquake & Co., das sind:

Bass – Mitja Besen
Gitarre & Gesang – Jan Dewald
Schlagzeug – Magnus Birkel
Percussions zu „Fatima“ – Tayfun Ates
Gesang zu „The Flood“ – Mehmet Caglar
Cover Artwork – Tamara Gaus
Bandfoto – Anima Nigra Photography

Bandcamp: https://sophiesearthquake.bandcamp.com/

Facebook: https://www.facebook.com/Sophies-Earthquake-833196446731760/

Kontakt: sophiesearthquake@gmail.com

Einsortiert unter:Album Reviews, Jam, Psychedelic, Rock, Stoner, ,

Februar 2016
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
29  

Unsere Facebookseite

Link zu unserem You Tube Kanal

Marcus King Band am 23.09.17 im De Oosterpoort/Groningen/NL

Musiker für Musiker + Psychedelic Krautrock im Weltkunstzimmer Düsseldorf am 30.09. + 07.10.17

Magnificent Music Festival am 06.+ 07.10. in Berlin und Jena

Gov´t Mule Fall Tour in Germany

Helldorado – The Incredible Rock & Roll Freakshow Klokgebouw/Eindhoven 18.11.17

Fuzzfest Wien am 24. + 25.11.17

Diese Artikel werden gerade gelesen:

%d Bloggern gefällt das: